22 December 2013      

Lyngen, mit Boot und Splitboard im Paradies für Tourengeher und Tourengeherinnen. Eine Spur von Abenteuer, ein Hauch von Wildness, die landschaftliche Vielfalt und eine tolle Crew machten diesen Trip zu einem richtig schönen Erlebnis.

Das erste Mal vergessen wir nicht. Aus dem Hintergrund strahlte sie hervor. Sie glänzte nicht durch perfekte Schönheit. Es war vielmehr ihr Charme. Sie entzückte durch den Hauch an Abenteuerlust der sie umgab. Wir mussten sie kennenlernen. 14 Monate, gefühlte 1000 Emails und zahlreicher traumhafter Nächte später standen wir vor ihr. Doch! Sie ist eine Schönheit. Ein ganz besonderes  und liebenswertes Ding. Ihre Geschichte überraschte uns. Blutige Vergangenheit. Tonnen von Walfischfleisch hat sie verdrückt. Nur wenige Jahre ist es her dass sie sich einem Lebenswandel unterzog.   Von einem Norwegischen Stararchitekten hat sie sich das Facelifting verpassen lassen. Die VULKANA! Wir sind begeistert. Was für ein Luxus mit dem wir die nächsten 3 Tage verbringen werden. Hot Pot, Panorama-Dusche. Sauna mit Aussicht, Hamam und Design-Kajüte mit Chefkoch.

Franca

Der Gastgeber empfängt uns nicht nur mit seinem gewinnenden Lachen. Für den ersten Hunger wird uns eine Platte mit Thunfisch und anderen Köstlichkeiten vom „Fang des Tages“ gereicht – roh – mit Limettensaft verfeinert, Sojasoße und Meersalz als einzige Würze. Die leckersten Sashimi, die uns vorstellen können.

Alles richtig gemacht! Das triumphierende Gefühl begleitet uns von der Ausfahrt aus dem Hafen von Tromsø. Wir lassen in der Dämmerung die Zivilisation hinter uns. Auf in das Abenteuer an Board unseres Walfänger-Babys.

In den kommenden drei Tagen werden wir die Lyngen Alps von Süd nach Nord durchqueren und dabei möglichst viele neue Eindrücke sammeln, weite Schneefelder überqueren,  steile Rinnen durchpflügen und immer das Meer mit Ausblick auf unser Schiff  vor Augen haben.

Lyngen Boat Trip

Die Lyngen Alpen gehören zu den Nördlichsten Ausprägungen des norwegischen Festlands. Einige Schiffsstunden weiter Richtung Nordpol liegt nur noch Bear Island, dahinter Spitzbergen.

Die menschenleere Kulisse mit hunderten von Berggipfeln an deren seitlich die Wellen brechen, begeistert uns vollends. Der Kontrast von maritimer Stimmung in hochalpiner Umrahmung  Berghängen ist für uns, die wir als Österreicher so eine Stimmung bestenfalls oberhalb von 2000 Höhenmetern kennen, bizarr. Wir haben ein Gefühl, als würde ein Film ablaufen und dieses Gefühl wird uns über die gesamte Reise nicht mehr verlassen. Es begeistert uns derart, dass wir keine Sekunde dieses ungeheuerlichen Naturspektakels versäumen möchten.

Ganz ehrlich? Zudem sind wir echte Glückspilze. Wir erleben die  Region zwischen Arktischem Ozean und Golfstrom ohne eine Wolke am Himmel und bei absolut ruhiger See. Wir gewöhnen uns an milde Temperaturen oberhalb der Null Grad Grenze. Das Schicksal hat uns umarmt.

