Nicholas Wolken: Gute Lines beginnen mit guten Entscheidungen
Eine gute Line beginnt lange vor dem ersten Turn. Für Nicholas Wolken gehört dazu, das eigene Wissen regelmäßig zu hinterfragen – und wirklich zuzuhören, wenn die Menschen in der Gruppe über ihre Ziele sprechen. Wir haben den Korua-Mitgründer zu seinem Umgang mit Risiko und Sicherheit in den Bergen befragt.
Das Interview: Nicholas Wolken über Risk & Safety Management
Das englischsprachige Gespräch dauert 3:33 Minuten. Das Video haben wir am 10. Februar 2026 auf unserem YouTube-Kanal veröffentlicht; hier findest Du die wichtigsten Gedanken auf Deutsch.
Erfahrung ist kein Abschlusszeugnis
Nicholas erzählt, dass er etwa alle zwei Jahre einen Lawinenkurs besucht. Nicht, weil ihm die Grundlagen fremd wären. Sondern weil er beim erneuten Durchgehen immer wieder etwas dazulernt. Für die Ausbildung empfiehlt er professionelle Begleitung und aktuelles Wissen zu Abläufen und Verfahren.
Sein Blick auf Erfahrung ist angenehm unaufgeregt: Je mehr er erlebt, desto deutlicher wird ihm, was er noch nicht weiß. Auch sehr erfahrene Menschen können in den Bergen tödlich verunglücken. Für ihn ist das ein Grund, weiterzulernen und nie davon auszugehen, bereits alles verstanden zu haben.
Eine Tour planen – und den Plan unterwegs hinterfragen
Vorbereitung gehört für Nicholas zum normalen Ablauf. Entscheidend ist aber auch der Abgleich draußen: Passen die tatsächlichen Beobachtungen zu dem, womit die Gruppe bei der Planung gerechnet hat?
Im Gespräch beschreibt er Sicherheit als Prozess. Es gibt für ihn keinen einzelnen Handgriff, der alle Risiken erledigt. Vieles muss zusammenkommen: Wissen, Vorbereitung, Wahrnehmung und die Bereitschaft, die eigene Einschätzung zu überprüfen.
Reden ist gut. Wirklich zuhören ist entscheidend.
Besonders klar wird Nicholas beim Thema Gruppe. In der Ausbildung, so seine Beobachtung, bekommt das naturwissenschaftliche Wissen oft viel Raum. Gruppendynamik werde dagegen manchmal nur am Rand erwähnt. Aus persönlichen Erfahrungen mit Lawinenereignissen hat er gelernt, wie wichtig der Austausch untereinander ist.
Dabei geht es um mehr als die Frage, welche Abfahrt jemand fahren möchte. Was motiviert die anderen? Haben alle dasselbe Ziel? Wird ein Einwand gehört? Wer aufmerksam zuhört, kann eher erkennen, wenn Erwartungen auseinandergehen – bevor die Gruppe an einem Ort steht, an dem sich jemand schon morgens nicht sehen wollte.
Mit Menschen unterwegs sein, die ein Nein mittragen
Nicholas spricht sich für Tourenpartner aus, bei denen man sich gehört fühlt. Dazu gehören Menschen, die bereit sind, Nein zu sagen oder umzudrehen, wenn sich jemand nicht wohlfühlt. Und Menschen, von denen man lernen kann.
Das ist der Gedanke, der aus diesem kurzen Gespräch besonders hängen bleibt: Gemeinsam unterwegs zu sein bedeutet auch, Raum für Zweifel zu lassen. Die geplante Line darf zur Diskussion stehen.
Direkt zu den Themen im Video
- Ab 0:28: Vorbereitung und regelmäßige Auffrischung
- Ab 1:18: Sicherheit als Prozess und die Grenzen der Erfahrung
- Ab 2:12: Gruppendynamik, Motivation und Zuhören
- Ab 3:00: Tourenpartner, Nein sagen und Umkehren
Deine nächste Tour beginnt hier
Für die Vorbereitung findest Du bei uns Bergwetter und Quellen, offizielle Lawinenlageberichte und Wissen zur Tourenplanung. Weitere persönliche Perspektiven gibt es in den Safety-Interviews.
Du möchtest auch Nicholas’ Blick auf die Ausrüstung kennenlernen? In unserem Video zur Korua Splitline 2027 stellt er unter anderem Elevator und Quill vor.