05 November 2013    

Hier das erste Interview unserer Reihe "Splitboarding und Risikomanagement". Weltbekannte Freerider und Splitboarder wie Dave Downing, Jeremy Jones, Aline Bock und andere, teilen Ihr Wissen mit uns und wünschen allen Leserinnen und Lesern viel Spaß und sicheres Splitboarding.

Dave Downing: "Ich bin im August 1968 in Redondo Beach California geboren und begann mit dem Snowboarden 1990. 1993 wurde ich Burton Fahrer und begann 1995 mit dem Splitboarding während ich in Utha lebte. In den 90ern habe ich Burton dabei geholfen ein Splitboard und ein Bindungssystem zu entwickeln. Ich bin jetzt 45 Jahre alt, immer noch mit Burton und liebe Splitboarding nach wie vor.

Der Splitboard Markt ist wirklich klein. Burton hat sich auch dem Splitboarding verschrieben und hat Produkte für Splitboarder im Programm. In den 90ern hatten wir ein Splitboard mit eigenem Bindungssystem, bedingt durch Produktionsprobleme und geringe Stückzahlen wurde das Projekt leider verabschiedet.
Jetzt haben wir wieder begonnen Splitboards zu produzieren und arbeiten für das Bindungssystem mit Voile und Spark R&D zusammen. Ich habe einen ganzen Video-Part im TB9 mit dem Burton Splitboard gehabt. In dem selben Jahr, ich glaube es war 1998 hatte ich eine Menge Coverage in den Snowboard Magazinen, wir haben das Splitboard gut promoted aber die Realität war, dass in dieser Zeit wenig Leute die Anstrengung auf sich nehmen wollten. Trotzdem glauben wir bei Burton an Splitboarding und promoten die Produkte, die wir dafür entwerfen."

Wir von Splitboarding.eu denken, dass der Markt in dieser Zeit noch nicht reif genug war, sich das aber inzwischen geändert hat. Die Snowboarder sind nun zunehmend in einem Alter wo sie vom Stress im Skigebiet und ausgefahrenen "Freerides" nichts mehr wissen wollen. Jetzt wollen sie Ihre eigenen Wege gehen. Und ganz abgesehen davon, mit dem Splitboard ist beides möglich.

Dave Downing Splitboarding

 

1. Was würdest Du bevorzugen wenn Du Dich in die Situation eines "normalen" Snowboarders begibst, einige gute Splitboard Touren oder ein paar erstklassige Freeriding Tage im Skigebiet?

Mittlerweile sehe ich mich als einen "normalen" Snowboarder. Ich bin nicht mehr zum Filmen unterwegs, also hat sich mein Lifestyle "normalisiert". Natürlich fahre ich sehr gerne in Skigebieten, wenn die Verhältnisse gut sind oder mit meinen Kindern. Aber meine Passion beim Snowboarding ist das Backcountry und die Einsamkeit die es mir gibt. Ausserdem ist beim Splitboarding alles etwas ruhiger, du kannst es mehr geniessen und bist nicht in der Eile deine Runs zu machen bevor alles zerfahren ist.

2. Als Snowboard-Pro, was ist Dir lieber, ein Tag Heliboarding oder ein Tag Splitboarding und warum?

Oh ja, ich hatte die besten Snowboard Tage meines Lebens bei einem Heli Trip in Alaska. Mit dem Heli ist es einfach so einfach 15 unvergessliche Abfahrten an einem Tag zu bekommen. Ich liebe Snowboarding und fahre Pulver wo immer und wann immer ich kann. Dabei ist es mir egal ob ich mit dem Lift, dem Sessel, dem Heli, dem Schneemobil oder dem Splitboard unterwegs bin. "I just love to ride". Auf der anderen Seite habe ich einige unglaubliche Tage da draussen beim Splitboarding gehabt. Obwohl es nur einige Runs waren, es war der Wahnsinn. Es ist einfach ein anderes Erlebnis wenn Du mit dem Splitboard unterwegs bist. Es ist ruhiger und ich denke Du fühlst eine gewisse Nähe zu Gott.

3. Wenn Du Dich in unbekanntes Gebiet begibst (Du kennst es nur von der Karte), wie gehst Du vor um Dein Risiko möglichst gering zu halten?

Zum Beispiel bei einer Überquerung von Nord nach Süd?
Als erstes würde ich so viele Infos wie möglich von den Einheimischen holen die in diesem Gebiet viele Jahre unterwegs sind. Zweitens würde ich mir das Terrain in dem ich fahren will ganz genau anschauen. Ich mag offenes Gelände nicht so gerne, ich bevorzuge Abfahrten mit tollen Features und Bäumen. Das Angsteinflößendste ist für mich die Einfahrt in einen riesigen Bowl (Kessel). Drittens, ich würde anfangen im Schnee herumzugraben um ein Gefühl zu bekommen wie die Beschaffenheit ist und was da unter der Oberfläche abgeht. Ich bin kein Wissenschaftler, aber ich kann Löcher graben und fühlen wie der Schnee sich verhält. Viertens, wenn ich in unbekanntem Gelände bin, beginne ich mit wirklich einfachen Routen. Ich fahre dort wo geringe Lawinengefahr ist und wo es wenig Gefahrenstellen gibt. So fühle ich mich gut und bin sicher wenn etwas schief geht. Wenn ich im Schnee bin und fahre, kann ich Ihn fühlen und merke wie er sich verhält. Unterm Strich, pass auf und denke nie es ist sicher.

