08. April 2019      

Als wir Sergey von Bear Powder Surfs auf der ISPO trafen, erzählte er uns von seinem letzten Splitboard und Powder-Surfing Trip nach Sibirien. Unser Powder Ressort hatte Fragen..

Das Chamar-Daban Hochgebirge am Südufer des Baikalsees hat die größte Niederschlagsmenge in der Region und bietet - dank stabiler Kälte – bereits im frühen Winter jede Menge Japow. Der am besten zugängliche Ort für Touring ist das Tal des Bolschoi-Mamay-Flusses, etwa 10 Kilometer südlich vom Baikal gelegen.

Mit wem warst du dort und was war Deine Motivation?

Wir sind mit meinen Freunden gefahren: Vitaliy, ein Einheimischer aus meinen Heimatbergen Sheregesh, Ivan ein professioneller Fotograf aus Moskau und Kristina aus Irkutsk und quasi Mamay Local. Unsere Crew war also ziemlich gut für diese Reise gerüstet.
Unsere Motivation war der Film "Здесь Можно Жить" (Here I can live), den unser Freund Igur Popeliukh vor einem Jahr gefilmt hat. Diese irrsinnigen Schneemassen haben uns total vom Hocker gehauen und so waren wir alle super motiviert diesen Trip auf die Beine zu stellen.

OK, das klingt ja nun wirklich toll. Wie komme ich hin?

Nun, im Grunde genommen fliegst du einfach nach Irkutsk, oder wie wir es getan haben - wir sind mit dem Zug von Nowosibirsk nach Irkutsk gefahren. Also wir kamen mit dem Auto von Sheregesh(*) nach Nowosibirsk. Aber wegen der extrem niedrigen Temperaturen und der langen Fahrt, sowie eines kleinen Unfalls auf dem Weg nach Nowosibirsk, entscheiden wir uns für eine Zugfahrt mit 32 Stunden und 1850 Kilometern. Von Irkutsk aus musst Du Dich von irgendeinem Einheimischen mit nem Auto oder Taxi noch 200 Kilometer zum Baikalsee fahren lassen. Lass Dich einfach am Straßenrand absetzen. Von dort aus ist es ein Zustieg von etwa drei Stunden. Ok, mit viel Gepäck wahrscheinlich eher vier Stunden. Du kannst aber auch jemanden bezahlen der Dich per Schneemobil dort hin bringt. Wir haben unser Gepäck per Ski-doo raufschaffen lassen und konnten den Zustieg ohne extra viel Plackerei meistern. Aber wie du in unserem Video sehen kannst, war es schon dunkel und der Ort ist super wild und wir hatten in etwa -30° C am Abend.

Wie genau sieht der Zustieg aus, und was muss ich vom Gefahrenpotential beachten?

Wie ich bereits sagte, gibt es ein paar Möglichkeiten. Per Split oder per Motorschlitten. Weiter oben gibt es einige super kleine Hütten die man mieten kann. Auch gibt es eine Art Guide, also keine richtigen Bergführer, sondern einfach jemand der die Gegend kennt und einen zu den coolen Spots bringen kann. Jedem, der über genügend Erfahrung verfügt würde ich aber davon abraten und einfach nur die Hütte mieten, einfach weil es nicht wirklich notwendig ist. Die südlichen Hänge sind etwas steiler und dementsprechend kritischer bezüglich Lawinen her zu beurteilen. Das Gelände in nordwestlicher Exposition ist etwas flacher und günstiger bezüglich Lawinengefahr. Außerdem bietet es den besseren Pulver und macht einfach mehr Spaß zu fahren.

Was macht diesen Ort so besonders?

Dieser Ort ist ein wahres Powder-Mekka! Ich habe noch nie solche irrsinnigen Schneemengen erlebt, selbst in Sheregesh nicht, wo es auch jede Saison extrem viel herunter haut. Außerdem gibt es überall Pillows - Mamay ist das reinste Pillow-Paradies! Die Gegend hat ein außergewöhnliches Mikroklima, wo die nordwestliche Exposition durch Berge von allen Seiten geschützt sind und es nicht so stark vom Wind beeinflusst wird. Dadurch bleibt der Schnee länger fluffy und das alles macht diesen Ort, nun ja, speziell!

