08 January 2015      

Aurelien Routens, Snow- und Splitboard Profi erzählt über seine Liebe zu Südamerika und gibt wertvolle Hinweise für einen Splitboard Urlaub in dieser Gegend.

Es ist Ende Juni, meine Freundin Agathe und ich haben entschiednen den Sommer in Südamerika zu verbringen.
Es ist nicht unser erstes Mal zwischen Chile und Argentinien.

Alaska Line in Südamerika
Alaska Linie in Südamerika

 

Ich war schon in allen Skigebieten, habe aber keinen wirklichen Gefallen daran gefunden. Sie sind relativ teuer, klein und überfüllt. Natürlich gibt es tolle Abfahrten und viel Spaß, doch wir wollten einfach nicht das Erleben, was wir in Europa auch erleben können. Aus diesem Grund kaufte ich vor zwei Jahren ein Auto und einen Skidoo, denn nur so kann man die abgelegenen Regionen in diesem Gebiet erkunden. Hier in Südamerika ist es nicht wie bei uns in Europa.  Die Menschen leben nicht so wie wir in den Bergen. Hier gibt es viele Gebiete, wo es weder Busverbindungen noch Dörfer gibt, zum Teil ist sogar das Straßennetz sehr spärlich bis gar nicht vorhanden.

Ohne Auto bist Du hier also auf die touristischen Gebiete beschränkt, sie sind auch wunderschön und sehenswert, doch verpasst du die ursprüngliche einheimische Kultur.

Wir nehmen also unser Auto und fahren direkt nach Caviahue im argentinischen Teil von Patagonien. Es ist das einzige Dorf in ganz Südamerika, das tief in den Bergen liegt und wo es den ganzen Winter Schnee hat. Vom Vulkan Lonquimay in Chile, wo wir uns befinden, sind es nur 3 Stunden Fahrt. Das Skigebiet ist eher für Anfänger oder leicht Fortgeschrittene, doch bietet die Umgebung wahnsinnig viele Möglichkeiten, wenn du einen Blick für die Schönheit der Berge hast. Wir befinden uns direkt neben dem einzigen Vulkan in Argentinien, der gleichzeitig der aktivste in Südamerika ist.

Vulkan Caviahue
Caviahue in der Nacht

 

Rund um Caviahue gibt es beeindruckende Touringmöglichkeiten, doch sind die Entfernungen etwas groß. Somit kommt unser Schlitten ins Spiel, der es uns ermöglicht schneller, tiefer in die Berglandschaft einzudringen um unserem Tourenvergnügen zu frönen. Nicht selten fahren wir bis zu 30 Kilometer mit dem Schlitten um von dort unsere Tour auf Fellen oder gleich mit Steigeisen fortzuführen. Die Berge sind nicht besonders hoch in dieser Gegend, doch gibt es alles was des Splitboarders Herz begehrt, von einfachen, entspannten Hikes bis hin zu extremen Aufstiegen und Steilabfahrten.

Wenn du hier bist, musst du unbedingt dein tägliches Bad in dem Thermalsee nehmen, er ist in der Mitte des Nichts und wirkt Wunder nach einem anstrengenden Splitboard Touring Tag. Ich liebe diesen See, darum habe ich mir hier ein kleines Eigenheim erbaut.

Mit dem Skidoo gehts zum Caviahue
Mit dem Skidoo unterwegs

 

Alles in allem waren wir in 4 Monaten 3 mal 15 Tage hier, die Wetterbedingungen sind nicht sehr stabil, also ist genug Zeit und Geduld gefragt. Hier kannst du alles haben, mehrere Tage Schneefall, 1,5 Meter Schnee in nur einer Nacht, Regen am darauf folgenden Tag, Wind,… alles was Du Dir in Deinen kühnsten Träumen in Bezug auf schlechtes Wetter vorstellen kannst. Eine Woche im Haus, lesen, spielen, schlafen, nachdenken,… Doch dann kannst Du hier unvergleichbaren Pulver in unberührter Natur erleben.  Du kannst die Windstille spüren und Lines so weit das Auge reicht entdecken und befahren.

Im Schnee
Wetter aber doch gemütlich

 

Zwischen unseren Aufenthalten in Caviahue bereisten wir Chile, wir besuchten alle Täler von Santiago bis Osorno, es gab Pulver und zeitweise konnten wir den Schnee mit unseren Hilfsmitteln nicht erreichen. Wir sind viel gehiked und haben, wenn möglich den Schlitten zur Hilfe genommen. Mit dem Splitboard waren wir auf 9 Vulkanen unterwegs, hier die Auflistung von Norden nach Süden: Chillan Viejo, Sierra Velluda, Callaqui, Tolhuaca, Lonquimay, Llaima, Lanin, Villarica, Puyehue.

