30 April 2015      

Die Lofoten werden als Ziel für Splitboard- und Skitouren immer beliebter. Auch wenn die Gipfel gerade mal die 1000 Meter Marke überschreiten, so ist das Gelände doch anspruchsvoll und vor Allem wunderschön. Da der Start meist auf Meeresniveau erfolgt und unzählige Gipfel dicht aneinander stehen, kommen auch ordentlich Höhenmeter zusammen.

Starten wir am Anfang – die Idee zu einem Splitboardtrip nach Norwegen geisterte schon lange durch meinen Kopf. Durch Zufall sprach ich mit meinem Kollegen Benno darüber, der vor ein paar Jahren schon einmal auf den Lofoten war, um dort Touren zu gehen. Er war von Land, Bergen und Meer so begeistert, dass er gerne noch einmal die Reise über den Polarkreis hinaus machen wollte. Wir stimmten mögliche Termine ab und setzten uns daran Flüge, Mietwagen und Unterkünfte zu organisieren. Schnell fand sich unsere achtköpfige Gruppe aus alten Freunden, Bergrettunskameraden und Arbeitskollegen zusammen.

Ein halbes Jahr später ging es los. Der Hinflug von München über Oslo lief reibungslos trotz der riesigen Gepäcksmenge, die dann auch in den Mietwägen Platz fand. Als wir vom Zielflughafen Evenes am Fuße der Lofoten losfuhren, war es auch schon Nacht. Eine sternenklare Nacht wie bemerkt sei.
Auf halbem Weg zu unserer Unterkunft in Henningsvaer leuchtete neben den Sternen noch etwas anderes. Was zuerst wie die Lichter einer Stadt hinter den Bergen schien, wuchs sich zu einer tanzenden Formation von weiss-grünlich leuchtenden Nordlichtern aus. Wir blieben mit beiden Autos am Straßenrand stehen, stiegen aus und bestaunten mit offenem Mund das Spektakel. Nach einer Zeit fuhren wir weiter und nach Ankunft in unserem Appartement direkt am Meer, konnten wir wiederum das beeindruckende Naturschauspiel genießen. Diesmal direkt von unserem Balkon aus und mit Stativ und Kamera bewaffnet.

Nach der beeindruckenden Ankunft mitten in der Nacht galt es am nächsten Tag sich zu orientieren, Verpflegung zu kaufen und das Material für die Touren vorzubereiten.

Um mit den Skitourengehern im Aufstieg mithalten zu können, hatte ich mich entschlossen auf mein bewährtes Goodboards Splitboard vom Ammersee die Phantom Hardboot Bindung aus den USA zu montieren, um mit meinen Dynafit Skitourenstiefeln unterwegs zu sein. Das Setup versprach mir präzises Steigen und guten Halt bei Querungen im Aufstieg und durch perfektes Abstimmen von Boot, Bindung und Brett auch ein feines Snowsurffeeling in der Abfahrt. Beides würde sich bei den kommenden Touren glücklicherweise bewahrheiten.

Wir machten uns tags darauf also früh auf um die ersten Gipfel in Angriff zu nehmen. Wir parkten im Ort Kabelvag nahe einer Schule und glitten erst mal eine gute halbe Stunde der Langlaufloipe entlang zum Fuß des Anstiegs. Im unteren Bereich ging es durch feuchten aber nicht zu schweren Schnee durch Büsche nach oben und schnell erreichten wir die Vegetationsgrenze. Von dort an wechseln geschwungene Rücken mit schroffen Felsformationen und geleitet von unseren drei erfahrenen Bergfüchsen Jürgen, Berthold und Sedi bahnte sich die Gruppe mit Benno, Lucas, Heinrich, Martin und mir den Weg zum Gipfel des Varden (700Meter über dem Meer). Der Ausblick über die verschneiten Berggipfel hinunter in die enormen Fjordlandschaften der Lofoten war traumhaft. Die Berge mitten im Meer ließen uns acht Männlein verschwindend klein aussehen. Ich zog mir etwas Warmes über, packte meine Phantom Bindungselemente aus dem Rucksack baute mein Goodboards Splitboard zusammen.

Auch wenn der Wind den Schnee durchaus etwas beeinträchtigt hatte, war die Abfahrt bis zu einem Rücken auf halber Höhe ein einziger Genuss. Dort fellten wir wieder auf und nahmen den nahegelegenen Gipfel des Spisstind (662 über dem Meer) in Angriff um das doch gute Wetter ordentlich zu nutzen. Den Aufstieg wählten wir über die abgewehte Westseite, wo ich bei der einen oder anderen eisigen Stelle froh über den seitlichen Support meiner Dynafit Hardboots war. Nach der zweiten Gipfelankunft düsten wir wieder Richtung Tal und kamen am Ende in eine Militärzone. Von dort aus brachten wir wieder den langen Ziehweg entlang der Langlaufloipe Richtung Auto hinter uns.

