LWD Schweiz
Talort: Engelberg

Anspruchsvolle Königstour im Staugebiet Nummer 1. Schneesicherheit, Abseilstellen und Einsamkeit trotz Liftunterstützung machen diese Tour einzigartig.

Tourendaten
Help? SAC-Level?
Schwierigkeit SAC: S
 
Gipfelhöhe: 3.198m
 
Starthöhe: 3.020m
 
Höhendifferenz: 2.210m
 
Gehzeit h:min: 8:00+
 
Exposition: Nord,Süd,Nord-West,
 
Beste Tourenzeit: Frühjahr
Anreise:

Mit PKW oder Bahn nach Engelberg.

Tourenbeschreibung
Startpunkt:

Ausgangspunkt ist die Bergstation Klein Titlis, der höchste Punkt im Skigebiet. Am Besten man nimmt gleich morgens die erste Bahn.
Parken kann man auf den Parkplätzen des Skigebiets.
Auf Anfrage bei der Seilbahn kann man auch mit der Personalfahrt morgens gegen 7 Uhr auffahren.

Aufstieg:

Die eher unbekannte Engelberger Haute Route stellt eine konditionell und technisch anspruchsvolle Skitour dar, die sich fast durchgehend auf Gletscher bewegt. Aufgrund dessen und der Abseilstellen vom Titlisjoch benötigt man eine komplette Ski- sowie Hochtourenausrüstung! Ich empfehle 2x50m Halbseile. Sichere Schneeverhältnisse sind obligatorisch!

Wir sind die Tour in drei Tagen gegangen, wobei der letzte lediglich für den Abstieg von der Spannorthütte und der Heimfahrt genutzt wurde. Zwei Tage sollte man aber unbedingt einplanen!

1. Tag:
Von der Bergstation Klein Titlis fährt man über den Gletscher ab und kreuzt unterhalb der Rotair-Bahn nach West zum Titlisjoch. Die Abfahrt ist bereits bei der Gondelfahrt gut einsehbar und in der Regel gut gespurt. Vom Hinteren Titlisjoch geht es über den kurzen, aber ausgesetzten Grat etwa 30Hm hinauf und über einen breiten Rücken anschließend zur ersten Abseilstelle. Diese ist mit einer Stahlstange sehr gut zu finden.

Für diese erste Abseilstelle empfehle ich möglichst die Verwendung der vollen Seillänge(n). Nach den ersten Metern kann man theoretisch auch schon wieder abfahren. Ich selbst bevorzuge jedoch sich hier soweit wie möglich abzuseilen. Bei sehr guter Schneelage kann man auch mit angeschnalltem Board abseilen.

Nach dieser Stelle fährt man den immer flacher werdenden Kessel hinab bis man eine zweite Steilstufe erreicht. Hier hält man sich an eine mittig linke Rinne. Einen Abseilstand erkennt man bereits vom Einstieg in die Rinne aus. Sie befindet sich an der Felswand auf der rechten Seite. Nun kurze Abfahrt bis dort. Etwa alle 15-20Hm findet sich ein solcher Standplatz an dieser Felswand. Je nach persönlichem Empfinden und Schneelage kann man so durchaus bis zum 3. Standplatz abfahren. Spätestens dort muss man aber erneut abseilen. Mit 2x50m kommt man von diesem Platz direkt oberhalb des Felsabbruches bis zum Schneefeld.

Nach einer kurzen Abfahrt hält man sich nun links und steigt das breite, steile Couloir zum Gletscher hinauf. Wir sind hier noch einmal über ein Band nach rechts gequert und anschließend durch eine enge, steile Rinne aufgestiegen. Beide Varianten sollten funktionieren. Alternativ kann man sich auch südlicher halten und eines der flacheren Couloirs wählen. Dann aber Achtung vor dem Gletscherbruch poberhalb!

Der weitere Anstieg bis zum Grassenbiwak ist unschwierig und führt sanft bis zur Hütte hinauf. Dieses erreicht man entweder über das Wendenjoch oder weiter östlich über den Pass zwischen Tierberg und Grassen. Besonders beeindruckend ist die Südwand des Titlis, die imposant neben einem aufragt!

Wir haben nun unser Gepäck im Biwak hinterlassen und sind noch die 300Hm bis zum Grassen aufgestiegen. Das Gelände ist einfach und die Abfahrt sehr lohnenswert. Außerdem hat man vom Gipfel einen wunderbaren Blick hinüber zum Sustenhorn, den Titlis sowie in die Berner Alpen.

