04 January 2016    

Über die Befriedigung der Berglust und die Suche nach Möglichkeiten bei Schneemangel. Drei motivierte Splitboarder die noch nie miteinander unterwegs waren.

Es ist der 31.12.2015 und unsere brennende Lust auf Splitboarding ist nicht mehr zu stoppen. Wir treffen uns morgens um 7.30 Uhr am Stubaier Gletscher um eine Splitboard Hochtour von Hütte zu Hütte in Angriff zu nehmen.
Die Lawinengefahr hält sich in Grenzen ;-), doch die Wettervorhersage ist mit maximal 4 Sonnenstunden und nachfolgender Eintrübung mit Schneefall eher mäßig. Nichts desto trotz machen wir uns, mit ca. 25kg Gepäck - ist ja Silvester und ganz so minimalistisch wollten wir nun auch nicht unterwegs sein - auf den Weg.  Ziel ist neues Gelände zu erkunden und unsere Bergwelt trotz bestehendem Schneemangel kennen zu lernen.

Der Sulzenauferner spaltig und schön

Sulzenauferner

Zunächst geht es gemütlich rauf zum Daunjoch, dann runter zum klassischen Auffellplatz des Zuckerhütls. Anfellen, Harscheisen dran und los geht’s. Zunächst gemächlich rauf zum bekannten Pfaffensattel. Von hier fahren wir, nachdem wir „umgebaut“ haben, über den bei dieser Schneelage erschreckend spaltigen, doch gleichzeitig wunderschönen Sulzenauferner, ab. Machen ein paar Fotos und genießen die Zeit am Berg. Unterhalb des Gletschers lassen wir die gewaltigen Berg- und Gletscherkulisse in Form einer riesigen Eishöhle auf uns wirken. Nach ein paar Minuten des Innehaltens, in denen man(n) sich ziemlich klein fühlte, heißt es sich auf den Aufstieg am Seil vorzubereiten, denn wir wollten unsere "Bergskills" mal wieder festigen.
Der Aufstieg ist angenehm und die Landschaft überrascht uns mit vielen wunderbaren Einblicken in die Welt der Stubaier Gletscher. Schließlich stehen wir vor dem letzten Aufschwung der uns von der Müllerhütte trennt. Naja, von Aufschwung kann nicht die Rede sein. Wir fragen uns, wie sollen wir diesen 100 Meter hohen, mit vereinzelten Altschneeresten durchsetzen und fast senkrechten Felsriegel, überwinden? Die Tatsache, dass es hier einen Felssturz gab und der Weg zur Hütte gesperrt und nicht mehr begehbar ist war uns bei der Planung nicht unter die Augen gekommen. Die aktuellste Auflage der DAV Karte 31/1 „Hochstubai“ wies diesen Aufstieg noch aus.
Nun gut, die Alternative über den Lübecker Weg erscheint uns in Anbetracht der Wettervorhersage und der vorgerückten Stunde etwas weit. Denn auch dort hätten wir zwei Felskämme überwinden müssen. Also nähern wir uns der vermeintlichen Schlüsselstelle an, diskutieren über die Aufstiegsvarianten und sind uns sehr schnell einig. "Durch diese Rinne muss er kommen." Hmm, steil, sehr steil, wenig Schnee, am besten „Sichern“ - wenn möglich, was kann im schlimmsten Fall passieren? Schaffen wir es bevor es dunkel wird? Hält das Wetter? Diese Fragen gehen durch unsere Köpfe und wir bereiten uns jeder mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt auf den Aufstieg vor.