Rodeo Front mit dem Dorf Caviahue im Hintergrund
Rodeo oberhalb vom Dorf

 

Meine Lieblings Locations in Chile sind:

- "El Cajon De Maipo" in der Nähe von Santiago. Hier gibt es beeindruckend, hohe Berge, große Gletscher und einen Vulkan mit der Höhe von 5700 Metern.
- Das Hinterland von Termas de Chillian, viele kurze Lines, wunderschön, steil, aber ohne Schlitten kaum erreichbar.
- Der alte Vulkan Sierra Velluda, hier durfte ich die Erstbefahrung der Ostflanke machen. Es ist eine atemberaubende Linie mit einer Länge von 300 Metern, ca 50° steil und oberhalb eines Kliffs. Das Kliff ist unmöglich zu droppen, aber es gibt dieses winzige Couloir zwischen einem Serac und einem Felsen. Wenn Du es findest, kannst Du die Linie bis direkt auf den Gletscher fahren.
- Der Vulkan Puyehue mit einem Krater von 2km Durchmesser, umringt von unzähligen Couloires und einmaligen Linien.

Gipfel von Puyehue
Gipfel Puyehue

 

Unglücklicherweise habe ich mich am Ende unserer Reise verletzt. Mein eigener Sluff hat mich mitgerissen und einen Felsen hinter gespült, den ich eigentlich springen wollte. Ich hatte Glück im Unglück und mir ist, bis auf eine Verletzung am Knöchel nichts passiert. Ich konnte noch gehen, allerdings mit großen Schmerzen. Naja genug gejammert, das gehört irgendwie dazu und die Saison ist ja fast vorüber.


Wir brauchten mehr als 6 Stunden um aus den Bergen heraus zu kommen. Als erstes aus dem Krater, dann zur Hütte und zu guter letzt zum Auto im Tal.
Hier in den Anden gibt es keine Rettungs Teams wie bei uns. Wenn Du etwas weiter in der Wildness bist, brauchst Du gleich einmal 2-3 Tage um Hilfe zu bekommen. Also pass auf Dich auf und nimm eine starke Frau mit. Agathe musste meinen mindestens 20 kg schweren Rucksack tragen, vielen Dank.



Backcountry Caviahue
Backcountry Caviahue

 

Ich werde Euch nicht von unseren "Sneak Adventures" berichten: In Las Lenas ist fast alles verboten, da es in Privatbesitz ist. Also mussten wir uns mitten in der Nacht Zutritt verschaffen, um dann mit unserem Schlitten ins Nachbartal zu der Hütte zu fahren. Hmm, die Nacht schliefen wir im Zelt, denn die Hütte war zu. Doch waren wir voller Freude, denn dies war die einzige Möglichkeit das nächste Tal hinter dem Ressort zu erreichen.
In Termas de Chilian zum Beispiel mussten wir um 7.00 Uhr rein, ein paar Stunden bevor das Skigebiet seine Lifte öffnet… und trotzdem gab es einen Typen der uns hinterher rannte, um uns zu fangen.

Also, kurz gesagt: "Südamerika ist ein beeindruckendes Gebiet mit Wüsten, Wäldern, Gletschern, Vulkanen und "mind blowing" Abfahrten. Es ist nichts für Langschläfer und Schönwetter-Splitboarder.

Wenn Ihr in diese Region fahrt wünsche ich Euch eine gute Reise, etwas Glück und ach ja… wenn Ihr mehr wissen wollt, schaut Euch doch meine "Carpe Diem"Web-Serie an.

Wenn Ihr mehr über meine Splitboard Abenteuer wissen möchtet dann schaut immer mal wieder auf Splitboarding.eu und auch auf meine facebook page.

Ein großes Dankeschön an splitboarding.eu und all meine Sponsoren: MAMMUT, POGO, GRIVEL, CEBE, Tourism Office of  La GRAVE, SPARK R&D, DAKINE, PICTURE, Télélépherique des glaciers de la MEIJE, DRAKE , NORTHWAVE,


Herzliche Grüße
Aurelien

Wir bedanken uns auch für den Artikel und die schönen Fotos, danke Aurelien.