13 November 2014      

Gut geplant ist halb gewonnen. Die 2010 entstandene Idee von Pogo, den georgischen Kaukasus splitboardtechnisch zu erkunden, wurde schon im darauf folgenden Winter umgesetzt. Nicht so viel Sonne, aber Unmengen unverspurten Tiefschnees warteten auf die Crew.

Leider war es uns damals nur möglich wenige Tage in der abgelegenen Bergregion Svanetien zu verbringen. Diese wenigen Tage geizten zwar mit Sonnenschein, aber unverspurten Tiefschnee gab es jede Menge. Als sich die Wolken mal kurzzeitig verzogen, war schnell klar, das ist nur der Anfang, hier könnte man eine Grossmenge Schneeabenteuer erleben. So viele Berge, so viel Hänge und wer fährt die bitte?

2012 war die Zeit reif und Pogo beginnt mit der Vorbereitung Ihres 7 wöchigen Abenteuers.
Als Hauptziel wurde das höchste Dorf Europas, Ushguli anvisiert. Wir hatten vor, rund sieben Wochen zum Ende des Hochwinters dort zu verbringen, genügend Zeit um die Gegend ausgiebigst zu erkunden und sich auch auf das dortige Leben einzulassen. Da wir vermeiden wollten, dass uns im Winter durch Ungereimtheiten jeglicher Art Zeit verloren geht, wurde kurzer Hand ein herbstlicher Vorbereitungstrip geplant, von dem auch dieser Artikel handelt.

Georgien ist rund vier Flugstunden von Deutschland entfernt und ist ein bisschen grösser als die Schweiz, aber nicht so gross wie ein Bundesland namens Bayern. Im Lauf der Geschichte war Georgien zumeist fremdbestimmt, momentan ist dies zwar offiziell nicht der Fall, aber das Wohl des Landes ist dennoch sehr eng mit der schizophrenen Beziehung zum Nachbarn Russland verknüpft.
Kaum in der Haupstadt Tiflis angekommen, sind wir bereit uns in die Abhängigkeit von Russland zu begeben. Um genau zu sein in die Abhängigkeit eines russischen Automobilfabrikats. Wir erwerben einen Lada Niva Geländewagen um den Wintertrip möglichst unabhängig gestalten zu können.

pogo autokauf svanetien
Autokauf


Gerade motorisiert, stehen wir vermehrt an ungünstigen Stellen still, aber uns wird geholfen - Rekord zwölf kaukasisch grosse Nasen über einem Motorraum in dem sich kaum etwas befindet.
Als die Karre einigermaßen läuft verlassen wir die Hauptstadt und fahren westwärts bis nach Anaklia an der georgischen Schwarzmeerküste. Ein Retortenstrandstädtchen, dass bedingt durch den Regierungswechsel noch auf seine Fertigstellung wartet.

Es gibt drei Gründe für den Halt: Die Strecke nach Svanetien ist kilometermässig zwar nicht weit, aber bedingt durch die hiesigen Strassenverhältnisse als Tagestrip eher eine Tortur. Zweitens mündet hier der Enguri Fluss ins Meer und  wir werden so auf unserem Weg in die Berge seinen kompletten Lauf verfolgen können. Und zu guter Letzt ist ein Bad im Meer nie eine schlechte Option, kombiniert mit einer Skatesession ist es dann sogar richt cool.

pogo Skatesession am Meer
Skateboarding in Ghost-Town


Kaum das Meer verlassen, schlängelt sich die Strasse mehr als hundert Kilometer das Enguri Tal bis zu Svanetiens einziger etwas grösserer Stadt Mestia hinauf. Nach einer Reifenpanne, die Dank der Hilfsbereitschaft der Georgier schnell behoben werden kann, erreichen wir die seit neustem stark und uncharmant modernisierte Kleinstadt. Hier ist man schon auf 1500m Meereshöhe und von schönen Bergen, wie dem Mt. Ushba umgeben. Neben ein paar Erkundungswanderungen in der Umgebung lassen wir unseren Ersatzreifen flicken, tanken noch einmal auf und verlassen nun die befestigten Strassen in Richtung Ushguli.

