01 March 2018      
Kirgisistan, grenzend an Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und China, ist eine einladende Oase in einem abgelegenen, immer faszinierenden, manchmal unberechenbaren und oft missverstandenen Teil der Welt. Impressionen von einem dreiwöchigen Splitboarding-Roadtrip.

Mit einer durchschnittlichen Höhe von 3.000 m und 30% der Landmasse, die unter permanentem Eis und Schnee begraben ist, sind die kirgisische Landschaft und die kirgisische Bevölkerung geprägt von einer Rauheit, die einzigartig im Hochland Zentralasiens ist.

Seit einigen Jahren ist Kirgisistan auch für Snowboarden und Skitouren bekannt. Es gibt ein paar Skigebiete, aber hauptsächlich gehts ums Splitboarding. Pogo Teamrider und lebende Skilegende Ptor Spricenieks führt für den amerikanischen Backcountry-Gastgeber 40Tribes, in einer ausgewählten Location unweit der Kleinstadt Karakol. Um die neue Zusammenarbeit zwischen 40Tribes und POGO Snowboards zu krönen, war es an der Zeit, nach Osten zu reisen, um das 40Tribes Jurtencamp zu besuchen. Während Gründer Martin Sammet nur für eine Woche kommen konnte, entschied sich Teamriderin Sophia Neuner, der ehemalige POGO Shaper und jetzt Konvoi Snowboards Häuptling Ben Dietermann und das wohlverdiente Familienmitglied Tim Brodesser für einen kompletten Roadtrip durch dieses faszinierende Land.

Schaut Euch erstmal Sophias Minidokumentation an und lest dann den folgenden Reisebericht um weitere Hintergrundinformationen zu erhalten.

1. Woche: On the road mit Azamad

Ben, Tim und ich kamen Mitte Februar sehr früh am Morgen an und hatten das Glück, von Azamad Joumashov mit seinem großartigen Mitsubishi-Bus abgeholt zu werden. Dies wurde in letzter Minute dank eines Tips von Linehunter Chris Fuschlberger arrangiert. Nach einem ersten Vorgeschmack auf die kirgisische Küche machten wir uns auf den Weg Richtung Osten zum Issyk Kul See. Nach einer langen Fahrt kamen wir schließlich südlich von Issyk Kul an und hatten etwas Zeit, das Land kennenzulernen.

Bei der Begrüßung gab es den ersten Tee und das erste Brot, als Begrüßungszeremonie, die landesweit üblich ist um Gäste zu empfangen. Diese Prozedur geschah fast täglich in den folgenden 3 Wochen. Bei einem kleinen Spaziergang mit dem riesigen See auf der einen Seite und einem Vorgeschmack auf das Tien Shian-Gebirge auf der anderen Seite, bekamen wir unsere ersten Eindrücke und waren begeistert! Am nächsten Tag probierten unsere Splitboards zum ersten Mal etwas kirgisischen Schnee. Dafür sind wir auf über 3000 m zum Barskoon Pass hinaufgestiegen, um festzustellen, dass ein Langstreckenflug und das viele Reisen und Hiken bis auf 4000m ein wenig anstrengend sind. Um uns zu akklimatisieren und nicht schon am ersten Tag mit der Lawinenproblematik konfrontiert zu werden, wählten wir erstmal sanftes Terrain. Nach unserer ersten ersten kirgisischen Abfahrt haben wir versucht die Goldmine am Barskoon Pass zu erkunden. Wir kamen nicht sehr nahe und haben dieses gewaltige Loch nur aus der Ferne gesehen, aber es war wirklich verstörend in dieser weißen, hochalpinen und keineswegs menschenfreundlichen Landschaft.

Erschöpft vom ersten Tag bemerkten wir, dass es viele heiße Quellen gibt und Azamat weiß wo sie zu finden sind. Mit einer wilden Mischung aus Musik und einzigartigen Singalongs hält Azamat alle in guter Stimmung. Es gibt nichts besseres als ein kühles Bier nach einer Tour in einer heißen Quelle....

Am nächsten Tag fuhren wir weiter nach Osten nach Jeragalan. Hier bekamen wir Kontakt mit dem eigenartigen Schnee rund um die südöstliche Region des Sees. Der Schnee ist trocken, wirklich trocken, es scheint alles wie verfaulter/zuckriger Schnee zu sein und war am Anfang wirklich beängstigend für uns. Aber nachdem wir langsam erkannt haben, dass es nur sehr wenig Windgeschehen gibt und die Temperatur konstant niedrig ist, fanden wir kaum Schichten in der Schneedecke. Das war aber immer noch halbgar unter kirgisischen Pow Bedingungen. Wir hatten die ersten Splitboard Touren und richtige Abfahrten, aber wir wollen nichts überstürzen. Es gibt kaum Karten oder Informationen zu bekommen, also war es eher ein drauf losgehen und sehen wo man hinkommt. Aber wir haben schon ein paar schöne Runs gefunden! Nach einem Tag des Erkundens und Fahrens hatten wir auf dem Rückweg noch keine Ahnung, wo wir übernachten sollten. Als wir auf einen Reiter stießen, bot er uns an, in seinem Haus zu bleiben, und wir schliefen mit der ganzen Familie auf dem Boden ihres Wohnzimmers. Eine Erfahrung, die uns wirklich einen Einblick in den ländlichen kirgisischen Lebensstil verschaffte und unsere Sichtweise auf westliche Standards neu justierte.

