Wintercamping bedeutet Commitment, Organisation und Improvisation, hier ein Erlebnis bei Temperaturen bis -12°C in einem Camper ohne Standheizung.

Es ist ein Donnerstag vor Sylvester und in weniger als 24 Stunden soll es losgehen. Das Wetter ist in den meisten Teilen Tirols eher mittelmäßig angesagt, doch der Schnee liegt überall.
Also suchen wir uns einen Ort an dem das Wetter die nächsten vier Tage passen soll

Unsere Wahl fällt auf Cortina. Es ist das Neujahrswochenende also sind alle Hotels und Pensionen überfüllt und wir bereiten uns auf vier Tage Wintercamping in unserem zwar isolierten aber nicht mit Standheizung ausgestattetem Splitboarding-Bus vor.

Wir nehmen die Standardausrüstung mit, eine extra Daunenjacke und eine Trainingshose, falls es nachts kalt wird. Leider hatten wir keine Zeit uns vollständig vorzubereiten, also haben wir keinen wirklichen Plan was wir machen wollen. Ja, Splitboard-Touring steht auf dem Programm. Wo? Hmmm, die Conditions sind tricky und wir kennen das Gebiet nicht. Also nehmen wir uns an Tag 1 einen Guide.

Treffpunkt: 9:00 Uhr Misurina am Spar. In Cortina ist es voll, und die Pelzmanteldichte ausgesprochen hoch. Somit sind wir froh noch am Abend unserer Ankunft nach Misurina an den See zu fahren.

Kurz vor der Abfahrt nach Misurina, lassen wir uns ein wenig treiben und landen Prosecco trinkend in einem Multishop, in dem gerade die neue Pride Sonnenbrillen Kollektion präsentiert wird. Coole Brillen aus Nylon - ultraleicht und bequem auf der Nase.

So, jetzt wollen wir los. Wir starten nach Misurina. Nach circa 25 Minuten kommen wir in einem kleinen, direkt am See gelegenen Ort an. Perfekt, hier ist ein großer Parkplatz, direkt am zugefrorenen See, auf dem wir nächtigen können. Essen, Bus fertig machen, schlafen. Naja, mit dem Schlafen war es nicht so einfach, denn es war wirklich kalt die Nacht. Ein permanentes Frösteln, keine harte Kälte, sondern ein Gefühl, gerade aus dem Komfortbereich des Schlafsacks heraus zu sein, begleitete uns die ganze Nacht.

OK, 9:00 Uhr los geht es zum Spar um unseren Guide zu treffen und nen Kaffee zu trinken. Simone Corte Pause, erwartet uns bereits. Wir quatschen ein wenig und fahren los zu einem kleinen Skigebiet in der Nähe.

Die Tour geht zum Forcella della Neve, nichts Spektakuläres und bestens ohne Guide machbar. Auf dem Weg nach oben versuchen wir möglichst viele Infos und Tourentipps für die kommenden Tage zu bekommen und Simone teilt sein Wissen gerne mit uns.

Nach der Bamperltour essen wir noch miteinander zu Mittag und dann gehen alle wieder ihre Wege. Wir fahren nach Cortina um hier in die Sauna zu gehen. Die Sauna ist klein aber fein inklusive Whirlpool und wir waren am heutigen Tag die einzigen - Top!

Nachdem wir eine gute Stunde erfolglos eine nicht überfüllte Pizzeria in Cortina suchten, ging es zurück nach Misurina. Hier wurde uns die Pizzeria hinten am See empfohlen.

Ordentlich viel essen, damit wir die nächste Nacht gut überstehen - war angesagt. Jetzt hatten wir Zeit unsere Tourenplanung selbst in die Hand zu nehmen. Heraus kam ein Joch auf halbem Weg zum Croda Rossa, dem Roten Berg. Ein kleiner Wehrmutstropfen ist der relativ lange Anstieg auf einer Forststrasse durch den Wald. Die imposanten Felsformationen die an ein gigantisches Amphitheater erinnern, lassen die Mühen  des langen Zustiegs jedoch schnell wieder vergessen. In der Mitte dieser gigantischen Felsenkrone aus Dolomit und Jurakalkstein thront das Castel de ra Valbones, ein riesiger dunkelgrauer Kalkmonolith. Bei sicheren Conditions eine tolle Tour, nicht nur zum Fahren, sondern auch um die umliegende Bergwelt zu betrachten und sich ein gutes Bild der aktuellen Verhältnisse zu machen.

Wir haben uns mal wieder viel Zeit gelassen und waren den ganzen Tag unterwegs. Heute ist Silvester, wir versuchen erneut in die Sauna zu gehen, doch heute ist sie nur für Hotelgäste geöffnet. Also geht es direkt in die Pizzeria, wo am heutigen Abend eine Band spielt. Same Game - Tourenplanung, Silvesteressen und um ca. 22:00 Uhr geht es ins Bett. Pünktlich zum Jahreswechsel werden wir dann von den Böllern und Raketen der umliegenden Hotels und Silvesterfreunde geweckt.