Geschafft und zufrieden kamen wir am Nachmittag ohne andere Tourengeher gesehen zu haben im Appartement an und gönnten uns ein lokales Öl – also ein Leichtbier. Zur Feier des guten Tourentages besuchten wir noch das Kletterkaffee in Haenningsvaer, welches an diesem Abend gut besucht war. Da trafen wir eine Gruppe Österreicher, die ihren letzten Abend in Norwegen verbrachten. Die netten Kärntner erzählten von ihrer Tourenwoche und schwärmten dabei vom Geitgaljetind und der Abfahrt im dortigen South Gully. Grund genug für uns diese Tour für den nächsten Tag ins Auge zu fassen.

Da für die darauffolgenden Tage Schneefall angesagt war, entschlossen wir uns tatsächlich für den zähen Aufstieg zum Geitgaljetind (1085m) und die Abfahrt durch den South Gully. Wir wollten diese Traumtour noch bei halbwegs gutem Wetter machen, bevor diese Rinne durch Neuschnee gefährlicher wird. Einige Wolken und Nebelfelder zogen zwar durch, aber die Bedingungen waren durchaus fein an diesem Tag.

Wir fuhren also mit beiden Autos los um einen Wagen näher an den Ankunftspunkt zu Parken. Mit dem Zweiten fuhren wir zum Einstieg in Liland zurück.
Im unteren Bereich war der Schnee ziemlich nass und da dort auch nicht all zu viel davon lag, mussten wir über eine steile Seitenflanke ausweichen. Die Verhältnisse erforderten präzises Steigen und wir waren froh nach vielen Querungen wieder in offeneres Gelände oberhalb der Vegetationsgrenze zu kommen. Von dort war der Blick über den Austnes Fjord hinüber zu den Gipfeln rund um den Kvittinden wieder eine Augenweide. Nach einigen Kuppen und einer schönen Querung über einen Felsrücken näherten wir uns dem Einstieg zum South Gully. Jürgen, Sedi und Berthold gingen gleich noch den Gipfel an, während wir uns für die Steilabfahrt in der Rinne bereit machten.

Als sich eine Gruppe näherte, beschloss ich gleich in den Gully einzufahren. Auf den ersten Metern war die Sicht noch ziemlich schlecht und ich konnte kaum erkennen wie steil die Rinne wohl hinunter gehen würde. Doch von einem Moment auf den Anderen war ich durch den Nebelfetzen durch und sah wie sich der South Gully in gleichmäßigem Gefälle Richtung Austpollen Fjord neigte. Ich genoss die schnellen Turns zwischen den Felswänden und wartete erst nach dem Rinnenausgang auf  Benno und die anderen Jungs, die nach und nach mit einem Grinsen im Gesicht eintrafen.
Zusammen feierten wir noch einige feine Schwünge bis der Schnee immer schwere und weniger wurde. Durch Büsche, über Steine und in einem Bachbeet mit vereisten Kanten kämpften wir uns Richtung Meer. An einigen Stellen musste ich mein Board abschnallen, aber die letzten Meter bis hin zum Fjord glitt ich wieder seitwärts stehend auf meinem Goodboard! Traumhaft!

Im Anschluss hikten wir eine knappe Stunde am Fjord entlang bis zum Auto. Mit dem Blick auf den gewaltigen Geitgaljetind und dem Meer zu unseren Füßen erschien die lange Strecke kurz. Am Weg zurück ins Appartement in Haenningsvaer machten wir noch einige Stopps um zu fotografieren und den tollen Tourentag Revue passieren zu lassen.

Die angekündigte Schneefront traf tags darauf wirklich ein und so gingen wir keine Tour sondern besuchten in Svolvaer, der Hauptstadt der Lofoten, die Kabejau-Fisch-Weltmeisterschaft. Viele Schiffe, jede Menge Fisch und gute Stimmung prägten dieses Event. Während die Skicrew gleich am nächsten Tag trotz wechselnder Wetterbedingungen wieder auf Tour ging, gönnte ich mir noch einen Ruhetag. Ich fuhr bis zum Ende der ausgebauten Straßen und verschaffte mir einen Eindruck über die ganze Inselgruppe und die Schneeverhältnisse im Süden der Lofoten.

Mit frischen Kräften und bei strahlendem Sonnenschein ging es dann wieder auf Tour. Für diesen Tag standen der Torskmannen (755m) und der Breidtinden (818m) an.

Wir parkten morgens bei einem Kraftwerk und stiegen wieder durch Büsche und Sträucher nach oben. Als wir den Rücken erreichten standen zu unserer Rechten der Breidtinden und zu unserer Linken der Torskmannen in märchenhaftem Licht. Der Weg zum Gipfel des Breidtinden war in den tollen Schneebedingungen nicht schwierig und nur die Querung auf den Gipfel erforderte etwas mehr Geschick. Der Rundumblick von oben war wieder beeindruckend und nach dem Abfellen und Umbauen wartete die Pulverabfahrt. Wieder am Rücken angekommen sahen wir zwei Gruppen von Tourengehern, die nun auch hier unterwegs waren. Abermals wunderten wir uns, wieso die geführten Touren auf den Lofoten immer so spät starten. Nichts desto trotz machten wir uns wieder an dem Aufstieg, diesmal eben zum Torskmannen. Auch hier lief der Aufstieg reibungslos und am Grat neben dem Gipfel warteten wir zusammen und bereiteten alles für die Abfahrt Richtung Kraftwerk vor. Bei jedem Turn lachte uns der Bredtinden von der einen Seite und der Vestpolltjorna Fjord von der anderen Seite entgegen – einfach lässig!