Kirgisische Gastfreundschaft

Das Skigebiet in Karakol hat einige coole Pisten, auch wenn wir dort keinen Neuschnee hatten. Jenseits des Liftes gibt es ein tolles Terrain, das man mit einer kurzen Wanderung erreichen kann. Aber der körnige Schnee muss anders gefahren werden und lange Big Boards sind definitiv ein Muss für kirgisischen Powder. Die sanften Pisten in Richtung der Stadt bieten nur ein wenig Cruising-Gelände, aber die Landschaft ist eine Fahrt wert.

Nach unserer ersten Woche mit tollem Essen, Menschen und Bergen mussten wir uns von Azamat verabschieden, um uns mit den anderen Pogoern und Freunden zu treffen und das Terrain rund um die 40Tribes Jurten zu erkunden. Glücklicherweise konnten wir mit Hilfe unseres großartigen Führers bereits eine Leihwagen für unsere letzte Woche arrangieren, bevor er sich für seine nächste Mission auf den Weg machen musste.

2. Woche: 40Tribes

Nachdem die ganze Gruppe zusammengekommen war, begrüßten uns 40Tribes-Chef Ryan Koupol und Ptor in bester Stimmung. Vom Jurtencamp, das auf ca. 3000m liegt, genossen wir den atemberaubenden Ausblick. Und als Willkommensgeschenk bekamen wir an diesem Wochenende sogar 25cm Neuschnee. Nach der ersten Woche mit vielen Fragezeichen und der Tatsache, dass man nicht wusste, wo genau die Bedingungen gut sind, war es großartig, die richtigen Informationen über die örtlichen Schneeverhältnisse zu hören. Und dazu noch jede Menge köstliche lokale Gerichte, die von Nurbek und seinen helfenden Händen mit Sorgfalt zubereitet werden.

Yurte im 40tribes Basecamp

Und so begann eine großartige Woche mit langen Runs in Superdamduu, super lecker Pulver, kirgisischem Pulver übrigens......
Wir übernachteten die ganze Woche in Jurten, wo im Inneren gekocht wurde und wir Feuer machen und Schnee schmelzen konnten um Wasser zu bekommen. Das Jurtencamp ist mit so vielen Abfahrten verbunden, von steil bis sanft, von kurz bis lang, von Treeruns bis zu Couloirs. Alles, was wir uns gewünscht haben und bei besten Bedingungen! Ich denke, dass alle Skifahrer, besonders Ptor, bei dieser Art von Schnee insgeheim lieber Snowboarder sein würden.

Snowboarding in Kirgistan

Intensive Yatzee Spiele in der Nacht und viele gute Vibes. Die tägliche Routine war großartiges Essen, jede Menge Touren, jede Menge Sprays und jede Menge Spaß. Ich sage Danke an diese tolle Crew (Peter, Kurt, Martin, Jost, Ptor, Ryan, Farmer Moen, Nurbek, Ben und Tim)!

The Kirgistan Crew

Eine beeindruckende Zeit in einer unvergesslichen Landschaft ab vom Schuß ging zu Ende, was mit einem Bad im Schwanenbrunnen und tollen Tänzen gewürdigt wur

3. Woche: On the road ohne Azamad

Zurück in Bischkek verabschiedeten wir uns von unseren anderen Crewmitgliedern und holten unser Auto. Gleich am nächsten Tag ging es weiter nach Suusamyr. Wir fuhren nach Westen und als wir uns dem Too-Ashu-Pass näherten, fragten wir uns, ob wir die richtige Entscheidung getroffen haben? Es wurde immer trockener und es gab keinen Schnee mehr....

Nach dem wir den Scheitelpunkt in das Suusamyr Tal überquert hatten, änderte sich das schnell, von fast null auf 150cm weißes Gold. Am Too-Ashu-Pass gibt es ein Skigebiet, das zu dieser Zeit aber geschlossen war. So wanderten wir zum nächstgelegenen Gipfel/Kamm, um dort einen wirklich schönen Run zu haben. Die Schneeverhältnisse waren ganz anders als im Osten. Kein körniger Schnee, sondern das, was wir von den Alpen her kennen. Es gibt mehr kurze Abfahrten, aber mit tollen Pillows und kleinen Rippen.

Wir mussten noch einen Platz zum Schlafen finden und hier gibt es kein AirBnB und keinen Azamad. Aber wir haben es dann doch geschafft bei -20° jemanden zu finden, der unsere zwei Worte Russisch und Körpersprache versteht, dass wir etwas zu essen und eine Unterkunft brauchen. Einmal mehr fanden wir ein gemütliches Zuhause mit Willkommenstee.

Die Schönheit der schneebedeckten Hochebene von Sussamyr konnten wir dann am nächsten Morgen wirklich spüren, bevor wir wieder zum Too Ashu Pass hinauffahren, um dort noch mehr Spaß zu haben. Tim und Ben forderten sich selbst heraus mit Powdersurfen über und zwischen den Pillows, während ich alleine auf einen kleinen Gipfel ging.

Playing around

Jede Reise muss zu Ende gehen und so verbrachten wir unseren letzten Tag in Bischkek, schlenderten durch den Oschmarkt und sahen, dass Bischkek eine ganz andere Welt ist als die kleinen Dörfer in den Bergen.

Kirgisistan ist ein Land mit endlosen Gebirgszügen und so war es vermutlich auch nicht unser letztes Mal Splitboarding dort!

Weitere Infos:

40 TRIBES BACKCOUNTRY ADVENTURES LLC
Jamestown, Colorado USA, +1 303 552 6034
info@40tribesbackcountry.com
www.40tribesbackcountry.com

Azamad Joumashov, Kargan Voyage
What'sapp | Tell.: + 996 704 43 33 38 E-mail: kg.guide1@gmail.com