21 May 2015      

Sizilien war diese Saison der "Place To Be", die besten Splitboard Touring Verhältnisse die der Ätna je gesehen hat. Michele Giraudo und Matteo waren da und haben uns einen beeindruckenden Tripreport geschickt.

Kaum hatten wir das Foto im Internet gesehen, war uns klar - da müssen wir hin. Die Aufnahme war vom 23. Februar und zeigte einen von Schneemassen zerstörten Skilift in Sizilien???!!! Wir fragten uns noch einmal ob wir wirklich los wollen, doch die Entscheidung war bereits mit dem ersten Blick auf das Foto klar. 5 Tage später geht es los. Ungläubig werden wir von den Mitreisenden beobachtet, als wir mit unseren Splitboards nach Catania einchecken. In Catania gelandet, befinden wir uns am Fuße eines riesigen Berges auf Sizilien, doch es ist nicht nur ein riesiger Berg, es ist der Fuß des Ätnas. Wie gesagt ist er der größte aktive Vulkan auf der Eurasischen Platte - mehr als 3300 Meter hoch und permanent aktiv. An seinen ruhigen Tagen steigt schwefeliger Qualm aus dem Krater empor und bei einer Eruption fliegt Asche und Rauch bis auf 9000 Meter in die Höhe.

Wir sind in den Alpen geboren und aufgewachsen und hatten bisher noch keinen Schnee ausserhalb der Alpen berührt oder gar mit dem Splitboard befahren. Der Ätna ist faszinierend, in Italien wird in der Schule vieles über seine Geschichte gelehrt, er ist das Symbol Siziliens. Unter seines Angesichts verstehen wir die Macht die von Ihm ausgeht, eine Macht der Ruhe und gleichzeitig der Bedrohung.

Wir haben wenig Zeit das Skigebiet zu besuchen doch ein paar Runden mit dem Lift wollen wir fahren um uns an den Schnee und die Verhältnisse zu gewöhnen. Trotzdem, unsere Mission - den Ätna mit dem Splitboard zu besteigen und zu befahren steht im Vordergrund. Das Glück ist auf unserer Seite, die Wettervorhersage verspricht kalte, sonnige Tage ohne Wind. Auf dem Weg haben wir mit ein paar Unannehmlichkeiten zu kämpfen, die Strasse zum Skigebiet Ätna Süd ist wegen der Schneemassen gesperrt und es gibt kein Durchkommen. Naja, wir sind in Italien, also haben wir nach kurzer Zeit einen Weg gefunden und gelangen zum Skigebiet. Eine Abfahrt gönnen wir uns, bevor es dann zu Fuß ins Tal der Löwen geht, hier bekommen wir den ersten wahren Eindruck des Ätnas.

etna von der ferne

Erst vor 12 Stunden hatte es aufgehört zu schneien, doch der Schnee ist bereits stark gesetzt. Er hat nichts mit dem Schnee zu tun den wir aus den Alpen kennen. Die hohe Luftfeuchtigkeit verfestigt den Schnee in kürzester Zeit, was sich positiv auf die Lawinengefahr auswirkt. Nach ein paar Metern Abfahrt im Ätna Backcountry, merken wir, dass der Schnee schnell und sehr einfach zu fahren ist. Wir ziehen die ersten Schwünge und die Aussicht auf das Tal der Löwen und das Tal des Ochsen erfüllt unsere Herzen! Was für ein Schauspiel - schon diese Abfahrt ist die Reise wert. Am Abend begeben wir uns auf die Suche nach den lokalen Delikatessen und natürlich dem Wein der Region. Nach einem leckeren Schmaus sind unsere Akkus für den kommenden Tag gefüllt. Gute Nacht!

