27. Februar 2019      

Vier Tage bestes Wetter und ein großer Spielplatz für große Jungs! Am Arlberg findet sich neben "edlem" Skitourismus auch eine nahzu unberührte Bergwelt die zum Splitboard Touring einiges zu bieten hat. Viel Spaß beim Lesen - bei Fragen gerne drunter posten!

Bereits zur ISPO hatten wir geplant, dass wir um die Faschingszeit einen kleinen Slitboard Trip machen wollen. Da man das Wetter zum Glück nicht planen kann war es mal wieder vier Tage vor Take-Off. Ike ruft an und sagt: "Es haben einige Leute Zeit, sollen wir los? Ziel eins sind die Lechtaler." Wir schauen uns die Möglichkeiten an und anhand der Karte und der Tracks erschien es uns bei den Wetter und Schneebedingungen mittelmäßig. Ziel zwei wirft Ike in die Runde - der Arlberg. Auch hier schauen wir uns die Möglichkeiten an und erkennen anhand der Bergformation, dass das Gebiet bei den Bedingungen trotz geringerer Schneemengen als im Osten sehr gut sein müsste. Noch etwas geresearched und auch über einen Film vom Harry Putz, Mitch Tölderer und Co. gestolpert. Am Mittwoch mal schnell Urlaub eingereicht, Donnerstag genehmigt und schon war das Ziel in die WhA-Gruppe geschmissen. Das Video gleich noch mit geteilt und wupp waren alle motiviert. Auch Danny vom KRAXLER Shop, der sich nur selten mehrere Tage freischaufeln kann war sofort Feuer und Flamme. Somit war klar dass wir am Samstag losstarten um neues Gelände zu erkunden. Am Donnerstag noch eben zwei Freunde angerufen, die am Arlberg leben und guiden. Langer Hatscher aber kann schon gut sein, war die Aussage. "Hört sich gut an war mein Gedanke" also ging es am Samstagmorgen los.

Klar, etwas zu spät los und schon stehst vom München aus im Stau. Statt der drei Stunden waren es fünf und die Parksituation am Arlberg ist fatal. Die Parkwächter teilten uns gleich mal mit: "Na, vier Tage parken, da brauchst ne Genehmigung von der Gemeinde - die sind am Montag wieder da". Krass, noch etwas rumgeschaut und dann einen Parkplatz gefunden wo uns ein Parkwächter vier Tagestickets verkaufte. ;-). Nach dem vielem rumgestaue und der etwas drögen Parkplatzsuche denken wir uns: der Zug wäre hier eine gute Alternative gewesen. Vom Bahnhof im Stuben sind es keine fünf Minuten Fußweg zur Rendlbahn.

Splitboarding am Arlberg Collage

So jetzt geht es mit der Gondel nach oben und wir freuen uns schon auf den Winterklettersteig, den wir dann leider auf Grund von Wind auslassen müssen. Naja nicht schlimm, dann fahren wir einfach ab und laufen zur Hütte. Bei nicht ganz so feinem Schnee geht es runter zum Talboden und dann rein ins Tal bis zu der Hütte. Der Weg zieht sich, maßgeblich ist der schwere Rucksack mit Essen und dem Material für den Klettersteig, dass wir jetzt vermutlich nicht brauchen. Über angenehm kupiertes Gelände und einen Stausee querend geht es stetig bergauf. An der Hütte angekommen - die Szenerie ist spektakulär, erwarten uns bereits die Klamotten von zwei Tourengehern, die früh morgens starteten und schon mal nach deutscher Manier ihre Handtücher ablegten, bevor sie dann weiterzogen. Selbstverständlich waren auch ein paar Tschechische Bergler vor Ort, die sich das schöne Wetter und die Traumbedingungen nicht nehmen ließen. 

Die Hütte selber ist nicht so romantisch wie erwartet. Statt Holzofen gibt es Gas und auch sonst keine besonderen Features, nicht mal ein Klo.

Splitboarding am Arlberg Riding Fun

Trotzdem, wir freuen uns da zu sein und machen uns Gedanken über die Möglichkeiten, sämtliche Himmelsrichtungen stehen uns offen. Als erstes sticht uns ein kleines Couloir in die Augen, welches wir einfach Bananen Col nennen. Hier soll es mit einem weiteren Ziel am nächsten Morgen hingehen.