2. Tag:
Den zweiten Tag sollte man möglichst früh beginnen. Wir hatten einen sehr warmen und sonnigen Frühlingstag und sind erst gegen 7.30 los gekommen. Nassschnee wurde im Laufe des Tages sehr zum Thema, auch wenn wir die Tour dennoch erfolgreich beenden konnten. Ich empfehle einen Start so gegen 6.00 Uhr morgens.

Man folgt nun kurz der Aufstiegsspur zum Grassen und biegt anschließend rechts auf den Firnalpelifirn Richtung Stössensattel ab. Sobald das Gelände wieder steiler wird, versucht man möglichst die Höhe zu halten und fährt anschließend in ein steiles, aber breites NO-Couloir hinein (~2.700m). Hier müssen unbedingt sichere Verhältnisse herrschen, das dieser Abschnitt häufig Lawinengefährdet ist.

Man befindet sich nun auf dem Grassengletscher und fährt diesen bis auf etwa 2.350m weiter hinab. Nun kurz ein steiles Firnband hinauf (bei harten/eisigen Bedingungen heikel für Splitboards!). Von hier aus steigt man nun ständig wieder auf, quert unterhalb des Bärenzähns und erreicht über das Glerscherplatt das Bärenhorn (2.932m). Von hier kurz hinab zum Chüefadpass und unterhalb des Chli Spannort querend zum Spannortjoch. Hier sollte man sich eher etwas weiter unten halten, um sehr steilen Hängen auszuweichen. Skidepot für den Gross Spannort kurz oberhalb des Jochs.

Der Augstieg zum Gross Spannort folgt nun über die steile Süd-Firnflanke vom SW-Grat. Hierbei überklettert man eine kurze, aber sehr brüchige Felsstufe und steigt anschließend weiter im Firn zum Grat hinauf (~55°). Nun kurz im flachen Gelände hinauf zur 2. Steilstufe, die man im Fels erklettert. Das Gelände ist dabei gut gestuft und sehr gut kletterbar (II. Grad). Man sollte aber jeden Griff/Tritt vorher auf seine Festigkeit überprüfen!
Nach einer weiteren flachen Etappe erreicht man die 3. Steilstufe. Diese umgeht man am Besten rechts im Schnee. Eine Variante links durch den Fels, soll es wohl ebenfalls geben. Im Anschluss gibt es keine weiteren Schwierigkeiten bis zum Gipfel, den man über das Gipfelschneefeld erreicht.

Abstieg zum Depot über die Aufstiegsroute. Die Felsstufe kann man über eingebohrte Standplätze sehr gut abseilen.

Bei guter Schneelage/Trittfirn ist der Aufstieg wohl deutlich einfacher begehbar als bei wenig Schnee, da die gesamte Route sehr schuttig ist.

Abfahrt:

Abfahrt vom Skidepot über die Schlossberglücke (kurzer Gegenaufstieg von 20m) zur Spannorthütte und von dort weiter ins Tal. Ab der Führenalp fährt zur Wintersaison (bis etwa Mitte April) ein kostenloser Skibus, der einen die letzten Kilometer zurück nach Engelberg bringt.
Falls man auf den Bus warten muss, lohnt sich ein Stopp im Restaurant Wasserfall mit tollem Blick auf die begangene Tour.

Ascent route map (show/hide)



Kommentare

  • 11. April 2017 - 17:18 Zum Kommentieren anmelden oder registrieren.
    Tourenbericht
    Gruppengröße: Duo
    Tourenart: Splitboard
    Lawinenwarnstufe: 2
    Gefahrenpotential: Allg. Lawinenwarnstufe 1 am Vormittag und 2 am Nachmittag aufgrund von Nass- und Gleitschneelawinen. Früher Start empfehlenswert, da teilweise Steilhänge bis 40° befahren werden. Im Aufstieg zum Spannort außerdem ein etwa 55° steiles Firnfeld, welches wir (leider) erst gegen 13.30 Uhr im Aufstieg begangen haben. Gletscherausrüstung (Seilschaft) kann notwendig sein. Man begeht die meiste Zeit Gletscherflächen.
    Kommentar / Tourenverhältnisse:

    Oberhalb 2600-2700m noch traumhafter Pulverschnee in den schattseitigen Expositionen, ansonsten Sulz oder Harschdeckel. Klassische Frühlingssituation.
    Im Abstieg mussten wir ab etwa 1800m das Gerät dann tragen.

    Für mich persönlich war es die eindrucksvollste und spannendste Tour der Saison. Perfektes Wetter, tolle Landschaft, anspruchsvolle Tour und alle Gipfel erreicht. Was will man mehr?