Nachdem Du die allgemeine Wetter und Lawinenlage gecheckt hast kannst Du jetzt mit der Planung einer konkreten Splitboard /Skitour loslegen. Beachte die Faktoren Höhendifferenz, Gehzeit und das Schwierigkeitslevel und plane für Dich und Deine Freunde Reserven für Entdeckungen und Unvorhergesehens ein. Wir wünschen Euch im Splitboard / Skitouren Sport viel Spaß und sichere Touren.

Unsere Tips und Hinweise zur Planung einer gelungen Tour gliedern sich in:


Ski(Splitboard)-fahrerische Bewertung der Standardroute nach SAC:

Die Schwierigkeitslevels sind mit entsprechenden Touren aus unserer Tourendatenbank verlinkt. So bekommt Ihr eine gute Vorstellung zur Einstufung und den Anforderungen.
Im Folgenden gibt es weitere Informationen zur Tourenplanung bitte macht Euch unbedingt auch mit der "Stop or Go" Methode vom Österreichischen Alpenverein vertraut.

GradSteilheitAusgesetzte StellenGeländeform Aufstieg/AbfahrtEngpässe in der Abfahrt

L
(+)

bis 30°keine Ausrutschgefahr

weich, hüglig, glatter Untergrund

keine Engpässe

 

WS
(- +)
ab 30°kürzere Rutschwege sanft auslaufend

überwiegend offene Hänge mit kurzen Steilstufen. Hindernisse mit Ausweichmöglichkeiten (Spitzkehren nötig)

Engpässe kurz und wenig steil

ZS
(- +)
ab 35°längere Rutschwege mit Bremsmöglichkeiten (Verletzungsgefahr)

 

kurze Steilstufen ohne Ausweichmöglichkeiten, Hindernisse in mässig steilem Gelände erfordern gute Reaktion (sichere Spitzkehren nötig)

Engpässe kurz, aber steil

S
(- +)
ab 40°

lange Rutschwege, teilweise in Steilstufen abbrechend (Lebensgefahr)

Steilhänge ohne Ausweichmöglichkeiten. Viele Hindernissen erfordern eine ausgereifte und sichere Fahrtechnik

Engpässe lang und steil. Kurzschwingen für Könner noch möglich

SS
(- +)

ab 45°

Rutschwege in Steilstufen abbrechend (Lebensgefahr)

allgemein sehr anhaltend steiles Gelände. Oft mit Felsstufen durchsetzt. Viele Hindernissen in kurzer Folge

Engpässe lang und sehr steil. Abrutschen und Quersprünge nötig

AS
(- +)

ab 50°

äusserst ausgesetzt

äusserst steile Flanken oder Couloirs. Keine Erholungsmöglichkeit in der Abfahrt

Engpässe lang und sehr steil, mit Stufen durchsetzt, nur Quersprünge und Abrutschen möglich

EX
(-)
ab 55°

extrem ausgesetzt

extreme Steilwände und Couloirs

evtl. Abseilen über Felsstufen nötig

Alpintechnische Schwierigkeiten (z.B. Fußanstiege zum Gipfel, Kletterpartien) werden im Textteil beschrieben. Für Kletterstellen wird dabei die UIAA-Skala verwendet.

O.K.
Du hast in unseren Vorschlägen eine Tour gefunden die Dir gefällt.
Die notwendigsten Infos zur weiteren Tourenplanung findest Du passend zur Tour direkt auf unseren Tourenseiten. Checke Wetter, Lawinengefahr und wo vorhanden, die Hangneigungskarte. Die Tourenkarte gibt Dir einen groben Anhaltspunkt zum Routenverlauf, der natürlich bedingt durch Situation/Saison auch mal deutlich abweichen kann. Schau Dir die Route auf jeden Fall auch in Deiner eigenen topographischen Karte an...
...und zur Not eine Alternativtour im Kopf zu haben, ist auch nie verkehrt.


STOP OR GO, Methode zum strategischen Handeln auf Tour (Reduktion des Lawinen-Risikos).

"Stop or Go" ist geballtes Wissen im Risikomanagement im Bereich Schnee- und Lawinenkunde. Dieses Wissen ist in der "Stop or Go" Methode auf einem kleinen Kärtchen (Siehe Abbildung) dargestellt, um es für den Nutzer klar und übersichtlich zu präsentieren.

