Monte Rosa war der Plan, Gran Paradiso bei besten Verhältnissen das Erlebnis. Das Wetter hat uns mal wieder gezeigt wie wichtig die Tourenplanung, Alternativziele und das Mikroklima in den Bergen sein können.

Grand Paradiso Wetterchecking
Auf dem Weg

Es ist der 29.04.2014, unser Ziel die Mantovahütte im Monte Rosa Massiv.

Nach unseren Informationen sollte es ca. 50 cm Neuschnee haben und das Wetter eher miserabel werden. Egal wir wollen etwas erleben und der ein oder andere Tag mit ein paar Sonnenstunden war ja auch angekündigt. Der Wind würde gerade so stark sein, dass es zu Schneeverfrachtungen kommt und die gefühlten Temperaturen sollten bis zu -25° erreichen. Die Bedingungen werden also nicht unbedingt zum Wellness-Touring einladen, trotzdem zieht es uns in die Berge. Irgendwas geht immer und Spaß werden wir auf jeden Fall haben.

Da die Anfahrt mit 6 Sunden ja nicht unbedingt kurz ist, rufen wir nach dem Start bei der Hütte an um uns die aktuellsten Infos zu holen.
Die nette Dame am Telefon informiert uns über starke Schneefälle - stärker als erwartet, einen gechlossenden Lift der wegen Wartungsarbeiten erst pünktlich zum Touriansturm des ersten Mais wieder öffnet und über die Lawinengefahr.

Fakten:

  • 60-70 cm Neuschnee und noch mehr in den kommenden 4 Tagen
  • 2 Personen die am 27.04.2014 auf Grund der Lawinengefahr per Heli ausgeflogen wurden.
  • Keine Spur zur Hütte, 2 Tourengeher hatten es versucht allerdings aufgrund der Bedingungen umgedreht.
  • 10 Minuten äusserst gefährlicher Teil im Zustieg zur Hütte.
  • Liftunterstützung ab 01.05.2014 und garantiert ein Wahnsinniger der die erste Spur zieht.
  • Wettervorhersage der kommenden 4 Tage Schneefall mit vereinzelten Sonnenfenstern und vielleicht einem schönen Tag.

OK, der Spaß am Monte Rosa ist in Frage gestellt und obwohl unsere Tourenplanung (siehe unten) komplett aufgestellt war entscheiden wir uns kurzer Hand unser Ziel zu ändern, um unter einladenderen Bedingungen doch etwas Schönes machen zu können.

Wettercheck

Von Tirol über Salzburg, das Engadin, die Dolomiten, das Berner Oberland, Chamonix bis zum Aostatal war überall schlechtes Wetter angesagt. Die Vorhersage hatte sich in den vergangenen 24 Stunden noch einmal verschlimmert.

Uff, was machma dann? Ein paar Hütten anrufen und hören was die Wirte sagen.

Wetter Monterosa
Wie wird wohl das Wetter? Wir wollen es schön!

Infos der Hüttenwirte

Monte Rosa Hütte: Vielleicht klebt die Front ja an der Dufourspitze. Nein, die Hälfte der Buchungen war bereits storniert und das Erreichen der Hütte nicht möglich.

Mönchsjoch Hütte: "Gerne könnt Ihr kommen um mit uns auf der Hütte zu sitzen". Der Großteil der Reservierungen ist bereits storniert.

Diavolezza Hütte: "Jetzt gerade is ok, ab morgen Schneefall und dann wissen wir nicht was kommt."

Rifugio Vittorio Emanuele, Gran Paradiso: "Es hat gerade etwas geschneit, heute und morgen wird das Wetter noch halten, übermorgen ein Tag schlecht mit 20-30 cm Neuschnee und am Samstag wieder schön."

Ahaa, Rifugio Vittorio Emanuele 2731 Meter hört sich doch gut an, nochmal im Web die Wetterlage überprüft und die Entscheidung getroffen zum Gran Paradiso weiterzufahren. Vielleicht ist uns das Microklima wohlgesonnen. Guter Stimmung, da wir ja wieder eine Chance auf einige schöne Touren Tage haben, fahren wir jetzt in Richtung Aosta Tal und bereiten uns geistig schon einmal auf die Begehung des Gran Paradiso vor.

Tourenmöglichkeiten Gran Paradiso

Nachdem wir, bei zunächst leichtem Schneefall, das Rifugio Vittorio Emanuele erreichen, organisieren wir eine Karte und planen für die nächsten Tage:

1. Gran Paradiso, da das Wetter mit relativ großer Wahrscheinlichkeit bis Mittags hält.

2. Richtung Tresenta und Orientierungsübungen mit Karte und Kompass, da das Wetter mit Sicherheit schlecht wird.

3. Richtung Tresenta und Col di Moncorve, bei 20-30 cm Neuschnee wollen wir uns erst einmal die Lawinengefahr anschauen und dann entscheiden.