Lyngen Eismeer

Genug der Schwärmerei. Ran an die Arbeit. Unser erster Tag in der „arktischen Wildnis“ beginnt mit dem schabenden Geräusch mit dem sich die gebrochenen Eisschollen am Schiffsrumpf reiben. Wir kommen an Deck, uns blinzelt die im Eis reflektierende Sonne zu. Mit aufgeregter Unruhe  genießen wir bei dem Anblick unser warmes Frühstück. Darauf folgt das hektische Treiben, das entsteht, wenn das Boardpersonal die Tischreste wegräumt, sich 11 Teilnehmer daran machen ihre Tourenausrüstung zusammenzusuchen und in Stellung zu bringen und der Bergführer letzte Hilfestellung gibt. Alles funktioniert. Geduldig warten wir die Zodiac-Transfers der Kleingruppen ab. Die erste Gruppe sucht noch die perfekte Anlegestelle am Festland. Nicht so einfach an der Felsküste. Mit ein paar nassen Füssen gelingt es und der Weg für die Nachfolgenden. Ist geebnet

Lyngen Vorbereitung für den Landgang

Mit unseren Snowboardboots sind wir den Skifahrern klar im Vorteil. Sportlich hüpfen wir mit Board in der Hand über  die Steine bis wir im ersten Schnee Norwegens landen. Kaum zu glauben, jetzt geht’s bergauf.

Lyngen auf zum Tourenstart

Der letzte Schnee ist vor 2 Wochen gefallen. Dazwischen hat es schon ein wenig geregnet. Nun sind die Temperaturen gefallen. Es friert nachts, nur die sonnenhänge firnen tagsüber auf. Der Aufstieg wird also eisig, die Lawinensituation ist sehr easy. Bei uns in den Alpen wäre die Stufe eine klare „2“. Aus Ermangelung eines offiziellen Lawinenlageberichts urteilen wir mithilfe unseres Bergführers selbst. Die Unerfahrenheit in dieser Region wirft Fragen zu Bekleidung und Touren-Ausstattung auf. Wir entscheiden uns für Norrøna-Gore Tex Jacke an, Zipper an den  Armen offen, Handschuhe aus, Felle drauf aber ohne Harscheisen. Es geht locker los. Mit unseren Völkl Splitboards mit Voile Bindung gehen wir entspannt. Jeder Schritt sitzt. Das Gewicht an den Füssen lässt unser Sportlerherz jauchzen. Kaum zu spüren. Wir üben uns in der richtigen Gehtechnik. Niemals Anheben, Schieben und Ziehen ist korrekt, es sei denn man legt eine Spitzkehre ein.

400 Höhenmeter später erkennen wir unsere Fehler. Aus einem weichen Schneehang wurde ein vereister Hang, den wir seitlich schräg queren müssen. Die Jacke staut die Hitze, wir schwitzen unseren Wasservorrat raus. Stopp! So geht’s nicht weiter. Wir suchen uns einen sicheren Platz zum Umrüsten. Leichte Lyngen Daunenjacke gegen Goretex tauschen, Bindung abmontieren und Harscheisen darunter, anmontieren. Wir sind begeistert, wie leicht es uns trotz der ungünstigen Position mitten auf dem Eishang fällt, Bindung zu Demontieren und Umzurüsten. In solchen Momenten soll jeder sitzen. Gutes Material! Wir freuen uns über unsere Entscheidung die richtige Ausrüstung gewählt zu haben. Den Gipfel des Lyngestidan erreichen wir am frühen Nachmittag. Wieder können wir unseren Augen nicht trauen. Als diese Gegend entstand, hat der Schöpfer einen guten Tag gehabt.
 

Lyngen Touring

Schon fast wie in Trance ziehen wir unsere Spuren in den Firnschnee. "Zu schnell unterwegs!" meinen die einen, wir aber können vom Genuss nicht genug bekommen. S..ßegal…wir holen uns jetzt den Kick und merken überhaupt nicht, dass wir eigentlich „nur“ ein Splitboard unter den Füßen haben. Die Kanten halten auf harten Passagen einwandfrei, die angerockerte Nose hält uns wendig auf der dünnen Sulzschneeauflage. Möge es nie enden!

