04. April 2019      

Das Wichtigste, was es beim Entdecken neuer Gebiete mit dem Splitboard zu beachten gibt, inklusive Material-Checkliste und Video.

Es war mal wieder soweit. Die Gerüchte lockten uns in die Nähe der Österreichischen Grenze. Hier sollte es ein Gebiet mit vielen Tourenmöglichkeiten geben, die wir entdecken wollen. 
Ist ja nicht das erste Mal, dass wir das tun, doch möchten wir mal die wichtigsten Dinge festhalten, die es beim "Entdecken gehen" zu beachten gilt. Wie immer Safety First.

Dies fand also im Vorfeld der Splitboarding-Session statt:

  • Gebiet auf der Karte anschauen - wir haben herausgefunden, dass das Gelände gut übersichtlich ist und eine Vielzahl von Möglichkeiten bietet.
  • Anreise und Aufstieg - Wie gelangt man zum Startpunkt, wie lang und Anspruchsvoll ist der Aufstieg. Gibt es Gefahren (Lawinen, tageszeitliche Erwärmung, Schlüsselstellen im Aufstieg, Eis, Gletscherspalten). Was passiert wenn man umkehren muss? Wie lange dauert der Aufstieg? Was passiert wenn man in die Dunkelheit gerät? Wie frequentiert ist die Location und die Hütte? Was machen wenn die Hütte voll ist? Was machen wenn es kein Holz und somit kein Wasser gibt?
  • Führer und Literatur - Hatten wir aber dieses Mal nicht reingeschaut, da wir alles vor Ort betrachten wollten
  • Ausstattung der Hütte - 12 Schlafplätze im Winterraum, bei Saisonende oft das Holz aufgebraucht, konnten wir herausfinden. Der Schlüssel befindet sich in einem Kasten neben der Tür.
  • Gruppengröße und Niveau - 3-5 Personen, Niveau gemischt, von sehr gut und fit bis zu durchschnittlich. Ist in diesem Gelände kein Problem, da für jedes Niveau Touren vorhanden sind.
  • Vorhaben - Gebiet entdecken mit Option auf extrem steile Abfahrten bei wechselnden Bedingungen
  • Material - Splitboardsetup (alles montiert und nichts beschädigt - Schrauben fest?), Felle, Harscheisen, Boots, Stöcke, Eispickel, Steigeisen, Klettergurt, Seil, Karabiner, Bandschlingen, Eisschraube, Stirnlampe, First Layer, Second Layer, Third Layer, Bivibag, Schlafsack, Kompass, Helm, Sonnenbrille, Handy, Karte, Feuerzeug, Kamera, GoPro, GPS, 45L Rucksack, Sonnencreme, Mütze, Bandana, Handschuhe, Powerbank, 2 Paar Strümpfe, Teller, Besteck, Thermoskanne, Trinkflasche, Multitool, kleines Ersatzteilkit für Bindungen, Tape, Kabelbinder, Schaufel, Sonde, LVS, extra Jacke (z.B. Daune zum drunterziehen)
  • Nahrungsmittel für drei Tage - Dreimal Frühstück, dreimal Abendessen, Powerriegel, Xenofit-Getränkepulver, Tee, Kaffee, Milchpulver, Oliven, Wurst, Käse, Whiskey, Schokolade, belegte Semmel, Honig, Wein
  • Backup - ein Splitboarding-Buddy wollte später kommen und bei Bedarf fehlendes Material (Holz, Kocher, Töpfe, oder Ähnliches) mitbringen
  • Wetterbericht anschauen - Samstag und Sonntag bestes Wetter, Montag Nebel und Schneefall
  • Lawinenlagebericht - Gute und sichere Bedingungen stehen bevor. Gefahrenstufe 1 am Vormittag und 2 am Nachmittag wegen tageszeitlicher Erwärmung

