Die rumänischen Karpaten mit Bergen von bis zu 2544 Metern Höhe sind noch weitgehend unberührtes Terrain. Marius von SplitboardRomania stellt uns die interessantesten Tourenregionen vor und gibt erste Hinweise für alle neugierigen Entdecker.

Rumänien? Da denken viele erstmal an Korruption und Romas, so wie Transsilvanien den meisten wohl nur als Graf Draculas Heimat ein Begriff ist. Aber Rumänien ist natürlich viel mehr und so möchten wir Euch hier dieses interessante Land mit seinen Gebirgen, in denen man pulvrigen Schnee, gemütliche Hütten und gastfreundliche Menschen findet, als "Geheimtipp für Splitboarder" vorstellen. Und mit etwas Glück trifft man dort sogar auch noch auf den ein oder anderen Braunbären.

Der Tourensport ist in Rumänien noch relativ jung, vielleicht weil nicht alle Wege nach Rumänien führen auch wenn sich die Einwohner Römer nannten. Dementsprechend ist der in Rumänien liegende Teil des Karpatenbogens mit Bergen von bis zu 2544 Metern Höhe vor allem im Winter weitgehend unberührtes Terrain. Die Länge des Winters ist auf jeden Fall keine Ausrede um sich nicht zwischen Dezember und Mai zum Splitboarden in die einmalige Bergwelt der Karpaten zu bewegen.

Splitboarding Times:

Spätestens im Dezember beginnt es zu schneien und die Tourensaison ist damit eröffnet. Januar und Februar sind die Monate wo es richtig staubt und Du Dich dem vollen Freeride und Splitboarding Spaß in knietiefem Pulver hingeben kannst. Ab März wird es wärmer, natürlich kann es auch da noch fantastische Pulvertage geben, aber in der Regel beginnt dann schon der Frühling. Die Nächte bleiben kühl, somit firnt der Schnee in der Mittagszeit auf und Du kannst die slushy Turns in schönster Frühjahrssonne genießen. Solltest Du Deine Sonnencreme vergessen haben ist ein Sonnenbrand inklusive. Natürlich sind die Bedingungen jedes Jahr unterschiedlich und es gab auch schon Jahre in denen wir im April unglaublichen Pulver fuhren oder im Februar nur noch sehr wenig Schnee hatten, aber so ist das mit den Wintern nun mal überall.

Tourengebiete in Rumänien:

Die schönsten Splitboard Tourengebiete liegen in den Südkarpaten, von West nach Ost sind das das Retezat-Gebirge, Parang Berge, Fagaras- und Bucegi-Gebirge.

Gebirgsgruppen der Karpaten

Das Retezat-Gebirge ist der Hauptgebirgsstock der Retezat-Godeanu-Gruppe, im westlichsten Teils der Südkarpaten in Rumänien. Es wurde 1935 zum ersten rumänischen Nationalpark erklärt und ist eines der wichtigsten Hochgebirgs-Naturschutzgebiete in Europa.

Die Region ist sehr felsig und mit 82 Gebirgsseen gesegnet. Das Retezat Gebirge erreicht eine Höhe von knapp über 2500 Metern und es gibt um die 20 Gipfel mit über 2300 Metern. Die Tourenmöglichkeiten reichen vom Peleagamit 2509m, über den Păpușa mit 2508m und den namensgebenden Retezat mit 2482m, um nur die bekannteren Namen zu nennen. Alle sind mit dem Splitboard zu erklimmen wenn die entsprechenden Fähigkeiten vorhanden sind. Die Abfahrtsvarianten sind ebenso vielfältig und lassen von einfach bis schwierig keine Wünsche offen. Die beste Tourenzeit ist Februar und März.

Im Südwesten des Karpatenbogens liegen die Parang Berge, die zweitgrößte Gebirgskette Rumäniens.  Ihr höchster Berg, der Parangu Mare (2519m), ist der dritthöchste Berg Rumäniens. Die überwiegend runden Bergrücken werden von tiefen Tälern durchschnitten, wobei die Nordseite des Massivs steiler abfällt als die Südseite. Zu den prominenten Gipfeln zählen der Gauri (2244m), Piatra Taiata (2255m), Lesu (2375m), Setea Mica (2278m) und der Setea Mare mit 2365 Metern. Im Parang Gebirge befindet sich auch das beliebte Skiresort Rinca.

Im Winter liegt dort oberhalb von 1500m im Schnitt mehr als ein Meter Schnee. Charakteristisch für diese Region ist der kräftige Wind, der dort das ganze Jahr über bläst. Im Winter legt er nochmal an Stärke zu und hat damit großen Einfluß auf die Schneebeschaffenheit.

