Marie-France Roy & Mary Rand: Deine Line. Deine Entscheidung.
Eine Filmcrew wartet, die Line sieht gut aus, alle sind motiviert. Und Du? Du hast Zweifel. Genau solche Momente machen den menschlichen Teil des Risikomanagements so wichtig. In unserem Gespräch mit Marie-France Roy und Mary Rand geht es um die Freude am Splitboarding – und darum, eigene Entscheidungen nicht an der Talstation abzugeben.
Wir haben die beiden damaligen Arbor-Teamriderinnen beim Shop’s First Try getroffen. Das Video wurde am 9. Dezember 2020 veröffentlicht. Hier bekommt das Gespräch seinen eigenen Beitrag: mit den zentralen Gedanken zum Nachlesen und Zeitmarken zum direkten Einstieg.
Das komplette Gespräch
Das englischsprachige Interview dauert 15:46 Minuten. Gegen Ende ist die Tonqualität eingeschränkt. Die folgenden Abschnitte fassen das Gespräch redaktionell zusammen.
Langsamer unterwegs. Näher an den Bergen.
Marie-France beschreibt, was ihr das Splitboard gegenüber dem Zugang mit Lift, Helikopter oder Snowmobil eröffnet hat: Zeit. Zeit, eine Line beim Aufstieg zu betrachten, Bedingungen wahrzunehmen und die Umgebung stärker zu erleben. Das eigene Tempo verändert den Blick auf den Berg.
Mary erzählt offen, wie ungewohnt der Aufstieg für sie anfangs war. Auf zwei Hälften bergauf zu gehen und Spitzkehren zu lernen, fühlte sich keineswegs sofort selbstverständlich an. Auf dem Snowboard bergab war sie wieder in ihrem vertrauten Element. Diese Ehrlichkeit gehört zum Gespräch: Auch eine professionelle Snowboarderin muss neue Bewegungen erst lernen.
Der Einstieg braucht Wissen – und Menschen, denen Du vertraust
Was empfehlen die beiden Frauen, die mit dem Splitboarden beginnen möchten? Im Gespräch stehen Kurse und kompetente Begleitung im Mittelpunkt. Dazu gehören der Umgang mit dem Material und die Grundlagen für Touren im freien Gelände.
Mary beschreibt, dass professionelle Lawinenkurse ihr beim Einstieg mehr Selbstvertrauen gegeben haben. Mentoren waren ebenfalls wichtig. Die Botschaft ist ermutigend: Du musst nicht schon alles können, um mit dem Lernen anzufangen. Aber Du brauchst einen Rahmen, in dem Du Fragen stellen und Grundlagen aufbauen kannst.
Wenn die Crew mehr will als Du
Wir sprechen auch über Druck beim Filmen: Erwartungen von Sponsoren, ein Team vor Ort und Bedingungen, die vielleicht morgen besser wären. Marie-France erzählt, dass sie anfangs viel Verantwortung gedanklich bei anderen gesehen hat. Mit zunehmendem Wissen gewann ihr eigenes Urteil an Gewicht.
Dabei geht es nicht darum, die Einschätzungen der Gruppe auszublenden. Wichtig sind Partner mit einer ähnlichen Risikobereitschaft und eine Crew, die Bedenken ernst nimmt. Ein ungutes Gefühl muss ausgesprochen werden dürfen, ohne dass daraus ein Überredungswettbewerb wird.
Plan A ist nicht der einzige Plan
Mary betont Vorbereitung und Routine: die Schneedecke des Tourengebiets kennenlernen, die Gruppe vorbereiten und Alternativen mitdenken. Sie nennt im Gespräch auch regelmäßige Gerätechecks und einen zweiten oder dritten Plan.
Besonders hängen bleibt ihr Hinweis auf die stillen Menschen in der Gruppe. Wer gerade wenig sagt, hat vielleicht trotzdem etwas Wichtiges beizutragen. Offene Kommunikation bedeutet deshalb auch, aktiv nachzufragen. Erfahrung und Können können unterschiedlich verteilt sein; ein Einwand soll dennoch Raum bekommen.
Die richtige Entscheidung hängt auch davon ab, wo Du bist
Entfernung, Hilfe, Ausrüstung und die Fähigkeiten der Gruppe verändern den Rahmen einer Tour. Marie-France spricht darüber, ihre Risikobereitschaft dem jeweiligen Zugang und der Erreichbarkeit von Rettung anzupassen. Die Frage lautet also nicht nur: Kann ich diese Line fahren? Sondern auch: Was würde ein Zwischenfall hier für uns bedeuten?
Zum Schluss geht es ums Auslassen und Umkehren. Nicht jede geplante Line sieht vor Ort so aus wie erwartet. Eine andere Option zu wählen, gehört für die Riderinnen dazu. Die Crew muss damit umgehen können, wenn jemand Nein sagt.
Direkt zu den Themen
- 0:43: Warum Splitboarding den Blick auf den Berg verändert
- 1:40: Mary über den ungewohnten Aufstieg
- 4:42: Einstieg, Kurse und Mentoren
- 6:32: Filmen, Erwartungen und eigene Entscheidungen
- 10:01: Vorbereitung, Alternativen und Kommunikation
- 12:24: Risiko im Verhältnis zu Ort und Rettungsmöglichkeiten
- 14:35: Eine Line auslassen und Nein sagen
Weiterdenken und die nächste Tour vorbereiten
Das Gespräch zeigt persönliche Erfahrungen aus 2020. Für die konkrete Vorbereitung Deiner nächsten Tour findest Du Bergwetter, offizielle Lawinenlageberichte und Tourenplanung im Sicherheitsbereich.
Zum Thema Zuhören und Gruppe passt auch unser Interview mit Nicholas Wolken. Weitere Perspektiven gibt es unter Von erfahrenen Ridern lernen.