So jetzt ist es soweit, wir können es kaum erwarten und fahren in das Skigebiet Ätna Nord, wo wir uns mit zwei Locals, Emma und Guido treffen. Mit Liftunterstützung geht es zu unserem Ausgangspunkt, jetzt werden die Splitboards in den Hike-Mode gebracht, die Felle aufgezogen und los geht es in spektakulärer Kulisse.

etna skigebiet

Vor uns der mächtige Ätna mit seinen unheimlich wirkenden Rauchschwaden und hinter uns die brennende Sonne Siziliens. Die Metamorphose des Schnees ist unglaublich, nach nur 24 Stunden ist er wirklich hart und kompakt. Es ist kalt und wir kommen schnell voran. Relativ einfach gelangen wir zum Gipfel, die Kulisse ist atemberaubend, wir umarmen uns und werfen einen Blick in den Krater. Wir lassen unseren Blick über das Mittelmeer schweifen, sehen die Äolischen Inseln, Catania und Taormina von oben. Am Gipfel des Ätnas ist es heiß, also blieb der Schnee nicht liegen, er wirkt wie ein weisses Band zwischen Rauchschwaden und einzigartiger Aussicht auf das bereits Beschriebene.

Unser Wunsch vom Gipfel des Ätnas (3343 M) abzufahren ist riesig und es gibt ja ein paar Schneeflecken die wir nutzen können. Also werden unsere Boards, trotz der Gefahr sie zu zerstören in den Ride-Mode gebracht und wir beginnen mit einer unfassbaren Abfahrt, vom Gipfel des Ätna. Gefühlt sind wir auf der Abfahrt Stunden unterwegs, es ist komplett unverspurt, wir halten immer wieder an um zu filmen und Fotos zu machen, klatschen ab und ja wir fühlen uns wie glückliche Kinder - WOW! Keinem Skifahrer oder Snowboarder sind wir begegnet. Zurück im Skiresort Ätna Nord wird unser Erlebnis gefeiert, wir trinken Bier und Wein in einer kleinen Bar im Tal der Ochsen und treffen die Caproni "Ziegen des Ätnas" eine Gruppe von "Eingeborenen" die immer in dieser Region unterwegs sind. Sie erzählen uns die Legenden dieser Abfahrt und dass sie im Schnitt alle 10 Jahre mit einer Länge von 2200 Metern möglich ist. Sie laden uns ein am nächsten Tag mit ihnen zu gehen. Voller Vorfreude werden noch ein paar Bier gekippt und der ein oder andere Wein verköstigt.

etna abfahrt

Am nächsten Morgen stehen wir um 5 Uhr auf und beobachten den Sonnenaufgang über dem Meer. Wir essen zwei leckere Cannoli zur Stärkung, gehen rüber zur Talstation des Ätna Nord Skiresorts und treffen uns mit der Caproni Crew. Nach dem Aufstieg zum Nord-Ost Krater ca. 3000 Meter Seehöhe tauchen wir ein in die traumhafte Abfahrt zum Tal der Ochsen. Das Tal der Ochsen ist ein Caldera, ca. einen Kilometer tief, fünf Kilometer breit mit einer Fläche von 37 km². Es ist eine Lavawüste, in unserem Fall gefüllt mit Schnee. Voller Glück fahren wir fröhlich schreiend hinunter, unvergleichbar!

Nach zwei Stunden Abfahrt scheinen wir uns in der endlosen Weite des Tal der Ochsen zu verlieren, doch Dank der Capronis finden wir immer wieder Stufen, die uns weitere Abfahrtsmeter bescheren. Nach unserer Rückkehr merken wir das wir insgesamt 1900 Meter über eine Strecke von 9,8 Kilometern aufgestiegen und 1100 Höhenmeter abgefahren sind und das alles in fantastischem Schnee.

Am Abend geht alles recht schnell, denn wir müssen unseren Flug zurück nach Piedmont erwischen. Noch können wir es nicht fassen, wir werden einige Tage brauchen um den vollen Umfang unseres Trips nach Sizilien zu begreifen. Die Locals sagten es waren die besten drei Tage der Saison und das Jahr 2015 war das bisher beste Jahr was sie je erlebten. Wir waren da, ob ihr es glaubt oder nicht, Giraudo Michele und Matteo Bollati.

 

Watch out for the full movie!!!  Thanks for your great contribution to splitboarding.eu