Karpaten

Das Fagaras Gebirge
oder ''Die Alpen Transsilvaniens'', wie sie Emmanuel de Martonne nannte, sind in der Freeride Community sehr beliebt. Das Gebiet liegt zentral in den südlichen Karparten und ist hervorragend erschlossen. Berge wie der Moldoveanu (2.544), Negoiu (2.536) oder Vistea Mare (2.527m) können jeden zufriedenstellen.  Es gibt sogar die Möglichkeit des Heliskiings oder Helisnowboardings und auch Seilbahnen bringen einen nach Oben wenn man mal einfach nur Freeriden gehen möchte. Hier gibt es auch eine Vielzahl an Hotels und Pensionen, die Dir den Aufenthalt so angenehm und unkompliziert wie möglich machen.

Tipp: Eine Überquerung von Fagaras nach Bucegi oder umgekehrt kann ein unvergleichliches Touren Erlebnis werden.


Karpaten Splitboard Tour

Das Bucegi Gebirge befindet sich im östlichen Teil der Südkarpaten.  Die steilen Hänge konservieren den Schnee und so ist er auch im April und teilweise im Mai noch gut befahrbar. Die beste Zeit ist allerdings Januar bis März.

Vom höchsten Gipfel (Omu mit 2505 Metern) führen z.B. Valea Alba, Valea Malinului und Valea Cerbului direkt bis zur Schnellstrasse (DN1 Richtung Bukarest ) hinunter.

Am Omu steht auch die höchstgelegene Hütte Rumäniens (Omu Hütte), die Schlafplätze für bis zu 32 Personen bietet. Für die, die es weniger „touristisch“ lieben, wobei touristisch in diesem Gebiet nicht mit den Alpen zu vergleichen ist, sind der Costila mit 2498 Metern oder der Scara mit 2422 Metern angenehme Tourenziele. Haltet Ausschau nach Sfinxul und Babele, zwei äußerst interessanten Bergformationen. Grundsätzlich ist das Gebiet relativ steil und bietet, wie auch das Retezat-Gebirge, Touren in allen Schwierigkeitsgraden.  Es hat die  Form eines Hufeisens und es gibt viele Klammen die im Winter ein wunderschönes Bild abgeben. Auf einer relativ kleinen Fläche findet man alle Expositionen, so dass Du Dir die Touren rauspicken kannst, die mit Pulverschnee gesegnet sind, während eine andere Exposition vielleicht schon harschig oder lawinengefährdet ist. Das Gelände ist häufig felsdurchsetzt und anspruchsvoll. Im Sommer ist Kletterkönnen und die entsprechende Ausrüstung erforderlich, doch im Winter und Frühling sind viele der Kletterstellen eingeschneit und wesentlich einfacher zu überwinden.

Kartenmaterial & Tourenplanung

Wer auf eigene Faust losziehen möchte muß bedenken, es gibt keine Alpenvereinskarten oder vergleichbares für die Karpaten. Es gibt touristische Wanderkarten die zur groben Orientierung ausreichen, für eine lawinenkundliche Vorab-Beurteilung schwierigen Geländes oder die Navigation im Nebel sind Maßstab und Reliefdarstellung aber oft zu ungenau. Nutzt am Besten zusätzlich alles was das Netz ermöglicht, lest Touren- und Reiseberichte, sucht in Tourenverzeichnissen und knüpft Kontakte mit Ortskundigen um Tipps auszutauschen oder gleich gemeinsam Splitboarden zu gehen.

Muntii Retezat / Retezat-Gebirge 1:50.000, Dimap

Muntii Parang / Parang-Gebirge 1:50.000, Dimap

Munti Fagaras / Fagaras-Gebirge 1:60.000, Dimap

Piatra Craiului - Bucegi - Postavarul - Ciucas 1:70.000, Dimap

Übernachtungsmöglichkeiten:

In allen beschriebenen Gebieten kannst Du zwischen Gasthäusern am Fuße der Berge, Almhütten in den Bergen oder Schutzhütten in Kammlage wählen. Ich persönlich würde es so machen wie die Schafhirten im Sommer und die Almhütten bzw. die Schutzhütten verwenden. Dies ist die ursprünglichste Variante unsere Region zu erleben. Doch denk dran, Holz für ein Feuer sollte in der Nähe sein damit Du es wohlig warm und romantisch knisternd hast. Abgesehen davon gilt es bei so einer Aktion das gesamte Essen mit auf die Hütte zu schleppen und es bedarf einer entsprechenden Vorbereitung. Denk an Deinen Schlafsack, das Kochgeschirr, eine Isomatte...

Wenn Du auf etwas komfortableres Splitboarding stehst, kann ich folgende Chalets empfehlen:

Faragas: Negoiu Chalet  http://www.negoiu.ro

In Sâmbăta, Nähe Faragas kann ich das Sambata Chalet empfehlen, die Leute sind super nett und es liegt direkt am Eingang ins Tal.