Strategisches Handeln auf Tour, sei es Splitboard- oder Skitour wird mit dieser Methode vereinfacht.

Stop or Go Methode zur Risikobegrenzung auf Touren, Splitboard, Skitouren, Schneeschuhe

1. Entscheidungsstrategie mit Limit-Empfehlungen (Check 1) und der Bewertung von Gefahrenzeichen (Check 2)
2. Standardmaßnahmen für die Planung und das Gelände Check 1 verknüpft (analog zur elementaren Reduktionsmethode von W. Munter) die Gefahrenstufe mit der Hangneigung. Die Gefahrenstufe des Lawinenlageberichts bildet also eine wichtige Eingangsgröße.

Geltungsbereich Stufe 3: Im gesamten Hang bleibt man unter 35° (hier: „Stop“)

Bei Lawinengefahrenstufe 3 ist eine Lawinenauslösung bereits bei geringer Zusatzbelastung möglich. Achtung: Tourenmöglichkeiten sind eingeschränkt!

Die Schneedecke ist an vielen Steilhängen nur mäßig bis schwach verfestigt. Eine Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung (z.B. ein Splitboard Fahrer, Skifahrer,...) vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich. Fallweise sind spontan einige mittlere, vereinzelt aber auch große Lawinen möglich. Splitboard Touren erfordern lawinenkundliches Beurteilungsvermögen. Tourenmöglichkeiten sind eingeschränkt!
Der Lawinengefahrenstufe 3 ist ein mittleres Gefahrenpotential von 8 zugeordnet - Stufe 3 ist also doppelt so gefährlich wie Stufe 2 (Gefahrenpotential 4).

Als Merkmale für Stufe 3 sind unter anderem das Auftreten von Rissen und Setzungsgeräuschen anzusehen.

Achtung:
Bei Stufe 3 müssen wir mit Fernauslösungen rechnen. Das bedeutet, dass wir auch aus weniger steilem Gelände Schneebrettlawinen auslösen können. Bei unseren Limit-Empfehlungen für diese Gefahrenstufe ist daher der gesamte Hang zu berücksichtigen. Bei Stufe 3 bleiben wir unter 35° Hangneigung. Es gilt der ganze Hang!

Der Geltungsbereich bei Stufe 3 erstreckt sich auf den gesamten Hang. Dies bedeutet, dass die steilste Stelle in einem Hang unter 35° sein muss. Diese starke Einschränkung ist notwendig, da Lawinen schon bei geringer Zusatzbelastung (ein einzelner Splitboarder, Snowboarder, Schneeschuhwanderer) und auch aus mäßig steilem Gelände (unter 30°) ausgelöst werden können.

Achtung:
Die meisten Lawinenunfälle passieren bei Stufe 3. Unbedingt sind die Standardmaßnahmen einzuhalten: Entlastungsabstände im Aufstieg, günstige Geländeformen nützen und ggf. auch Einzelfahren. 


Hangneigung messen Ziel: die Schätzgenauigkeit im Gelände erhöhen

Wiederholtes Messen der Hangneigung steigert die Schätzgenauigkeit.

Um zu möglichst guten Schätzwerten zu kommen, ist es notwendig, das Bestimmen der Hangneigungen zu üben. Dazu schätzt man zuerst eine Hangsteilheit und prüft diese dann anhand der „Pendelmethode“ oder mittels Neigungsmessung nach (natürlich nur dort, wo dies gefahrlos möglich ist!).

Schon von Anfang an ist großer Wert auf das Bilden von Neigungsklassen zu legen:

  • Klasse: kleiner 30°
  • Klasse: 30° bis 34°
  • Klasse: 35° bis 39°
  • Klasse: 40° und mehr.

Der Schätzbereich bezieht sich jeweils auf eine Fläche von 10 m x 10 m. Als Anhaltspunkt kann angenommen werden, dass felsdurchsetzte Steilhänge mind. 40° und Spitzkehrengelände mind. 30° steil sind.