Nach einer geruhsamen Nacht und gutem Frühstück, geht es nach dem Check der Lage, wo sind Max und Danny - warten wir - machen wir schon etwas? Hmm, Verbindung ist eher schwierig, also machen wir los und stellen fest, dass der Schnee doch noch sehr gut ist. Aufstiege und Abfahrten in steilem Gelände mit bis zu 45° sind unverspurt und die Sonne lacht uns ins Gesicht. Wir sind Motiviert und steuern ein breites, sich nach oben aufsteilendes Face an. Obwohl die Lage relativ sicher ist kommen plötzlich Zweifel auf. Riesige Schneemengen sind eingelagert und auch wenn es sicher erscheint, ist nach ca. 50cm eine harte Schicht in der Schneedecke zu spüren. Wir sind fast am Ziel es fehlen noch 20 Höhenmeter Bootpacking doch dann sehe ich vor meinem Geistigen Auge den Hang auf ca. 200 Meter Breite einreissen und eine durchaus solide Lawine abgleiten. Jetzt sind alle Lampen auf rot und an einer sicheren Stelle brechen wir das Unterfangen ab. "Splitboarde so, dass Du es auch morgen weiter betreiben kannst". Ist in diesem Fall schade, zu 95% hätte der Hang gehalten, doch was ist mit den anderen 5%?  Bootpacking bringt große Zusatzbelastung auf den Hang. Was wenn der Hang reisst und nicht "nur" 50 cm sondern die 4 Meter eingewehter Schnee gleich mit einreissen? Somit brechen wir ab. Es gibt ja noch eine Rinne für den Aufstieg, die uns das gleiche Ziel mit Abfahrt und erneutem Auffellen ermöglicht. Diese Variante fühlt sich besser an und wir erreichen unser Ziel, sicher. 

SPlitboarding am Arlberg 3er 2

Nach dem ersten Tourentag in dem sehr übersichtlichen Gebiet kommen wir zurück zur Hütte und treffen Danny und Max. Die Freude ist groß. Mittlerweile haben unsere Mitbewohner die Hütte verlassen und sind weitergezogen. Gut, somit ist genug Platz für unsere Crew, insgesamt sechs Splitboarder, die nächsten zwei kommen morgen.

Nach Spagetti mit Käse Sahne Soße geht es um 21:00 Uhr ins Bett. Die Nacht am Tage zuvor war mit 10° Celsius in der Hütte angenehm, abgesehen von einem Wecker der ab 6:00 Uhr morgens ein eintöniges Gitarrenriff dudelte. Auch die heutige Nacht war mit 8° Celsius (zwei Personen weniger = zwei Grad weniger?) gut und somit erwachen wir ohne Wecker um ca. 8:00 Uhr morgens. Frühstück - und dann geht es gemütlich los. Wieder unverspurt und gleich mal kräftig bergauf. 

Das Grinsen nach der ersten Abfahrt ist riesig. Jetzt sehen wir die Franz und Leo unten an der Hütte und machen uns gemütlich auf, zur zweiten Abfahrt. Nachdem wir am Plateau eine ausgiebige Pause machen und uns ein paar XENOFIT Riegel und auch etwas von den Getränken gönnen. Kommen die zwei nach oben und wir freuen uns über das erste gemeinsame Treffen an diesem Wochenende.

Wie das bei großen Gruppen mal so ist, sind einige Risikofreudiger als andere, also splittet sich die Gruppe auf und drei machen noch eine sonnige Querung, bei der die anderen drei eher ein flaues Gefühl in der Magengegend hatten. Es ist nichts passiert und als wir alle unten ankommen, können wir das Grinsen über die Qualität der Abfahrt nicht vermeiden.

So jetzt gehts zurück zur Hütte. Am Abend wird noch etwas gefachsimpelt, Risikomanagement, gute Gebiete, keine Frauen dabei,... sind die Themen während wir als Vorspeise Spanischen Jamon Serano und wohl "kurierten" Käse verspeisen. Ein Dank geht an Xabi von Mendiboard, der uns diese Schmankerln zur ISPO mitgebracht hatte.

Splitboarding am Arlberg top Conditions

Jetzt ist schon Dienstag, Tag der Abreise. Wir räumen auf, bringen das überflüssige Gepäck nach von der Hütte zu einem weiter unten gelegenen Stein und machen uns auf, noch einen dieser wunderbaren Qualitätsruns zu erobern. Um 14:00 Uhr sagen wir ist es Zeit umzudrehen, egal wo wir sind, denn um 20:00 Uhr wollten wir zurück in München sein. Und nochmal ging es in feinstem Gelände nach oben, zum Teil konnten wir unsere Spuren der vorigen Tage nutzen um dann erneut eine nahezu perfekte Abfahrt zu genießen.

Jetzt noch zum Felsen, unsere Sachen abholen und dann geht es raus aus dem Tal, leider wieder mit schweren Rucksäcken.  

Auf dem Rückweg fällt uns eine frische Nassschneelawine auf und auf der Höhe einer "Ausgeschilderten Freerideabfahrt" in der Nähe des Skigebietes treffen wir einen Skifahrer ohne Rucksack mit seinem Helm in der Hand, als wäre es ein Wassereimer. Da mich der Anblick etwas verwirrte, fragte ich den Skifahrer ob er etwas suche. Seine Antwort "My head is hot" Ich fragte Ihn ob ich ihm helfen kann und er erwiderte "My head is hot". Nun gut, also zogen wir langsam weiter, Ihn im Auge behaltend. Der Skifahrer folgte uns bis wir wieder im gesicherten Skiraum waren, bedankte sich und fuhr davon. 

Wir denken uns unseren Teil... und machen uns auch auf den Weg zum Lift um dann zurück zum Auto zu fahren. Klar nen Drink und eine kleine Studie zu den Gästen am Gipfelrestaurant der Rendlbahn lassen wir uns nicht entgehen.

Es war ein wahnsinns Wochenende, Danke an Danny, Max, Franz, Leo und Ike die dieses verlängerte Wochenende zu einem unvergesslichen machten.