reifenpanne georgien
Reifenreparatur-Session


Ab hier fahren wir durch enge Täler und passieren vermehrt Flüsse. Wir sind gespannt, wie sich Ushguli uns präsentieren wird. Leider wird es Nacht bis wir ankommen und wir bekommen vorerst wenig zu sehen. Am nächsten Morgen ist die Überraschung gross, 20 cm Neuschnee hatten wir nun wirklich nicht erwartet. Der bringt uns zwar nicht viel, sieht aber schön aus und so wird begeistert das Dorf und die Umgebung erkundet. Die umliegenden Fünftausender kann man auf Grund des Wetters nur erahnen, aber die unzähligen das Dorf direkt umgebenden Hänge bis 3500m interessieren uns um einiges mehr. Uns ist schnell klar, dass wir gefunden haben was wir suchten. Ein unbedarftes potentielles Paradies für Schneeabenteuer jeglichen Couleurs.

pogo svanetien
Geländewagen erforderlich


Eine Gastfamilie für den Winter ist schnell ausgemacht und so wird auch schon die Weiterfahrt in Angriff genommen.
Um mehr von der kaukasischen Natur und Bergwelt zu sehen, hatten wir beschlossen nicht den gleichen Weg zurück zu fahren, sondern über die abgelegenden kleinen Straßen zurück zur Hauptstadt zu gelangen.

Als erstes fahren wir über den in der Nähe von  Ushguli gelegenen Zagaro Pass. Auf dem verschneiten Weg dorthin gibt es eine Unzahl weiterer schöner Hänge zu bewundern, aber auch die ersten Hindernisse für unser Vorhaben. Jetzt wissen wir, wieso in letzter Zeit keiner mehr über den Pass gefahren ist, ein paar der Schlamm- und Wasserlöcher scheinen zunächst unüberwindbar. Mit Ästen, Steinen und Wasserableitungen machen wir diese Hindernisse passierbar. Kaum haben wir den Pass überschritten reißt auch das Wetter auf und wir würden am liebsten schon jetzt auf einem der prachtvollen Gipfel stehen. Uns ist klar, dass wir uns sputen müssen, da wir noch einiges an unbefestigtem Weg bis zu den ersten Zeichen der Zivilisation vor uns haben. Es bleibt uns auch nichts anderes übrig, als darauf zu vertrauen, dass wir genug Sprit haben. Wir sind guten Mutes und geniessen die Szenerie und das Wetter.

pogo svanetien flußdurchquerung
Unwegsamkeiten


Der Weg verläuft zunächst parallel zur russischen Grenze am Fusse der Schchara 5000er Kette und folgt dann einem Flusstal bis nach Lentekhi, unserem heutigen Tagesziel. Ausser einigen grenzwertigen Flussdurchfahrten ist die weitere Fahrt problemlos aber langwierig. Für die rund 60km von Ushguli nach Lentekhi brauchen wir fast 14 Stunden.


Ab hier gibt es wieder befestigte Straßen und so ist die Rückfahrt in die Haupstadt Tiflis schnell bewältigt. Dort angekommen geht es direkt zu einem Mechaniker, um das Auto für den Wintertrip zu rüsten. Die abenteuerliche Bergrundfahrt hat ihre Spuren hinterlassen, das Fahrgestell hat eine Bruchstelle und ist auch nicht mehr richtig mit der Karosserie verbunden, die Bremsscheiben sind nur noch Trümmerteile und der Antrieb vorne rechts hat sich auch verabschiedet. Wir staunen zu was ein Auto in diesem Zustand noch fähig ist und wie leicht und unkompliziert solche Schäden in Georgien behoben werden. Überzeugt davon dass alle nötigen Vorbereitungen getroffen sind und mit dementsprechender Vorfreude auf die Rückkehr im Winter verlassen wir das Land.

GastfamilieGeorgien ist ein wirklich gastfreundliches Land, allerdings muss man zumeist den ersten Schritt machen und auf die Leute zugehen, dann wird einem aber auch bei wirklich allem geholfen. Das könnten man fast als einzigsten und wichtigsten Reisetipp aufführen, allerdings schadet es auch nicht zu wissen, dass die dort üblichen Privathäuser mit Gästezimmern als Homestay oder Guesthouse bezeichnet werden, dass eine georgischen SIM-Karte im Handy sehr nützlich sein kann und das "Gamardschoba" Hallo und "Madloba" Danke heißt.
Abschließend möchte ich noch anmerken, dass der georgische Lebensfluss eher langsam und eigen ist und man sich auf diesen besser einlässt, wenn man seine Zeit dort geniessen will.

Was das alles mit Splitboarden zu tun hat, konnte man bisher nur ahnen. Mehr dazu im nächsten Teil.

Dank gebührt unserem georgischen Partner-In-Crime Anna, unseren verschiedenen Gastgebern und unseren Mechanikern.