Bucegi: Malaiesti Chalet  http://www.malaiesti.ro

Anreise:

Natürlich kommt es drauf an von wo Du anreisen möchtest, doch der Weg zum Berg ist immer derselbe. Du fährst bis zu einem Dorf am Fuße der gewünschten Bergregion und machst dich dann mit dem Splitboard auf den Weg die Gegend zu entdecken. Vorher hast Du Dich natürlich mit der Karte vertraut gemacht und weißt genau bis wohin Du fahren kannst um deinen Wunschgipfel zu besteigen, wo es bewirtschaftete und/oder Selbstversorgerhütten gibt, welche Rundtourenmöglichkeiten es gibt oder wie Du von Hütte zu Hütte und zurück zum Startpunkt touren und dabei das Abenteuer der Rumämischen Karpaten erleben kannst.

Der Winter in den Karpaten ist eine ruhige Jahreszeit ohne Eintrittpreise oder Touristenmassen. Leider müssen wir zugeben, dass die Anzahl an Splitboardfachgeschäften noch viel zu gering ist. Also ist es am Besten wenn Du Dein ganzes Material mitbringst.

 

Zum Abschluss möchte ich noch kurz das Wochenende vom 14. bis 16. März 2014 erwähnen, das zu 100% dem Splitboarding gewidmet war. Wir waren im Fagaras Gebirge auf der gemütlichen Bârcaciu Hütte. Die Stimmung ausgelassen, entspannt und voller Bergeslust. Am Samstag strahlender Sonnenschein und am Sonntag ein halber Meter frischer, staubender Pulver. Trotz des Verlangens hoch auf dem Kamm zu laufen war aber die Lawinengefahr nicht zu unterschätzen und wir haben uns für die Waldabfahrten entschieden, die bei den ergiebigen Schneefällen doch etwas sicherer waren als das kammnahe Gelände. Die Entscheidung erwies sich als richtig und wir wurden reichlich belohnt.
Romanian Powder

Nun aber genug der vielen Worte, ich hoffe ich konnte Euch unsere Splitboard Tourenregionen etwas näher bringen. Hier könnt Ihr Euch ein kleines Video des besagten Wochenendes anschauen.

Um über Splitboarding in Romania auf dem Laufenden zu bleiben, folgt am besten unserer Facebookseite „SplitboardRomania“ !

Ich bedanke mich bei splitboarding.eu für die Veröffentlichung dieses Artikel.


Hey Marius, vielen Dank auch an Dich für die Vorstellung Eurer tollen Tourengebiete. Wir freuen uns über weitere News aus den Karpaten und vielleicht trifft man sich bald mal in Draculas Reich.

 



 Kommentare

  • 20. Mai 2014 - 12:34 Zum Kommentieren anmelden oder registrieren.

    A Short Story

    After what seemed to be a totally failed season, with little to no snow, spring is finally here. My brand new ACL (that would be the anterior cruciate ligament - not some brand new splitboard :D), is dying to go shred the valleys as we always do this time of the year. So we do what any responsible individual would do in this situation - we pray for snow. Truth be told, unlike any year,  we had our equipment readied, took some avalanche courses and a basic life support course. So the lack of snow actually gave us the chance to study. And then, just when we were about to put our stuff away in the attic, it came. And oh boy oh boy, were we happy.

    The first run was epic. We have skied Malinului Valley before, but it was never like this. All of the signs said not to go, the avalanche risk was high enough as it was, and by the time we reached the entry it was pretty warm. But it looked amazing, we just had to go at least half way. And by that point we noticed this huge avalanche that had already triggered the day before ripping the canyon below, so that made it safe to go all the way, even though the snow was mostly hard to ride slush.

     


    A week later I made some new friends that I had only met online and we went on Cerbului Valley together. Again, the weather was excellent. And we descended along side Happy, the dog.

     


    After some not-worthy-to-mention attempts on Valea Alba, we had one valley left to ski in order to complete our yearly checklist - Morarului Valley. But this time, it was the long way up. No longer did the cable car work and we had to find our way around the mountain. After a good couple-of-couple of hours of skinning, we managed to reach Omu Peak. We knew we would find the best snow here, even though it was getting warm. The north facing valleys always have more of the white stuff and this was no exception. One cup of tea and down we go, to the place I teared my ACL in the first place.


     

    And the season might not be over just yet...

    • 20. Mai 2014 - 13:39 Zum Kommentieren anmelden oder registrieren.

      Thank you Mihai, that looks great and full of possibilities.


      Wow, it would be excellent if we can collect some detailed route descriptions for our routes directory. Don't worry, only some of the better known standard routes, so visiting splitboard explorers have a starting point and can go further.