4. Wie maximierst Du Deine Risikobegrenzung und kannst trotzdem noch eindrucksvolle Lines fahren?

Du solltest im Backcountry immer mit einem leichten Gefühl der Angst unterwegs sein und immer Vorsicht vor Powder-Geilheit walten lassen. Sei immer wachsam, denn es kann immer etwas passieren. Sei nie mit Kopfhörern unterwegs, sondern sei wach und aufmerksam. Das gleiche gilt für Deine Partner. Ausserdem denke ich, dass eine Gruppengröße von mehr als 4 Personen nicht optimal ist da man nicht mehr genau mitbekommt was die anderen machen. Das Backcountry ist wirklich gefährlich. Also solltest Du Kurse machen, Bücher lesen und von erfahrenen Leuten lernen.

Wirklich, ich habe das Risiko immer möglichst gering gehalten, selbst wenn ich Filmen war. Ich möchte Snowboarden und möchte dass es spaßig und toll aussieht. Ich hatte es nie nötig mich selber zu ängstigen um es interessant zu halten. Ich hatte das Glück von Craig Kelly zu lernen und er hat nie riskiert. Craig suchte sich immer die schönste und abwechselungsreichste Line, nie die Extremste. Das nahm ich mir das zu Herzen und brauchte nicht wirklich die eindrucksvollste Line des Tages zu fahren. So bin ich und habe riesigen Spaß beim Splitboarding.

5. Hast Du noch den ein oder anderen Tipp für Splitboard-Neulinge oder Fortgeschrittene im Aufstieg und bei der Abfahrt?

Dich an das Equipment zu gewöhnen ist das Wichtigste beim Splitboarding. Zu Beginn ist alles so kompliziert und es scheint nicht wirklich zu funktionieren, aber je öfter Du es machst und Dein Material verwendest, desto besser wirst Du und Du wirst merken, dass es sogar komfortabel sein kann. Um dich an das Material zu gewöhnen macht es Sinn mehrere kurze Aufstiege und Abfahrten am Tag zu machen. So gewöhnst Du Dich an das Zeug.

Gewöhne Dich schon zu Hause an Dein Material, bau es auseinander, bau es zusammen, lerne es kennen, so wie es auch die Jungs von splitboarding.eu beschrieben haben. Es ist immer einfacher Dein Material kennenzulernen wenn Du in Deiner warmen Wohnung bist anstatt es bei eisiger Kälte oder Wind am Gipfel eines Berges zu montieren.

Für den Aufstieg nimm immer die einfachste Route, sie ist auch meistens die Sicherste. Gehe in leichten Querungen zum Hang anstatt gerade zum Gipfel zu gehen, das ist meistens einfacher. Ich denke eine gute Routenwahl ist der Schlüssel zum Splitboarding. Schau Dir die Route im Vorfeld genau an und mach Dir einen Plan wie Du den Gipfel am einfachsten erreichst. Ich denke die Abfahrt ist vom Ridingstyle und den Skills jedes einzelnen bedingt.  Ich für meinen Teil nehme immer die mit den meisten "Face Shots" :-)

6. Was für ein Board-Profil bevorzugst Du: Rocker, Camber oder Hybrid?

Meine Splitboards sind immer Camber Boards.  Vielleicht ist etwas Rocker in der Nose gut zum Riden, allerdings bin ich der Meinung, dass Du die Camber für den Aufstieg brauchst. Sie macht es einfacher. Ich kenne viele Leute die Rocker Splitboards bauen und ich bin mir sicher dass sie funktionieren. Aber ich fühle, dass Camber Boards zum Splitboarding besser geeignet sind. Ich bevorzuge auch die Energie die Dir ein Camber Board gibt wenn Du schnell im Powder unterwegs bist. Sie fühlen sich an als würden sie aus dem Schnee zurück nach oben wollen. Ich denke ein Splitboard muss mit einer korrekt designten Camber gebaut werden. Es sind viele Dinge zu beachten damit ein Snowboard richtigen Float erreicht, es ist ähnlich wie bei einem Surfboard. Der Shape muß genau passen damit ein Board im Powder richtig funktioniert.

7. Wie würdest Du einen Splitboarding Tag mit Deinen Freunden in einem Satz beschreiben?

An einem guten Tag ist Splitboarding wie ein riesiges Rock Konzert und Du bist als Einziger in der ersten Reihe.

 

Danke Dave für dieses umfassende Interview und die vielen Tips an unsere Leser.