Ok alles vorbereitet und los ging es. Leo (ein Splitboarder aus Kalifornien) und ich haben uns um 9:00 Uhr am Startpunkt getroffen, Danny wollte nachkommen, drei weitere hatten mittlerweile abgesagt. Somit überprüften Leo und ich das Material und schon ging es los. Zunächst ein paar hundert Meter mit Liftunterstützung, da wir doch einiges an Gepäck dabei hatten und ich es hasse im Skigebiet aufzusteigen. Noch schnell ein Splitboard von Goofy auf Regular umgeschraubt und schon schlendern wir gemütlich aus dem Skigebiet hinaus auf dem verschneiten Forstweg dahin.



Nach gut zweieinhalb Stunden und einer langen Querung, die zu späterer Zeit vielleicht hätte kritisch sein können erreichen wir die Hütte, gleichzeitig mit weiteren drei Berglern aus meiner ehemaligen Wahlheimat Innsbruck. OK, Holz gibt es keins. Vielleicht irgendwo ein Holzlager in der Nähe der im Sommer bewirtschafteten Hütte? Nein! Nach einer Weile fanden wir dann doch ein paar Scheite, die uns den ersten Abend retten sollten. Vorsichtshalber teilten wir Danny mit, er solle doch bitte einen Kocher oder Holz mitbringen. Ja es gab Empfang. Damit hatten wir zwar nicht gerechnet, doch freuten wir uns darüber. Da es nur wenig Holz gibt, schmelzen wir am ersten Tag Schnee auf den Solarzellen der Hütte und füllen es in unsere Töpfe und Flaschen ab. Zum zugefrorenen See ist es etwas weiter.

Wir liegen in der Sonne und genießen die wunderschöne Bergwelt. Jetzt kommt die nächste Gruppe Bergler, diese aus dem schönen Bayern. Aha und da kommen noch mehr, mindestens zwei. Somit besetzen wir schon einmal unsere Schlafplätze, damit es später nicht zu rangeleien um die Betten kommt. Wir fühlen uns fast wie am Strand, wo man erst einmal seine Handtücher ablegt ;-). 

Den wunderschönen Nachmittag weiter genießend schauen wir uns alles an und machen die Touren und die optimalen Schneebedingungen für den nächsten Tag ausfindig.

Um ca. 17:00 Uhr geht die Sonne unter und ratzfatz wird es kalt. Wir begeben uns in die Hütte und fangen an zu quatschen und Karten zu spielen. Um ca. 19:00 Uhr heizen wir den Ofen an, um das wohlverdiente Abendessen vorzubereiten. Die einen haben Fertignahrung dabei, die anderen Käsefondue und wieder andere Nudeln. Jeder wie es ihm am besten schmeckt. Auch Bierdosen wurden mitgebracht und selbstverständlich wieder mit nach unten genommen.

Nach einer lustigen Runde ging es früh ins Bett und am nächsten Morgen standen alle so um 9:00 Uhr auf. Das Wetter wird zwar schön aber nicht zu warm. Die Gruppen verabschieden sich voneinander und schon geht es los. Mittlerweile hatte uns Danny geschrieben, er sei verhindert. Nun gut, Ihm eine gute Besserung und wir stehen ohne Kocher da. Nochmal in der Hütte herumgesucht und eine Brennpaste gefunden. Genial, somit haben wir zumindest etwas um uns ein heißes Getränk zu machen und das übrige Holz sollte auch nochmal reichen für ein warmes Abendessen.