Beim Auto angekommen standen plötzlich 5 andere Kleinbusse rund um unseren, aber wir konnten zufrieden Richtung Appartement aufbrechen, ohne uns über etwaige Kolonnen-Touren Sorgen machen zu müssen.

Dieses einsame Touren Glück schienen wir tags darauf nicht zu haben. Wir parkten nicht unweit des Örtchens Laupstad. Nur standen diesmal schon einige Autos, die wir tags davor bei der Rückkehr gesehen hatten, schon am Ausgangspunkt zur Tour auf den Pilan (828m).

Wir stressten uns dennoch nicht und gingen den Spuren nach in den Nebel hinein. Wieder durchstiegen wir buschiges Gelände und kamen auf ein Plateau. Dort gingen jedoch alle Spuren nach Osten Richtung Sautinden (596m) und wir sahen mindestens 20 Tourengeher auf den Weg zu diesem kleineren Gipfel. Wir blieben da natürlich bei unserem Plan und stiegen Richtung Westen zum Pilan auf. Jürgen legte uns eine nahezu perfekte Gerade über das kupierte Gelände bis zum Fuß des Gipfels. Aufgrund des starken Windes und der fehlenden Sicht blieben wir an der Scharte knapp unter dem Pilan, verstauten die Felle und düsten ins Tal hinab. Einige der anderen Tourengeher waren nun auch auf dem Weg zum Pilan, schienen jedoch über die pfeilgerade Spur nicht allzu glücklich zu sein.

Wir fuhren derweilen wieder Richtung Hennigsvaer und stoppten am Weg zum Appartement wieder in Svolvaer für die letzten Einkäufe Es war ja unser letzter Abend auf den Lofoten! Wir packten also schon unsere Sachen zusammen bevor wir noch einmal zum Kletterkaffee gingen. Dieses Mal waren wir die Einzigen Gäste dort. Nichts desto trotz schmeckte unser Abschiedsgetränk.

Der letzte Tag war also angebrochen. Das ganze Gepäck war gut in den Autos verstaut und wir fuhren los Richtung Nordosten, zurück Richtung Flughafen Evenes. Auf halbem Wege hatten wir bei der Hinfahrt in der Dunkelheit ein paar Skispuren gesehen und wir nutzten die gute Sicht an diesem Tag um genau diesen Berg genauer anzusehen.

Kurzentschlossen packten wir ein letztes Mal die Tourensachen aus und machten uns auf den Weg zu einem Gipfel, dessen Namen wir erst später herausfinden würden, da diese Gegend auch nicht mehr auf unseren Karten verzeichnet war. Wir starteten von einer Kontrollstelle für LKWs direkt neben der Hauptstraße los. Im unteren bewaldeten Teil lagen an die 30cm Pulverschnee. Je höher wir kamen, desto mehr lichtete sich auch der Nebel und die Sonne blitze zwischen den Wolken durch.  Als wir das Plateau erreichten, wo wir den Gipfel erahnt hatten, türmte sich dahinter gleich noch eine Erhebung auf und als wir diese erklommen hatten, sahen wir gleich den nächsten Anstieg.

Letztendlich standen wir dann oben am Gullesfjordfjellet (835 m) und freuten uns über eine wirklich lässige letzte Lofoten Tour. Ich baute also mein Goodboard nochmal zusammen, steckte die Phantom Bindungsteile in den Rucksack und surfte bei wechselnder Sicht durch den feinen Pulver hinab zur Straße und unseren Autos.

Der Heimweg verlief dann so reibungslos wie die Anreise, wie eigentlich die ganze tolle Reise. Wir schliefen nahe des Flughafens, checkten das ganze Gepäck ein und konnten es nach unserem Zwischenstopp in Oslo am Flughafen München komplett und unbeschädigt entgegen nehmen. Zum Abschluss gönnten wir uns ein Abschiedsessen in einem typisch bayrischen Wirtshaus – danke Lucas für die Einladung!

Danke auch an das ganze Team – es waren wunderbare Touren zwischen Meer und Himmel! Lofoten – wir kommen wieder.

 

Vielen Dank Pez für diesen informativen und inspirierenden Bericht aus Norwegen.
Unser Autor Peter Radacher ist in Mühlbach am Hochkönig zu Hause, genauer gesagt im Naturschneeskigebiet Livingroom Hochkönig. Dort befindet sich auch sein Snowboardmuseum, u.a. mit interessanten Splitboard Exponaten.

www.livingroom-hochönig.at

 



 Kommentare

  • 21. Oktober 2015 - 12:20 Zum Kommentieren anmelden oder registrieren.
    Lofoten

    Been there, done that in April 2014 with Vertical Adventures Slovenia!! Amazing landscape, amazing snow. It was superb! Just like Arnie (the terminator) - I'll be back :D