Die Pendelmethode: Man legt den Skistock in den Schnee und macht einen Abdruck. Dann stellt man ihn mit der Spitze zum oberen Ende des Abdrucks und lässt den zweiten Stock senkrecht nach unten pendeln. Wird dabei das Ende des Griffabdrucks erreicht, ist der Hang 30° steil. Pro 10 cm Abweichung ist der Hang 3° steiler oder flacher.


Frischer Triebschnee? Gefährlich für mich?

Frischer Triebschnee ist weich aber gebunden und sehr störanfällig!

„Der Wind ist der Baumeister der Lawinen!“ Vom Wind verfrachteter Schnee wird in der Leeseite (Windschatten) als Triebschnee abgelagert. Doppelte Windgeschwindigkeit führt dabei zu 8-facher Menge an verfrachtetem Schnee. Triebschnee hat die charakteristische Eigenschaft, dass er weich aber gebunden ist. Es können sich daher Spannungen aufbauen und gefährliche Schneebretter bilden. Da in den Bergen fast immer mit Wind zu rechnen ist, entstehen die größten Triebschneeansammlungen während oder kurz nach einer Schneefallperiode. Zu beachten ist, dass Rinnen und Mulden in allen Expositionen mit Triebschnee gefüllt sein können. Wichtige Fragen im Zusammenhang mit Triebschnee sind: Wie frisch ist der Triebschnee? Je frischer, desto gefährlicher! Wie viel Triebschnee liegt im Hang? Je mehr, desto gefährlicher! Wie sieht die Altschneedecke aus? Altschneedecke hart und glatt oder Oberflächenreif sind ungünstig! Achtung: Frischer Triebschnee stellt für uns die größte Gefährdung dar. Die Frage “Frischer Triebschnee - Gefährlich für mich?” ist daher die wichtigste innerhalb des Check 2!

Frischer Triebschnee lässt sich beim Spuren durch scharfkantige Spurränder, Risse und stumpfen Widerstand feststellen.

Triebschnee ist „weich aber gebunden“. Gerade beim „Spuren“ im Aufstieg lässt sich dies oft feststellen. “Weich” bedeutet, Triebschnee kann leicht mit lockerem Pulverschnee verwechselt werden. “Gebunden” heißt, dass Spannungen übertragen werden können und Triebschnee somit “schneebrettfähig” ist.

Direkte Hinweise auf Triebschnee sind:

  • Risse in der Schneedecke, oft neben der Spur bzw. von der Spur ausgehend.
  • Scharfkantige Spurenränder, obwohl der Schnee “weich“ ist.
  • Matter Glanz der Schneeoberfläche (kein Glitzern) bzw. vom Wind bearbeitete Schneeoberfläche.
  • Stumpfer Widerstand beim Spuren oder Befahren. 

Um einen Eindruck von den Verhältnissen zu bekommen, sollte man immer wieder einmal aus der vorhandenen Spur gehen und selber ein Stück im Tiefschnee spuren.


Standardmaßnahmen Gelände: Klare Handlungsanweisungen für Aufstieg und Abfahrt

Standardmaßnahmen im Gelände verringern unser Risiko. Die meisten davon sind rasch erlernt und einfach anzuwenden.

Die Standardmaßnahmen im Gelände umfassen 7 Punkte  (Siehe Abbildung Stop or Go Karte, Check 1 und Check 2). Das Wesen der Standardmaßnahmen ist, dass sie stets durchgeführt werden - egal wie gut oder schlecht die momentanen Bedingungen sind. In jedem Fall wirken die Standardmaßnahmen „risikominimierend“ ohne tatsächlich einschränkend zu sein.

Die Einhaltung der Standardmaßnahmen wirkt sich häufig nicht nur positiv auf die „Sicherheit“, sondern auch auf den Komfort und den Genuss auf Skitour aus.


LVS-Check am Ausgangspunkt

Der LVS-Check ist am Beginn jeder Tour durchzuführen!

Zu Beginn jeder Splitboardtour wird vor dem LVS-Check noch ein kurzer Ausrüstungscheck durchgeführt. Dabei soll sichergestellt werden, dass alle Gruppenmitglieder LVS-Gerät, Schaufel und Sonde mit dabei haben und dass Handys, Biwaksäcke und Erste Hilfe Ausrüstung in ausreichender Menge in der Gruppe dabei sind. Auch an andere sicherheitsrelevante Ausrüstungsgegenstände kann in diesem Zusammenhang erinnert werden (Sonnenbrille, Kälteschutz).

