22. Dezember 2020    

Was gibt es schöneres als mit seinen Kindern auf Splitboard oder Skitour zu gehen? Doch wie beginne ich am besten, ohne die Kleinen zu überfordern oder ihnen den Spaß bei der ersten Tour bereits zu verderben? Wann ist das optimale Alter um mit dem Tourengehen zu beginnen?

Was gibt es schöneres als mit seinen Kindern auf Splitboard oder Skitour zu gehen? Doch wie beginne ich am besten, ohne die Kleinen zu überfordern oder ihnen den Spaß bei der ersten Tour bereits zu verderben? Wann ist das optimale Alter um mit dem Tourengehen zu beginnen? All diese Fragen werdet Ihr Euch vermutlich schon gestellt haben, wenn Ihr Kinder habt und gerne in den Bergen auf Tour geht.

Wir haben uns diese Fragen auch gestellt und haben es dann einfach probiert. Ausserdem haben wir mit Persönlichkeiten wie Jeremy Jones oder Tommy Delago von Nitro über die Thematik gesprochen und in einem Video festgehalten.

Hier meine persönlichen Learnings zu dem Thema - wie immer ist der Spaß an der Sache das Wichtigste.
Mein Sohn Erik war von Anfang an sowohl vom Snowboarden, als auch vom Skifahren begeistert. Nachdem er mit 6 Jahren ein gewisses Niveau erreicht hatte begann er ganz von alleine zu fragen: "Papa, wann gehen wir eine Splitboard Tour?" Damals sagt ich Ihm wenn Du etwas größer bist. Wenn Du möchtest können wir LVS-Gerät Verstecken spielen! Jaaa, war Eriks Antwort. Bei dieser Aussage habe ich nicht lange gezögert sondern habe zwei LVS-Geräte startklar gemacht. Eins hat Erik bekommen und eins habe ich versteckt. Zunächst in der Wohnung, dann im Wald und zu guter Letzt, da war er dann schon 7, am Berg. Somit ist mein Sohn spielerisch in die Nutzung des LVS-Gerätes hinein gewachsen. Die weiteren Sicherheitsgeräte wie Schaufel und Sonde habe ich Ihm gezeigt, doch da war noch nicht so viel Interesse vorhanden. 

Immer wenn wir zusammen am Berg waren habe ich neben dem Snowboard Spaß die Zeit genutzt Erik ein paar Kleinigkeiten über Hangneigung, Schneebedingungen, Gefahren am Berg und so weiter mitzuteilen. Denn mir ist es wichtig, dass er bewusst in den Bergen unterwegs ist und auch die Gefahren kennt. Ich freue mich, dass er die Möglichkeit hat in das Thema "reinzuwachsen".

Nun aber zu den Fragen:

Wann ist das optimale Alter um mit dem Touren gehen zu beginnen? Meiner Meinung nach ist das von Kind zu Kind verschieden. Wichtig ist es allerdings, dass eine gewisse körperliche Verfassung, ein entsprechendes Niveau im Snowboard- oder Skifahren vorhanden und der Spaß an Bewegung gegeben ist. Dann kann man auch mit 6 Jahren bereits beginnen.

Was mache ich zu Beginn? Ich wecke den Spaß und die Freude an dem Sport. Man kann mit dem Kind einfach im Schnee spielen, längere Rodelausflüge machen oder einfach Winterwanderungen. Wenn das Kind dann wirklich mit dem Tourengehen beginnen möchte geht es zunächst einmal um das Material. Zum Splitboarden ist die Bindung aktuell eine Herausforderung. Ich habe die kleinste Splitboardbindung von Spark genommen und kurze Highbacks und Straps von einer Kinder Snowboardbindung draufgebaut. Das funktioniert sehr gut. Von Nitro gibt es seit dieser Saison ein Splitboard, das Miniganger mit einer Länge von 132 cm. Zum Skitouren gibt es z.B. von Kochalpin den Bindungsadapter StartUp. Ansonsten normale Snowboardkleidung und Schuhe und dann kann der Spaß losgehen. Felle können einfach angepasst werden. Für die Ski habe ich alte Felle von mir gekürzt und schmaler geschnitten. Auch für das Miniganger habe ich zunächst alte Felle von mir zerschnitten und angepasst. 

Der erste Tourentag: Das Wetter sollte schön sein, die Sonne scheinen und der Weg weder zu lang noch zu anspruchsvoll. Dennoch ist es wichtig aus diesem Tag etwas Besonderes zu machen, das viel Spaß macht. Wir wollten unverspurten Schnee finden und einen kleinen Gipfel mit wenig Menschen besteigen. Es waren ca. 300 HM. Der Tag war wundervoll und die Schneebedingungen perfekt. Somit sind wir zunächst mit dem Lift hinaufgefahren, haben ein paar Abfahrten gemacht und Mittags nach dem Essen sind wir zu unserem Touren- Ausgangspunkt gegangen um mit der Tour zu beginnen. Jeder hat sich um sein Material gekümmert. Dies hatten wir bereits zu Hause geübt. Denn Bindung vom Ride- in den Split-Mode bringen und die Felle aufziehen übt sich am besten im warmen, gemütlichen Wohnzimmer, vielleicht mit einem tollen Snowboardvideo im Hintergrund.