Gut, morgen wird das Wetter richtig schlecht und in Anbetracht der Versorgungslage nehmen wir all unsere Dinge mit auf Tour, denn optimal wäre es, uns in eine schöne Rinne abzuseilen, diese bei feinen Bedingungen zu fahren um dann mit dem Bus zurück zum Startpunkt zu gelangen. Ordentlich bepackt splitten wir gemütlich los. Auf halbem Weg sehen wir eine Splitboardspur. Wir machen uns die neuen Mittel der Technik zu nutze und Rufen mal kurz bei Max an, der das Gebiet bereits kennt. "Hey Max, rechte oder linke Scharte?" "Rechte Scharte und dann findet Ihr den Abseiler", seine Antwort." Wir sehen Euch, bin gerade mit Ikka auf der anderen Seite des Tals, hahaha." Die Jungs hatten nur einen Tag Zeit und sind mal eben zur Neuen Welt. Jetzt kommt uns Franz entgegen, der unter Umständen mit seiner Freundin zu Besuch kommen wollte. Super, fast die ganze Arlberg-Crew in anderer Konstellation beisammen. Nach einem kurzen Plausch fährt er mit seiner Freundin und der dritten Person weiter. Leo und ich setzen unseren Weg in Richtung der Scharte fort und freuen uns auf die Abfahrt. Nach dem Inspizieren des Standplatzes und den Bedingungen wundern wir uns dass Franz meinte: "Die Bedingungen sehen super aus,..." Naja vieleicht hatte er den Blick auf andere Schönheiten gerichtet :-), denn unser Blick viel auf eine komplett zerfahrene Rinne mit hart wirkendem Schnee.  Hmm, blöd jetzt ist unser Plan nicht aufgegangen und wir haben das ganze Zeug mitgeschleppt. Nach kurzer Zeit entscheiden wir - ein weiterer Tag am Berg, auch bei schlechtem Wetter ist besser als nicht am Berg. Also schauen wir uns die Abfahrtsvariante für den Schlechtwettertag an und kehren nach einer sehr guten Runde zurück zur Hütte. 

Hier hängen wir etwas ab, holen Wasser aus dem See und entschließen uns doch nochmal los zu ziehen, denn die Tage sind schon wieder länger als noch vor einem Monat. "Ja da drüben müsste es gut sein, lass uns doch dort hin". Gesagt getan! Gleich mal relativ steil endet unsere Feierabendtour mit Spitzkehren bei ca. 43°. Sollma Bootpacken oder lassmas guat sein? Lassmas guat sein! Also bauen wir um und fahren bei feinstem Schnee (für die Jahreszeit und das wahnsinnig gute Wetter) wieder zurück zur Hütte. 

Heute Abend sind wir nur zu zweit, da wir uns kaum kennen quatschen wir und erzählen Geschichten um uns besser kennen zu lernen.

Am nächsten Morgen wird ausgeschlafen. Vielleicht gibt es um 11:00 ein Wetterfenster, so die Vorhersage. Ja gibt es. Alles weiß draußen, fast schon schwindelerregend da man nicht weiß wo oben und unten, rechts und links ist. Darüber waren wir uns im Klaren und froh, die Abfahrt bereits gestern inspiziert zu haben. Nach einer Weile "Blindflug" und Navigation mit Gefühl, Kompass und auch GPS, lichtet sich der Nebel und wir kommen unserem Ziel näher. An der Scharte weht ein forscher Wind. Wir verstecken uns vor den Kräften der Natur, überprüfen den Weg nach unten und begeben uns zu der Einfahrt der Rinne. Nach einer Abfahrt mit wechselnden Bedingungen und auch einer sehr spaßigen Wegstrecke, kommen wir um ca. 14:00 Uhr bei der Bushaltestelle an, wo uns der Bus zurück zum Startpunkt bringt. Wie ihr ja schon mitbekommen habt ist Genuss auch ein wichtiger Bestandteil unserer Touren geworden. Also gehen wir in die nächste Hütte, gönnen uns ein zünftiges Mittagessen, bevor es dann um ca. 17:00 Uhr wieder in die übel riechende Großstadt geht. Dies fällt mir immer besonders auf wenn ich ein paar Tage in den Bergen war.

Ich freue mich schon jetzt auf die nächste Session. Es wird diese Saison noch einige geben, denn es liegt viel Schnee - juchee!