Grand Paradiso Impressionen
Gran Paradiso Impressionen

Weitere Möglichkeiten in diesem Gebiet sind Ciaforon (Steile Nordflanke mit Abseiler, zurück zur Vittorio Emanuele oder steile Süd-Ostflanke und dann weiter zum Biwak Giraudo und hinunter ins Valle del Orco. Beides extreme Abfahrten), Col del Gran Etret und zurück nach Pont oder die Abfahrt vom Gran Paradiso über Laveciau zum Rifugio Chabod auf 2750 Meter, welche sich für ein anderes mal als äusserst interessant erwiesen hat. Auch kann man die Tour umgekehrt vom Chabod zum Gran Paradiso und dann zum Rifugio Vittorio Emanuele machen.

Tourenmöglichkeiten Moncorve Gletscher
Impressionen Moncorve Gletscher

Das im Nationalpark gelegene Tourengebiet rund um den Gran Paradiso ist überwältigend, die Natur sehr ursprünglich und die Möglichkeiten sind vielfältig. Die Bergwelt mit Ihren schroffen Gipfeln lädt zu Entdeckungstouren ein und auch für die Freunde von Biwakübernachtungen stehen einige Biwakhütten zur Verfügung.

Hier noch die Preise für die Übernachtung im Rifugio Vittorio Emanuele, Stand 2014

 AV-Mitglieder

Nicht AV-Mitglieder

Übernachtung Lager10,00 €20,00 €
Übernachtung 4-5 Personen Zimmer12,00 €24,00 €
Halbpension Lager31,00 €41,00 €
Halbpension Zimmer 4-5 Personen37,00 €47,00 €

Halbpension Bergführer

23,00 € 

Marschtee kostet 2,- € pro Liter, das Wasser ist trinkbar und man kann auch selber auf dem mitgebrachten Gaskocher kochen.

 

Touring am Monte Rosa

Hier unser verworfener Plan vom Monte Rosa, den wir allerdings bei entsprechenden Verhältnissen erneut ins Auge fassen werden.

Mit Liftunterstützung wollten wir zur Punta Indren 3260 Meter und von dort gemütlich zur Manotvahütte bis auf 3500 Meter aufsteigen. Je nach Zustand ist es möglich am selben oder am darauf folgenden Tag die relativ einfache Vincent Pyramide 4215 Meter zu begehen und entweder über die Nord-West exponierte Normalroute wieder zur Mantovahütte abzufahren oder bei entsprechendem Können und Verhältnissen extrem steil nach Süd-Ost und dann über den Indren Gletscher abzufahren.

Am zweiten Tag sollte es dann über die Zumsteinspitze (4563m) und nach Möglichkeit mit Abklettern über den Grat, zur Dufourspitze 4634m hinauf gehen. Von dort über die fantasitsche 1700 HM Abfahrt zur Monterosa Hütte auf 2883 Meter. Entspannen, Essen, Trinken!

Am dritten oder vierten Tag war es geplant über das Col del Lys 4153m zurück zur Mantovahütte und hinunter ins Tal zu gelangen.

Alternativen:

Erster Tag wie beschrieben, zweiter Tag zur Zumsteinspitze 4563 Meter und auf dem Rückweg nach Lust und Kondition die anderen Gipfel "abklappern" Signalkuppe 4554, Parrotspitze 4432, Ludwigshöhe 4432, Corno Nero 4321 und zurück zur Mantovahütte.

Tag drei wären wir zum Liskamm gegangen mit seinem höchsten Punkt von 4479 Metern und dann zurück zur Hütte und weiter ins Tal nach Alagna.

Sollte jemand von Euch diese Tourenplanung als Inspiration für eigene Unternehmungen nutzen, würden wir uns freuen wenn Ihr einen kleinen Bericht schreibt und ihn bei uns im Forum veröffentlicht.

Fazit

Nach allem hin und her hatten wir eine unvergessliche Tourenwoche. Die Hütte gemütlich, die Ziele faszinierend, interessante Steilwandmöglichkeiten entdeckt und ja, wir waren in einem traumhaften Gebiet. Die Schneebedingungen waren hervorragend bei ca. 20-30 cm, kaum verspurtem Champagner Pulver, die Spalten des Gletschers waren weitestgehend geschlossen und die Menschenmengen am Gipfel amüsant. Nach unserer Rückkehr in die Zivilisation wurden wir noch mit der Sichtung von Murmeltieren, Steinböcken und Gämsen aus nächster Nähe belohnt.

Danke!

Steinbock und Murmeltier
Weitere Highlights im großen Paradies

 



 Kommentare

  • 13. Mai 2014 - 16:59 Zum Kommentieren anmelden oder registrieren.
    Monterosa

    Die eigentliche Tour hört sich verdammt gut an ..... Sagt bescheid wenn Ihr das nochmal in Angriff nehmt.