Aufstieg Pfaffennieder am Seil

Aufstieg Pfaffennieder

Cool, wir können unsere Seilkenntnisse und Sicherungstechniken mal wieder in der Praxis einsetzen, sind unsere letzten Gedanken bevor wir mit dem Aufstieg beginnen. Aick macht den Anfang, baut uns einen schönen Stand und so kommen Danny und ich sicher nach oben. Jetzt wird es steiler! Mit einem fast schneefreien, sehr steilen Abschnitt, zieht die Rinne nach oben. Hier versuche ich mein Glück, überwinde die Schlüsselstelle, baue einen Standplatz und hole Danny nach. Mittlerweile ist es schon dämmerig geworden. Deshalb sichert Danny Aick und ich gehe weiter um unser Ziel die Müllerhütte, noch vor Einbruch der Dunkelheit zu sichten - was mir allerdings nicht gelingt. Das einzige was ich sehe, ist ein Windgenerator, der uns zumindest verrät, dass die Hütte ganz in der Nähe ist.
Nach einer Weile sind wir alle oben und gehen die letzten Meter zur Hütte. Dort angekommen, stellen wir voller Schrecken fest, dass bereits 6 Paar Ski vor der Hütte stehen. Kurz nachgerechnet „6 + 3 = 9“ – blöd, da ddie Müllerhütte ja nur für 6 Personen ausgelegt ist. Egal, zur nächsten Hütte wäre es in der Dämmerung nicht mehr möglich gewesen, also treten wir ein und werden, von den Tschechischen Skitourengehern nicht besonders freundlich empfangen. Nochmal egal, wir sind da, kochen unsere Kasspatzn und machen es uns so bequem wie möglich.
Die Nacht ist heiß, sehr heiß! Bei gefühlten und laut Thermometer, was in der Hütte hing, tatsächlichen 30° Celsius, hatte der Winterraum was von einer finnischen Sauna. Unsere Mitbewohner, die den kürzeren Weg zur Hütte nahmen, spielten Karten und soffen sich die Hucke voll. Na toll dachten wir, doch eigentlich nicht der Rede wert, denn wir sind zufrieden mit unserer Tour und freuen uns auf das kommende Jahr und die nächsten Tage.
0:00 Uhr - Hip Hip Hurra das Neue Jahr ist da, noch ein Foto und dann ab ins Bett, um am nächsten Morgen ausgeschlafen das angekündigte Sonnenfenster zu nutzen. Plan ist über den Pfaffengrat zurück ins Skigebiet zu gelangen - das Wetter sollte sich laut Wetterbericht nachfolgend weiter verschlechtern.

Silvester auf der Hütte

00:00 Uhr an der Müllerhütte

Es ist der 1.1.2016, voller Freude brechen wir bei strahlendem Sonnenschein auf, Richtung Pfaffengrat. Nach kurzer Zeit ziehen immer wieder Wolkenschwaden durch, doch wir kommen dem Grat näher und näher. Wie am gestrigen Abend kommen erneut Fragen auf. Das kann doch nicht der Weg sein über den wir etwas gelesen hatten? Zwei Stunden bestens markiert, nur wo sind die Markierung? Naja ist ja logisch, etwas mehr Schnee als im Sommer liegt eben doch und der Grat sieht mit 25kg Gepäck auf dem Rücken und reinziehenden "White-Out-Wolken" auch nicht so einladend aus. Nach 2-3 Stunden vergeblicher Suche des Einstiegs, beschließen wir den Abbruch dieser Mission, denn wie immer geht uns unsere Sicherheit vor. Was machen wir jetzt? Noch ein Tag auf der Müllerhütte oder Abstieg/Abfahrt auf dem Weg den wir schon kennen? Das Wetter sollte am Samstag den 2.01.16 noch schlechter werden, also entscheiden wir uns für den Rückzug.
Der Aufstieg war nicht einfach und bekanntlich ist der Abstieg ja nicht wirklich einfacher, trotzdem, wir kennen den Weg und klettern am Seil ab, bis wir nach der fast schneefreien Engstelle, den Rest der Rinne abfahren können. Super, jetzt haben wir auch unsere Fähigkeiten im Abstieg mit Seil und diesem nicht ganz leichten Rucksack auf dem Rücken, auf den Prüfstand gestellt.


