05. November 2012    

Phantastische Eindrücke, spannende Situationen, eine Menge Spaß und viele überlebenswichtige Infos. Das letzte Wochenende stand ganz im Zeichen unseres Splitboard/Freeride Gletscherkurses.

Phantastische Eindrücke, spannende Situationen, eine Menge Spaß und viele überlebenswichtige Infos. Das letzte Wochenende stand ganz im Zeichen unseres Splitboard/Freeride Gletscherkurses.

Day 1:
Frühmorgens treffen wir in Tux auf unseren Bergführer Peter Bacher von Rock'n Snow. Beim Materialcheck stattet er uns mit der erforderlichen Gletscherausrüstung aus und schon geht's hinauf auf den Hintertuxer Gletscher. Bei halbwegs sonnigem Wetter haben wir bereits vom Tal aus die mächtige Föhnwalze erspäht die sich über den Hauptkamm wälzt. Kaum oben angekommen empfängt uns dann auch ein mittlerer Föhnsturm (~80km/h) der noch den gesamten Kurs an uns zerren wird.

Schnell lassen wir das gesicherte Skigebiet hinter uns und bereiten die Einfahrt in den Gletscherbruch vor. Wir bilden eine 5-er Seilschaft und fahren dann am Seil (Splitboard und Tourenski gemeinsam) ein Stück in die Spaltenzone ein. Das ungewohnte Abfahren in einer Seilschaft, zudem bei windgepresstem Schnee, fordert einiges an Koordination und Teamwork und sollte in jedem Fall geübt worden sein bevor man im Ernstfall mal darauf angewiesen ist.

Am Gletscherbruch angekommen sichern wir Splitboards und Ski mittels Eisschraube und Seil gegen das Wegfliegen, legen unsere Steigeisen an und bewaffnen uns mit Eispickeln. Immer steiler und surrealer werdend geht es an tiefen, dunklen Spalten vorbei direkt hinein in die zerklüftete Eiswelt des Gletschers. Der Sturm treibt den Schnee über die blanken Eisflächen und wir haben manchmal Mühe in diesem Toben unserern Bergführer zu verstehen wenn er uns Tips zum sicheren und kräftesparenden Steigeisengehen gibt. Zwischen mächtigen Seracs (Eistürmen) hindurch und über kleine blankgefrorene Absätze erreichen wir immer wieder windgeschützte Stellen im Lee und lernen dort die Basics der Sicherungtechnik im Eis. An einer etwa 10 Meter hohen Eiswand versuchen wir uns im Eisklettern. Gut gesichert erklimmen wir die Wand, zunächst mit, dann ohne Eispickel und da muß uns Peter dann doch ein bischen durch Zug am Seil unterstützen.

Sichern der AusrüstungEiskletternEine andere WeltFahren am Seil

Später demonstriert  er uns am Rand einer großen Spalte die Techniken der Spaltenbergung wie den Mannschaftszug, den Bau eines Standes und die lose Rolle. Nach eindrucksvollen sechs Stunden im Eis kehren wir vom Wind gezeichnet zu unseren Splitboards und Skiern zurück um uns erneut für eine Abfahrt am Seil zusammenzuhängen. Erschöpft wie wir jetzt sind legt sich dabei jeder mal in den Schnee und stoppt so ruckartig die Vorausfahrenden. Abfahrtsspaß sieht anders aus ;-)

Ausgepowert aber sehr zufrieden fallen wir nach einem reichhaltigen Abendessen in die warmen Betten um für den nächsten Tag wieder fit zu sein.
 

Day 2:
Der Wind, neben unserem Bergführer, ein treuer Begleiter dieses Wochendes, bläst unvermindert. An der 1. Sektion der Gletscherbahn ziehen wir die Felle auf Splitboards und Ski und machen uns auf den Weg hoch zur Frauenwand. Gemütlich hiken wir bergauf und besprechen in den zahlreichen Pausen mögliche Gefahrenstellen, lernen dabei die Zeichen der Schneeverfrachtung zu erkennen, Windzeichen zu lesen und Hotspots zu lokalisieren. Klar gibts auch noch den ein oder anderen Tip zur Perfektionierung der Steigtechnik mit Splitboard oder Ski und so erreichen wir easy nach einer auch landschaftlich schönen Tour den windumtosten Gipfel. Schnell im Windschatten einer Wächte die Boards und Ski abgefellt, Splitboards umgebaut, ein paar Fotos gemacht, einige mögliche Lines gespottet und schon sind wir auf dem Run nach unten.

 

Am Nachmittag stand dann die praktische Übung der Spaltenbergung auf dem Programm. Also wieder hoch auf den Gletscher, nahezu im Whiteout durch die Föhnwalze auf die etwas "windstillere" Südseite und schon plumpst jeweils einer aus den zwei gebildeten 2-er Seilschaften über einen kleinen Abhang ins Seil und muß nun von seinem Partner zunächst gehalten und dann aus der Spalte gerettet werden. Gedacht, getan, nur ist das gar nicht so einfach...

 

Au, ahh scheisse ist mir schlecht, mein Schädel blutet, das Knie tut so weh, Hilfe hol mich hier raus, mach schnell mir ist saukalt, hören wir von den "Gestürtzen", während die Retter damit beschäftigt sind zuerst das am Seil zerrende Gewicht vom eigenen Körper auf einen Anker zu bringen um dann die weiteren Bergungsmaßnahmen einleiten zu können.
Bei den anfänglichen Schwierigkeiten (Übung macht den Meister) steht uns unser Bergführer Peter mit Rat und Tat zur Seite und vermittelt uns geduldig das erforderliche Wissen und die Praxis um im Ernstfall locker zu bleiben und den Partner sicher aus einer solch unbequemen Lage befreien zu können.
Durchnässt und wieder mal recht erschöpft kehren wir in die Zivilisation zurück um den lehrreichen Tag gemütlich bei Speck und Kas, einem Stück Kuchen und Lumumba ausklingen zu lassen.

Trotz, und teils auch wegen der widrigen Windverhältnisse hatten wir ein supercooles Wochenende im Eis, haben eine Menge unter realistischen Bedingungen gelernt und sind jetzt noch sicher auf Tour unterwegs als zuvor. Wir wissen nun was und wie wir noch üben können bis die Spaltenbergung in Fleisch und Blut übergeht und wir dann wohlgerüstet und sicher anspruchvollere Hochtouren in Angriff nehmen können.

Noch eine Erfahrung, Splitboard und Tourenski passen sehr gut zusammen, auch am Seil gibts null Problemo durch die unterschiedlichen Bretter und obwohl die Pommes-Rutscher (Skitourenfreunde) manchmal etwas flexibler wirken, das gleicht sich an anderer Stelle aus und so können wir getrost sagen:

Splitboard und Skitourenfreunde haben den gleichen Spirit, daher Friede zwischen den Welten und viel Spaß in den Bergen. Und am Gletscher ist eine größere Seilschaft eh immer von Vorteil.



 Kommentare

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    9. November 2012 - 9:44 Zum Kommentieren anmelden oder registrieren.

    Jetzt haben wir noch einige schöne Fotos von Peter Bumcha bekommen, die wir Euch nicht vorenthalten möchten.