Wow, das klingt wirklich spannend! Kannst du das Gelände noch etwas genauer beschreiben?

Nunja, die Berge liegen in etwa 1600m über dem Meeresspiegel und ein durchschnittlicher Run hat in etwa 600 bis 700 Tiefenmeter. Die Gegend hat eigentlich alles zu bieten von Treeruns über kleine schmale Rinnen mit jeder Menge Tiefschnee. Die Aufstiege dauern nicht länger wie ein bis zwei Stunden, somit schafft man – je nach Fitnesslevel - 2-3 Runden pro Tag.

Klingt super, also was wäre die beste Reisezeit für einen Splitboard Trip an den Baikalsee?

Wir waren mitte Januar dort und ich denke das ist wirklich die beste Zeit dafür, denn von oben hast du einen guten Ausblick auf den Baikal und siehst wie er von Tag zu Tag weiter zufriert und sich innerhalb kürzester Zeit in eine komplette Eiswüste verwandelt. Es ist unglaublich mit anzuschauen! Die größten Schneemengen kommen im November und Dezember. Aber die Region ist zu dieser Zeit nichts für Frierkatzen / Frierkater, denn die Durchschnittstemperatur kann bei -20°C liegen, aber wie gesagt hatten wir auch einmal -30° C.

Wieviele Tage sollte man für solch einen Trip einplanen?

Oh das ist eine gute Frage! Wir waren super limitiert mit der Zeit, also ich würde mindestens eine Woche oder zwei dort bleiben. Auch mußt du extra Zeit für Anreise und andere Erledigungen mit einplanen...

Ok, hast du Tipps für Unterkünfte?

Dort kannst super kleine Hütten mit Heizung mieten. Du wirst im Schlafsack übernachten und dein eigenes Essen zubereiten. Toiletten befinden sich draußen. Also mußt du dein Camping Equipment mitbringen.
Generelles Komfort Level: Niedrig.

Kannst du Locals empfehlen, die unsere Leser zwecks Guiding kontaktieren können?

Ich würde empfehlen Krista zu kontaktieren. Sie kennt die Ecke und jede Menge Leute dort. Außerdem spricht sie Englisch und kann für Dich übersetzen. Wenn Du nach Russland reist ist es nicht so einfach jemanden zu finden, der Englisch spricht oder irgend ne andere Sprache außer Russisch oder einheimische Dialekte. Auch kannst du mich auf fb kontaktieren und ich werde Dich mit Locals connecten.

Sind längere Touren von Tal zu Tal möglich?

Das mag zwar möglich sein, allerdings gibt es in der benachbarten Gegend keinerlei Infrastruktur. Also nicht wirklich machbar.

Gibt es Kartenmaterial für die Gegend?

Nicht das ich wüsste.

Spezielle Sicherheitsvorkehrungen bezüglich Bären?

Es gibt auf jeden Fall ne Menge Wildtiere in der Gegend, aber im Januar sollten alle Bären Winterruhe halten. Während unseres Trips haben wir noch nicht einmal Spuren von Wölfen bemerkt. Aber Mamay ist bekannt und beliebt bei Jägern während der Sommermonate. Ist halt Sibirien!

PS: Sergey startet gerade eine Crowdfunding Kampagne (nur in Russischer Sprache) um Splitboards und Powdersurfer aus Sibirien herzustellen. Splitboards können für ca. 430 EUR (**) vorbestellt werden, die dann im November geliefert werden. Wer also ein Splitboard möchte, kontaktiert Sergey am besten direkt. Wer etwas flexibler mit dem Lieferdatum ist, kann zusätzliche Versandkosten minimieren da ab und an auch Freunde von ihm in EU Länder reisen.

 

(*) Anmerkung der Redaktion: Auch eines dieser Powderlöcher in Russland, aber dazu mehr in einem anderem Artikel, demnächst.

(**) Zusätzliche Zollgebühren könnten hinzukommen.



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