Unser nächstes Ziel ist die Sulzenauhütte. Wir fahren über die Fernerstuben ab, bis wir die Höhe des Peiljochs erreichen. Jetzt müssen wir uns „nur“ noch, durch das felsig, kupierte Gelände bis zur Sulzenauhütte vortasten. Fein dachten wir, coole Action, lockere Abfahrt und nun geht es weiter zur nächsten Hütte. Wenn da die Gruppendynamik nicht wäre! Plötzlich sagt einer "Schaut mal, da oben gibt es einen Weg, der nächste sagt, da sind wir sicher schneller als hier durchs Gelände und der dritte sagt ok, dann gehen wir da rauf". Also gut! Mittlerweile spüren wir die Extrameter am Pfaff und auch die Klettereinlagen gestern und heute, haben ihre Spuren hinterlassen. Wieder einmal bricht die Dämmerung herein und wir hören das Knirschen und Knistern des Gletschers - WOW so bewusst hatte ich es noch nie wahrgenommen.
Wir finden einen Wegweiser --> eine Stunde bis zur Hütte - im Sommer! Ok auf geht’s den "schnellen" Weg entlang, bis wir feststellen, „uii der ist ja ziemlich ausgesetzt und voller Geröll“. Ein Ausrutscher und der erste Tag des neuen Jahres wäre der Letzte. Also nochmal Beratung! Klar, wir gehen auf Nummer Sicher, auch wenn es länger dauert und wir sicher wieder in die Dunkelheit kommen. Also wieder runter, einen von Aicks superleckeren homemade Powerbars eingeworfen und durch das felsige Gelände in der Talsohle kämpfen, da können wir nicht runterfallen.

Stirnlampen raus und Material klarmachen

Im Dunkeln ist gut munkeln

"OK, cool. Stirnlampen raus und auf gehts! Ist ja nur geradeaus und dann kommen wir schon irgendwann bei der Hütte an, passt". Nur im Dunkeln und zwischen gefrorenen Flüssen und Felsen durch den besten Weg suchend, ist geradeaus nicht das was wir normalerweise unter geradeaus verstehen. Immer wieder holen wir die Karte raus, suchen Wegmarkierungen und gehen uns gegenseitig motivierend durch das unwegsame Gelände. Splitboards anziehen, ausziehen, splitten, gehen usw. So sind wir gefühlt, ein paar Stunden unterwegs, bis wir endlich die Hütte erreichen. Diesmal alleine mit 10 freien Betten - Strike.

Jetzt entspannt etwas kochen und unseren Flüssigkeitshaushalt wieder in Schwung bringen. Wecker? Nein, schlafen bis wir aufwachen und dann gemütlich runter zur nächsten Hütte.
Am Morgen entpuppt sich der Abstieg über den Wilde Wasser Weg als weitere Trainingseinheit zum Gehen mit Steigeisen. Denn fast der ganze Weg ist vereist. Wir freuen uns darüber, so können wir uns doch nochmal an das Gehen mit Steigeisen gewöhnen und somit noch mehr Sicherheit erlangen.


Am Nachmittag erreichen wir dann die gemütliche Grawaalm am Rande der Gletscherstrasse. Wir speisen Ausgiebig, gönnen uns ein paar Getränke und schnappen uns den Bus hinauf zum Gletscherparkplatz.
Das wars, wir danken uns gegenseitig für das tolle Erlebnis unserer "Genußtouren-Tage" und planen schon weitere Schandtaten in der Welt der Berge.

Auf der Grawaalm

Ein Prosit auf der Grawaalm
 

Fazit: Ein Wochenende voller unvergesslicher Eindrücke in der unfassbaren Gletscherwelt, kombiniert mit Aspekten der Sicherheit, der Gruppendynamik und des Wetters - als wichtige Faktoren für Entscheidungen auf Splitboard Touren.
Und warum tun wir das? Weil wir es lieben!


Ein Dankeschön geht an folgende Firmen für die Bereitstellung von hervorragendem Equipment: Amplid, Deeluxe, Fitwell, Kohla, Pieps, Plum, Rossignol, Spark R&D, Vaude, Venture und Völkl.


PS. Wir haben im Freeride Center Stubai einen kleinen aber feinen Splitboardverleih.