07 December 2014    

Martin (Seili) Seiler ist einer der besten Freerider und Splitboarder in der Schweiz. Hier teilt er sein Wissen über Backcountry Snowboarding und Sicherheit am Berg mit uns.

Portrait Seili"Ich bin im Herzen der Berge aufgewachsen, im Wallis in der Schweiz. Die fetten Berge rundherum haben mein Leben beeinflusst und tun es auch heute noch. Als Kinder waren wir jede freie Sekunde, nach der Schule oder am Wochenende auf unseren „Hausbergen“ unterwegs. Rückblickend erinnere ich mich an sehr viel Spaß und Freude. Seit dem hat sich nicht viel geändert. Auf meinem Board kleben einige Aufkleber meiner Sponsoren und ich reise mehr wegen dem Snowboarden.  Eigentlich bin ich immer noch dieses neugierige Kind."

 

Wenn Du unbekanntes Gelände erkundest (Du kennst es nur von der Karte) wie gehst Du vor, um Dein Risiko möglichst gering zu halten? Zum Beispiel bei einer Überquerung von Nord nach Süd?

Schon bei der Vorbereitung mit Karte kannst du eine Menge über mögliche Gefahrenquellen lernen. Wenn du sämtliche Bereiche im Auge behältst die steiler sind als 30°, weisst du bereits, wo eine erhöhte Lawinengefahr bestehen kann. Somit kannst du schon vor Beginn der Tour die sicherste Route planen und am Tourentag selber dein Risiko reduzieren. Wenn du dann vor Ort bist, ist es wichtig deine Augen offen zu halten. Gibt es Windzeichen durch Schneeverfrachtugen? Sind Selbstauslöser, also Lawinen die ohne Zusatzbelastung ausgelöst wurden erkennbar? Hörst Du Wumm Geräusche im Aufstieg? Was fällt dir sonst noch auf? Im Frühling beispielsweise spielt die Zeit eine entscheidende Rolle zur Risikoreduktion. Speziell in südlich exponierten Bereichen musst du früh unterwegs sein. In nördlich exponierten Bereichen solltest du dir bewusst sein, dass sich der Schnee langsamer setzt, also das die Lawinengefahr auch über längere Zeiträume bestehen bleibt. Wenn du in kritischere Bereiche kommst, erhöhe den Abstand zwischen dir und deinen Tourenpartnern, um weniger Druck auf die Schneedecke zu bringen. Grundsätzlich solltest du lieber frühzeitig umkehren, trotz dem Gedanken an eine unglaublich geile Abfahrt. Dies und die Tatsache, dass es keine 100% Sicherheit im Backcountry gibt ist absolut wichtig um dein Risiko im Backcountry zu minimieren.

Martin Seiler Hiking
Martin im Aufstieg

 

Wie minimiertst Du Dein Risiko und wie kannst Du trotzdem noch eindrucksvolle Lines fahren?

Wenn ich in einem Land bin wo es einen Lawinenlagebericht gibt nutze ich die Informationen natürlich und überprüfe meine Line auf das Risiko. Ausserdem mache ich einen Rutschblocktest, selbst wenn der nur punktuelle Gültigkeit hat. Wenn es dann um die Abfahrt geht habe ich das volle Safety Equipment LVS-Gerät, Schaufel, Sonde und nach Möglichkeit ABS Rucksack dabei.

 

Hast Du den ein oder anderen Tipp für Splitboard-Neulinge oder Fortgeschrittene im Aufstieg und bei der Abfahrt?

Für den Aufstieg ist gute Kleidung (mehrere Schichten / Layering System) wichtig. Zu Beginn der Tour ist es oft kalt und unangenehm und wenn die Sonne rauskommt wird es gleich mächtig heiß. Also solltest du deine Kleidung so wählen, dass du dich an diese Unterschiede anpassen kannst. Mein Layering System von Penguin ist normalerweise eine Kombination aus Merino Unterwäsche einer Primaloft Insulation Jacke und einer 3 Lagen Hardschell Jacke. Abgesehen davon ist es wichtig seinen eigenen Aufstiegsrythmus zu finden. Du verbrauchst viel weniger Kraft, wenn du langsam und beständig aufsteigst, anstatt alle 15 Minuten eine Pause einzulegen. Für die Abfahrt gibt es keine Regeln, genieß den Flow, fahr alles was Spaß macht und bei den aktuellen Bedingungen machbar und sicher erscheint.

Martin Seiler Riding
Martin Seiler big Spray

 

Was für ein Board-Profil bevorzugst Du Rocker, Camber oder Hybrid?

Ich fahre den neuen Hybrid Shape von Völkl, mein Untrac Splitboard hat eine Camber zwischen den Bindungen und einen Rocker an Nose und Tail. Der Rocker an der Nose gibt mir starken Auftrieb, während die Camber mir mehr kontrolle bei eisigen Passagen und Traversen gibt. Das ist die perfekte Kombination für Splitboarding.

 

Was würdest Du bevorzugen wenn Du Dich in die Situation von einem "normalen" Snowboarder begibst, einige gute Splitboard Touren oder ein paar erstklassige Freeriding Days im Skigebiet?

Ich denke beide Optionen sind cool, wenn Du gute Bedingungen und eine entspannte Crew zum Shredden hast. Ich fahre Treeruns nach großen Schneefällen, wenn es noch zu gefährlich ist in die offenen Felder zu gehen. Sobald alles zerfahren ist, mich die Liftschlangen nerven und die Bedingungen passen, schnapp ich mir mein Splitboard und erkunde das Backcountry.

 

Als Snowboard-Pro, was ist Dir lieber, ein Tag Heliboarding oder ein Tag Splitboarding und warum?Martin Seiler Gap

Wenn Du viel Material für die Medien produzieren willst ist der Helikopter das richtige Transportmittel. Du kannst in kürzester Zeit von einer Line zur nächsten fliegen und eine Menge Material an einem Tag produzieren. Es ist allerdings wesentlich stressiger den Heli als Lift zu benutzen, als mit dem Splitboard durch die Landschaft zu streifen. Schon alleine die Tatsache, dass jede Heliminute so unglaublich teuer ist, hast du nur wenig Zeit dir die Lines anzuschauen. Beim Splitboarding ist es viel relaxter und du kannst dich besser auf den Berg und die Bedingungen einstellen. Im Aufstieg gewöhnst du dich an den Schnee und spührst die Unterschiede in der Schneedecke. Aus dieser Perspektive betrachtet ist Splitboarding viel angenehmer und abgesehen davon bleibst du fit.

 

Wie würdest Du einen Splitboarding Tag mit Deinen Freunden in einem Satz beschreiben?

Normalerweise ist es ein Wahnsinnstag mit Freunden staubendem Pulver oder singendem Firn in den großen weissen Bergen.

 

Vielen Dank Martin Seiler für das Interview und Deine Motivation!

Sponsoren: Völkl, Swany, Marker, Penguin, Deeluxe, Flux, Hä?, Different