Lyngen vom Zodiak an Land

Wir verbringen den Abend voll entspannt bei norwegischem Fischeintopf, 2 Saunagängen mit vorüberziehenden Bergpanoramen, das Hot Tub auf dem Achterdeck mit frischem Meerwasser auf 60 Grad aufgeheizt tut der Seele vor allem mit dem zischigen Bier in den Händen vollends gut. Zu Mitternacht bekommen wir einen netten Hinweis unsere Crew. Wie schon wieder so spät – es ist doch taghell!

Lyngen ein guter wein an Board

Tag 2 beginnt wie Tag 1. Wir holen uns den morgendlichen Kick beim  Anblick von Kulisse Nummer 2 – Hammergeil! Frühstück kann kommen, Berg kann kommen, Abfahrt kann kommen. Wir sind zu Hause. Am Strand steht ein einzelnes Haus, der Hund davor läuft hektisch um uns herum und bellt. Zum Beißen reicht sein Mut nicht. Aber er würde schon gern an die Waden ran. Frauchen holt ihn ins Haus „Sorry, he does not know other people“ wird sein Benehmen entschuldigt. Wir nehmen´s gelassen, sind wir mit den bunten Farben der Norrøna Jacken auch provokant gekleidet.

Die Tour zum Store Kågtinden auf dem 1228 Meter hohen Kågen ist Lyngen-Kennern gut bekannt. Wir wurden von einem dichten Nebelfeld überrascht und dachten schon die Orientierung zu verlieren. Die Sicht war binnen weniger Minuten auf null reduziert. Die Vordermänner hinterließen den Nachzüglern kleine Spuren. Niemand ging verloren. Die verwöhnten Gemüter klagten etwas über die fehlende Aussicht. Doch was solls? Das Wetter ist kein Wunschkonzert. Oder doch? Wir hatten uns auf dem Gipfel gerade sortiert, da rissen die Nebelschwaden auf und in die Nebelfetzen hindurch drängten sich die Bilder von Bergen und Meer. Wer hat hier die Inszenierung veranlasst, wo ist so etwas möglich? Nein – wir schwärmen nicht..uns stehen nur die Freudentränen in den Augen.

Lyngen Wetterspiele

Abfahrt ohne Worte, Abend ohne Worte, Eindrücke ohne Wort….zum Glück haben wir noch einen letzten Tag!

Die Vulkana machte sich mit uns auf den Weg zu dem wahrscheinlich kleinsten Fischerdorf der Welt. Eine Reise in Norwegens Vergangenheit. Es gab Zeiten, da mussten die Fischer für das ausreichende Bruttosozialprodukt des Landes sorgen. Nun machen sie es aus Leidenschaft und Tradition, gut gefördert vom gesunden Sozialstaat. Das fischreichste Gebiet der Welt sorgt für das tägliche Erfolgserlebnis mit Tonnen voll feinster Ware.

Lyngen frischer Fisch

Die letzte Tour wählten wir nahe vor den Toren Tromsø´s auf den Oldervik auf Tromsø Fastland. Eine Spritztour im Vergleich zu den beiden vorhergehenden Tagen. Ein perfekter Absacker.

Lyngen Freudentanz

Zurück in Tromsø wartete schon die nächste Gruppe. Eifersüchtig? Nein! Wir? Niemals?....Wir meckerten über unsere Nachfolger…was die wohl mit unserer Freundin anstellen wollen? So gut wie wir sind die nicht……und gingen ins Hotel.

Wir bedanken uns bei den tollen Gästen und Mitstreitern, bei einer  unschlagbaren und tollen Crew und dem sicheren Navigieren von Skipper und Bergführer. Ohne euch wären wir nur halb so glücklich! Bis zum nächsten Mal!

Lyngen zurück in die Zivilisation

Equipment:

  • Völkl Splitboard
  • Voile Tourenkit (Tourenbindung, Felle, Harscheisen)
  • Norrøna Gore Tex Pro Shell Jacke / Hose
  • Norrøna Lyngen Down Lightweight Jacke

Copyright: Freeridershop Hamburg