Neujahr: Heute hat es geschneit und  das Wetter ist nicht so toll, also wollen wir im Skigebiet 5 Torri ein paar Treeruns machen. Leicht gesagt, doch hatten wir aus irgendwelchen Gründen keine Schneeketten im Auto. Alles kein Problem, bis die fünf Autos vor uns anhalten um Ihre Schneeketten aufzuziehen. Hmm, blöd was machen wir??? Rumstehen, überlegen, nochmal gucken ob die Ketten doch da sind,... Nach 20 Minuten, fahren wir weiter. Gesagt und wider erwarten auch getan. So kamen wir erneut nach Cortina. Bei der Eni Tankstelle gibt es viele Schneekettenmodelle zu horrenden Preisen. Ja, Nein, Ja, Nein,... Waren unsere Überlegungen und letztendlich sind wir dann zur Tofana gefahren, ein Skigebiet direkt neben Cortina d`Ampezzo. Wie es das Schicksal manchmal so will, treffen wir an der Gondel einen Freerider und einen Splitboarder. Beide aus Rom, doch kennen sie das Gebiet bestens. Nachdem wir uns sympatisch sind, beschließen wir zusammen riden zu gehen. Die Belohnung - eine gute Crew und knietiefer, unverspurter Pulver direkt auf der Piste. Und nein es war nicht wie manchmal bei uns auf den Gletschern. Es war niemand da, also zogen wir unsere "First-Lines". Circa vier Stunden bis wir am Nachmittag zufrieden wieder am Auto ankamen. Ein unerwarteter Tag!

Heute sitzen wir in einer Bar und machen die Tourenplanung für morgen. Auf gehts fahren wir direkt zum Passo di Giau um in der Früh gleich starten zu können. Keine Schneeketten? Egal, jetzt sind nicht viele Leute unterwegs und wir werden schon ankommen. Nach 30 Minuten erreichten wir den Startpunkt der Tour zum Monte Mondeval. Hier angekommen bereiten wir erneut unser Nachtlager vor. Doch was ist das? Es röhrt wie als wären wir direkt neben der Rennstrecke einer Rally. Tatsache um ca 23:00 Uhr rasen fünf Autos (ohne Schneeketten) die Passstrasse hinauf und genießen den optimalen Tag zum Winterrally fahren. Krass, denken wir uns, schauen uns nochmal die morgige Tour im Dunkeln an und legen uns zur Ruhe.

Diese Nacht auf ca. 1900 Metern war wieder etwas kälter und unsere Schuhe am nächsten Morgen reine Eisklötze. Naja die wärmen sich durch unsere Füße wieder auf. Letztendlich haben wir zwei Stunden gebraucht um dann wirklich los zu kommen. Ohhh, schau mal da ging gestern Nacht noch eine Lawine runter, besser wir halten uns weiter links um dann zu dem Joch zu kommen.

Die Tour war super, im oberen Bereich etwas windverblasen doch haben wir uns die Leeseiten der Mulden ausgesucht, in denen nicht störanfällige kleinräumige Triebschneepakete lagen.

So das war unser Neujahrsaction 2017-18. Wer ähnliches machen möchte, kann gerne Fragen unterhalb des Artikels stellen.

Fazit:
Wintercamping bei bis zu minus 12° geht gut, auch ohne Standheizung - etwas Kreativität ist allerdings gefragt. Achtet darauf, dass immer Wasser, wenn auch gefroren in Euren Töpfen bzw. Thermoskannen ist. Somit könnt Ihr weiteres Wasser schneller schmelzen und müsst nicht so viel Schnee umwandeln.
Esst genug, damit der Körper wärme produzieren kann.
Nehmt Luftentfeuchtungspakete mit, damit Euer Auto von Innen nicht so stark vereist und Ihr auch nach drei Tagen die Türen noch öffnen könnt.
Am ersten Tag einen Guide nehmen macht Sinn, wenn man sehr spontan unterwegs ist und keine Möglichkeit hatte die Tourenplanung selber durchzuführen. Am besten sagt Ihr dem vermeidlichen Guide, dass Ihr keine Bamperltour, sondern etwas Cooles machen wollt. Sonst machen sich die Guides es oft leicht und naja, für Menschen die oft am Berg sind ist es dann vielleicht nicht das Richtige.

Sauna: Centro Benessere, Cortina d'Ampezzo
Pizzeria: Quinz - Locanda Al Lago
GuideOffice: Alpine Guides - Cortina d'Ampezzo and the Dolomites
Corso Italia 69/a
32043 Cortina d'Ampezzo

Karte: Cortina D'Ampezzo e Dolomiti Ampezzane: Wanderkarte Tabacco. 1:25000