20 November 2013    

Freeride World Tour Champion 2010 Aline Bock über Splitboard Touring und Sicherheit bei ihren Unternehmungen im Backcountry. Lerne von den Pros und check Dein eigenes Sicherheitsbewusstsein.

Aline Bock: Seit etwa 17 Jahren spielt das Snowboarden in meinem Leben eine große Rolle: als Hobby, als Wettkampfsport und als Beruf. Begonnen habe ich mit der Disziplin Freestyle in der Halfpipe um dann nach einigen Jahren zu Slopestyle zu wechseln, bevor ich mich auf neue Herausforderungen beim Freeriden und mit meinem Splitboard in hochalpinem Gelände eingelassen habe. Die Profikarriere war nie wirklich mein großer Traum, möchte sie aber natürlich nicht missen da ich zur Zeit in der Lage bin so viele neue Leute, neue Umgebungen, Kulturen, Traditionen, neue Berge mit ihren besonderen Gegebenheiten kennenzulernen. Der „große Kick“ resultiert für mich nicht etwa nur aus meiner Linie die ich möglichst perfekt in den Hang ziehe, sondern aus dem „Drumherum“, den neuen Erfahrungen die ich mit Menschen und in der Natur mache. Dass ich diese Erfahrungen machen darf ist wirklich traumhaft.

Aline Bock Double Split

1. Was würdest Du bevorzugen wenn Du Dich in die Situation von einer "normalen" Snowboarderin begibst, einige gute Splitboard Touren oder einige erstklassige Freeriding Days im Skigebiet?

Meistens ist die Wahl meines Gebietes vom Wetter und den Schneebedingungen abhängig. Wenn es starkt schneit und man kaum etwas sehen kann liebe ich es in den Skigebieten steile Treeruns zu fahren. Splitboarding hat für mich etwas mit Training zu tun, alleine in der Natur zu sein, Kondition aufzubauen oder meinen inneren Schweinehund zu überwinden. Am Ende gibt es nichts Schöneres als einen schönen Aufstieg in der Sonne mit atemberaubender Bergsicht und der Vorfreude auf eine komplett unverspurte Abfahrt.

2. Als Snowboard-Pro, was ist Dir lieber, ein Tag Heliboarding oder ein Tag Splitboarding und warum?

Meiner Meinung nach kann man es nicht wirklich vergleichen, da es zwei sehr unterschiedliche Möglichkeiten sind um den Zugang zu unverspurtem Gelände zu bekommen. Beim Filmen ist es so viel einfacher sich in einen Helikopter zu setzten und 15 Minuten später stehst man schon auf dem Gipfel. Manchmal muß man seine Linie für die Kamera wählen damit es dann auch wirklich spektakulär aussieht. Es geht alles sehr schnell und hektisch vor sich und ich bin immer super nervös und angespannt. Splitboarding hat für mich nichts mit Geschwindigkeit zu tun, ich nehme mir Zeit für den Aufstieg, geniesse die Natur und die Ruhe - hoffend das kein Wetterumschwung kommt ;-). Ich schau mir meine Line im Aufstieg ganz genau an und gönne mir am Gipfel die Zeit etwas Energie für die Abfahrt zu tanken. Am besten mit Schokolade.

3. Wenn Du Dich in unbekanntes Gebiet begibst (Du kennst es nur von der Karte) wie gehst Du vor, um Dein Risiko möglichst gering zu halten? Zum Beispiel bei einer Überquerung von Nord nach Süd?

Mann muß sich über die aktuellen Verhältnisse, die Schneeschichten, den Wind in den vergangenden Tagen und die Wetteraussichten informieren bevor man entscheidet wo man letztendlich hingeht. Am Besten man macht sich das Internet zunutze und informiert sich bei Einheimischen Bergführern. Mein Rat hierzu ist : Geh niemals einfach so, Du riskierst Dein Leben und das ist es einfach nicht wert.

4. Wie maximierst Du Deine Risikobegrenzung und kannst trotzdem noch eindrucksvolle Lines fahren?

Ich denke, ich weiss meine Grenzen einzuschätzen. Ich schaue mir mögliche Auswege an und optimiere mein “Slough Management”. Ich nehme kein Risiko auf mich wenn ich mir eher unsicher bin. Ausserdem höre ich auf mein Bauchgefühl, meistens sagt es mir ganz genau wann es besser ist einen Rückzug zu machen oder eine andere Linie zu fahren. Aber wenn ich weiss das ich es machen kann, dann gebe ich Gas, das macht dann unglaublich viel Spaß!!!

5. Hast Du noch den ein oder anderen Tipp für Splitboard-Neulinge oder Fortgeschrittene im Aufstieg und bei der Abfahrt?

Ich würde Euch raten mit einfachen Abfahrten und lockeren Aufstiegen bei gutem Wetter zu beginnen. Es gibt nichts Deprimierenderes wie wenn Du deine Energie und Motivation bei einem anstrengenden Hike oder bei einer zu anspruchsvollen Abfahrt vergeudest. Es soll immer Spaß und Freude machen. Ach ja, nimm immer Deine Splitboard Harscheisen mit, denn damit bist Du bei Überraschungen auf der sicheren Seite.

6. Was für ein Board-Profil bevorzugst Du Rocker, Camber oder Hybrid?

Rocker... an Powdertagen!!! Camber, wenn die Verhältnisse mittelmäßig sind!

7. Wie würdest Du einen Splitboarding Tag mit Deinen Freunden in einem Satz beschreiben?

Unkontrollierter Spaß, aber nie vergessen, Safety first!!!

Aline Bock Split Spray

Danke Aline für das umfangreiche Interview und deine Motivation gleich dabei zu sein.


Riding Pics by Alex Papis / www.alexpapis.com

Sponsoren: Völkl, Dakine, Deeluxe, Ortovox, Jeewin, Marker, H.A.D.

Mehr über Aline auf: www.alinebock.de



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