  • LVS-Check „Empfang“: Alle TeilnehmerInnen schalten das LVS-Gerät „Aus“. Der „Kontrolleur“ schaltet sein LVS-Gerät auf „Senden“. Einzeln schalten nacheinander alle Teilnehmer ihr LVS-Gerät auf „Empfang“, checken ob der Empfang funktioniert und schalten dann wieder auf „Senden“. Anschließend wird das LVS- Gerät am Körper versorgt.
  • LVS-Check „Senden“: Nachdem die LVS-Geräte der TeilnehmerInnen auf „Empfang“ geprüft wurden, geht der „Kontrolleur“ ein Stück (20 m) voraus, schaltet sein LVS-Gerät auf “Empfang“ und lässt die Teilnehmer einzeln - im Abstand von 10 m - vorbeigehen. Dabei kontrolliert er, ob die Geräte der Gruppe senden. Danach stellt auch der Kontrolleur sein Gerät auf „Senden“ und verstaut es am Körper.

Faktor Mensch und Gruppe: Tempo, Pausen, Gruppendynamik

Richtige Tempowahl und eine gute Pausengestaltung sind ebenso wichtig wie die Beachtung gruppendynamischer Prozesse.

Leicht nachzuvollziehende Aspekte dieses Themenbereichs betreffen das Tempo (besonderes das Starttempo) und die Pausengestaltung. Beides orientiert sich klarerweise an den schwächsten TeilnehmerInnen. Hinzu kommen gruppendynamische Prozesse, die immer und in jeder Gruppe stattfinden! Es ist von sehr großer Bedeutung, auch für diesen Bereich zu sensibilisieren. Ein besonders unfallrelevanter Prozess ist jener der „verstärkenden Rückkopplung“. Dabei werden die Grenzen (z.B. die Steilheit der Hänge) ständig hinaufgeschraubt, bis es schließlich zu einem Unfall kommt. Dies passiert insofern recht leicht, da man im Gelände nur sehr selten eine direkte Rückmeldung darüber bekommt, wie nahe man am Limit war.

Andere, unter Umständen gefährliche Phänomene sind:

  • Verantwortungsdelegation (jeder geht davon aus, dass ein “anderer” die Verantwortung trägt)
  • Konformitätsdruck (der Druck bzw. der starke Wunsch seine eigene Meinung jener der Mehrheit anzupassen)
  • falsches Sicherheitsgefühl durch (große) Gruppe
  • übertriebener Ehrgeiz und Wettbewerb.

Durch die Anwendung von Stop or Go kann das Risiko einer Lawinenauslösung deutlich verringert werden.

Zusammengefasst ist festzuhalten, dass Stop or Go aus den Standardmaßnahmen in den Bereichen Planung und Gelände besteht, Limits in Abhängigkeit der Lawinengefahrenstufe vorgibt und diese gemeinsam mit Elementen der klassischen Beurteilung in eine Entscheidungsstrategie integriert.

Wahrnehmen - Beurteilen - Handeln lautet dabei der vorgegebene Weg. Das auf den ersten Blick recht simpel erscheinende Kärtchen darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die einzelnen Inhalte mitunter sehr anspruchsvoll sind und die Umsetzung von Stop or Go erlernt und immer wieder geübt werden muss.

Nur durch eine intensive Auseinandersetzung in Praxis und Theorie kann Stop or Go auch tatsächlich das Risiko einer Lawinenverschüttung senken.

Nichts desto trotz ist Stop or Go ein in der Praxis bewährtes und fachlich fundiertes Instrument zur Vermeidung von Lawinenunfällen, das nicht nur das Risiko senkt, sondern gleichzeitig auch den Genuss auf Touren steigert.
Quelle: OEAV, Österreichischer Alpenverein


GPS-Geräte in der Tourenplanung

Mitlerweile benutzen immer mehr Tourengeher GPS-Geräte oder Mobile-Apps für die Tourenplanung.

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