Am Berg war das mit dem Bindungsumbau und den Fellen dann doch etwas schwieriger als zu Hause, also habe ich meinem Sohn geholfen. Nachdem das erledigt war, haben wir den obligatorischen LVS-Check gemacht, auch wenn das Gelände an diesem Tag alles andere als lawinös oder unsicher war.  Erik steckte das LVS Gerät in seine Hose, fest damit verbunden. Einen Rucksack trug er noch nicht. Alle wichtigen Dinge wie Wasser, Schaufel, Sonde, Müsliriegel, Gummibärchen und natürlich warmen Tee mit Honig hatte ich dabei.

Jetzt geht es los. Ich gehe die ersten Meter vor und zeige meinem Sohn wie man Kurven geht und die Richtung wechselt. Auch die Spitzkehren Technik zeige ich Ihm zur Motivation. Nachdem sich mein Sohn ans Gehen im pulvrigen Weiß gewöhnt hatte lies ich ihn vorgehen um ihn permanent im Blick zu haben und ihm etwas sagen zu können. Das Ziel ist in Sichtweite und auch in Reichweite. Gemütlich laufen wir nach oben, lachen scherzen, lassen uns von anderen Tourengehern überholen, quatschen ein bisschen mit Ihnen, naja die Dinge die man eben auf Splitboard oder Skitour so macht. Wir haben eine gute Zeit. Nach ca. 30 Minuten Gehzeit beginnt Erik das erste mal zu sagen: "Papa, können wir bald runterfahren ich möchte wieder in den Funpark!" Meine Antwort ja klar, lass uns noch zwei Spitzkehren machen und dann Fahren wir wieder runter. Nach zwei weiteren Spitzkehren halten wir an, essen etwas, trinken einen warmen Tee und machen uns bereit zur Abfahrt. Bis zum Gipfel sind wir nicht gekommen, doch es erwartete uns trotz allem eine Abfahrt die wir ohne das Laufen nicht erreicht hätten, und das beste sie war nahezu unverspurt und der Schnee für meinen Sohn gut knietief

Ich hätte mir gewünscht noch ein bisschen weiter nach oben zu gehen, doch das war Eriks erste Tour und darum habe ich ihn machen lassen. Bei der Abfahrt haben wir über die Linie gesprochen, ich bin dann vor gefahren und habe mich mit der Kamera positioniert. Jetzt ist Erik an der Reihe und er lässt es sich nicht nehmen den Run voll und ganz zu geniessen (einen Teil des Runs könnt Ihr im Video anschauen).

Unten angekommen sind die ersten Worte meines Sohnes: "Ich möchte bald wieder Splitboarden gehen, jetzt aber erstmal wieder zu meinen Freunden". Ich glaube ich war mindestens genau so fröhlich und stoked wie mein Sohn und wir freuen uns schon jetzt auf die nächste gemeinsame Splitboard-Tour.

Zusammenfassend kann man sagen:

  1. Körperliche Fitness und entsprechendes Niveau beim Skifahren oder Snowboarden ist elementar
  2. Sucht eine Tour aus, die dem Können des Kindes entspricht und auch das ein oder andere tolle Feature enthält (kleiner Wasserfall, Gipfel, tolle Aussicht, Gummibärchen am Ziel, genialer Schnee, was immer Euch so einfällt), den Kindern darf bergauf nicht langweilig werden!
  3. Gebt so wenig wie möglich vor, lasst die Kinder entdecken - doch leitet sie.
  4. Gebt ihnen die nötige Sicherheit die sie auf Ihrer ersten Entdeckungstour brauchen (selbstverständlich)
  5. Das Kind trägt so wenig wie möglich, doch hat es das LVS-Gerät bei sich!
  6. Nehmt genug Essen und Trinken mit, ein warmer Tee wirkt Wunder und natürlich die Gummibärchen oder Schoki.
  7. Wir sind am Ziel sobald das Kind am Ziel sein möchte - und wenn es nach 100 Metern ist!
  8. Wir geniessen jeden Schritt, jeden Atemzug und jeden Moment den wir mit unseren Kleinen unterwegs sein können.
  9. Nach der Tour kümmern wir uns um das leibliche Wohl.  Ein heißer Kakao, ein Schnitzel oder eine vegane Suppe, etwas was den Kindern die Kirsche auf dem Sahnehäubchen des Tages beschert ;-)
  10. Wollen sie am Abend wieder Zocken, ist auch das in Ordnung, denn sie hatten bereits genug Bewegung
  11. Überzeugt Euer Kind, dass es für den Aufstieg keinen Helm braucht :-) :-) :-)

Hier gibt es unser Video in dem sich Jeremy Jones und Tommy Delago zum Splitboarding mit Kindern äussern:



Wenn Ihr Fragen oder Anregungen habt, gerne hier unter dem Beitrag posten. 

Wir wünschen Euch allen super schöne Tourenerlebnisse mit Euren Kindern.

 



 Kommentare

  • Avatar
    27. Februar 2021 - 14:22 Zum Kommentieren anmelden oder registrieren.

    Das ist eine super ausführliche Anleitung! Vielen Dank dafür :) Das werd ich mit meinen Kids auch mal so ausprobieren. Sie lieben Skifahren und generell alles, was man im Schnee anstellen kann. Es soll ja ein Spaß für die ganze Familie werden.