13 March 2017    

Splitboarding mit Jeremy und der Jonescrew auf der Dachsteinrunde. Viel gemütliches hiken lies viel Zeit für interessante Unterhaltungen und wir nutzen die Chance mit Jeremy über Höhensplitboarden, den Klimawandel und die Entwicklungen in der Splitboardbranche zu sprechen.

Mit von der Partie waren verschiedene Jones Shoppartner aus ganz Europa, allesamt hervorragende Snowboarder und nur bei den ersten Spitzkehren erkannte man darunter noch ein, zwei Splitboardneulinge. Als Quartier für diese Splitboard-Hüttengaudi diente uns die ausichtsreich über dem Dachsteinplateau thronende Krippenstein-Lodge, bekannt als der Freeride Hotspot im oberösterreichischen Salzkammergut.

Zwischen dem Rummel der Outdoor-Messen wurde hier in entspannter Atmosphäre eine Menge über die Snowboard und Splitboard Branche philosophiert, Erlebnisse und Erfahrungen ausgetauscht, neue Bekanntschaften geschlossen und alte vertieft. Im Grunde ging es darum zusammen am Berg zu sein und eine fantastische Zeit zu erleben.

Jeremy Jones Ispo Split Overview 01

Eine einzigartig eigenartige Splitboard Tour: Die Rumplerrunde - Gjaidstein Umrundung

Die Landschaft des Dachsteinmassivs ist einzigartig, auf der Nordseite liegen weit unterhalb der weiß strahlenden Gletscher einige der größten Höhlen Europas verborgen (bis zu 67km lang) wohingegen die Südseite mit knapp 1000 Meter senkrecht abbrechenden Felswänden beeindruckt. Dazwischen erstreckt sich leicht geneigt eine endlos kupierte Karsthochfläche, das Dachsteinplateau.
Vom Krippenstein aus präsentiert sich uns dieses grandiose Panorama in seiner ganzen Breite, in der Bildmitte der Gjadstein, den man auf einer "Rumplerrunde" genannten Skitour umrunden kann, hinter rechts Hoher und Niederer Dachstein und darunter der Hallstättergletscher.



Dank unseres Bergführers machen wir uns dann auch zur Rumplerrunde auf, noch ohne den Namenswitz erkannt zu haben. Bevor es losgeht lernen wir noch von den einzigartigen Gefahren die im Winter in Karstgebirgen lauern. Die zahlreich vorhandenen Karstlöcher und Dolinen werden vom Schnee zugeweht und man kann leicht darin verschwinden, bei schlechtem Wetter wird zudem die Orientierung in dem gleichförmig kupierten Gelände extrem schwierig und das Vorankommen ist kräftezehrend. Am Krippensteingipfel erinnert eine kleine Kapelle an eine 13-köpfige Schülergruppe die in den 50er Jahren im Schneetreiben erst die Orientierung verlor und dann hilflos erfror.

Bei strahlendem Sonnenschein und milden Temperaturen beginnen wir die Runde mit einer Abfahrt hinunter in Richtung Gjadalm. Stichwort Abfahrt, wer eine grandiose Abfahrt erwartet, wird auf der Rumplerrunde nicht ganz das Richtige finden, aber um einen unvergesslichen Tag am Berg zu erleben ist diese Tour durchaus geeignet.
Bei den alten Kasernengebäuden haben wir schon aufgefellt und beginnen mit dem abwechslungsreichen, nie unmittelbar anstrengenden Aufstieg zum Schladminger Gletscher. Die Anlagen des kleinen Skigebiets nutzen wir nur um es schneller wieder verlassen zu können, aber nicht ohne an der Bergstation der Südwandbahn einen Blick in die mächtigen Felswände geworfen zu haben. Weiter geht es hinüber zum Hallstätter Gletscher bis unterhalb des Hohen Dachsteins und hier beginnt dann die Abfahrt über den sanften Gletscher. Viel zu schnell erreicht man eine markante Mulde mit Gegenanstieg, hier fellt man am besten wieder auf und kann die Felle eigentlich gleich dranlassen, denn nun folgt ein etwas mühsames Auf und Ab durch die unberührte Natur, vorbei an der Simony Hütte zur Gjaidalm Alm und von dort nochmal hinauf zur Krippensteinlodge. Einige kamen hier  zum Schluß noch in den Genuß einer rasanten Skido Fahrt bergauf.

Mit dem Splitboard ist die Anzahl der zu laufenden Kilometer auf dieser Runde jedenfalls nicht zu unterschätzen und bei schlechter Sicht kann die Orientierung extrem schwierig werden! Aber auch wenn sich der Abfahrtsgenuss in Grenzen hielt, die Stimmung der Crew war einzigartig. Bemerkenswert auch die körperliche Fitness aller die dabei waren, 8 Stunden Touring am Stück ist wirklich nicht ganz ohne und alle sind mit einem Lächeln im Gesicht auf die Lodge am Krippenstein zurückgekehrt.

Zum Namen "Rumplerrunde", Rumpler ist der Name eines Berges beim Gjadstein und passt perfekt zur Charakteristik dieser Tour, auf der man bergauf und bergab durch die herrliche Landschaft rumpelt. Das Englische "rumple" heißt zerknittert und verkrumpelt, also genauso wie sich uns die Hochebene präsentierte.

Das viele gemütliches Gehen im sanften Gelände bot aber viel Raum und eine inspiriende Kulisse für interessante Gespräche, natürlich auch mit den beiden Splitboard Profis Jeremy Jones und Mitch Tölderer.

Higher - Splitboarden in großen Höhen

Higher, der dritte Teil der Jones Trilogie Deeper - Further - Higher, fasziniert nicht nur wegen der unglaublichen Lines im Himalaya, sondern auch durch die ungeschminkte Schilderung der Anstrengungen, Ängste und Freuden eines solch extremen Abenteuers. Gegensätzlicher könnte unsere heutige Tour nicht sein, sanft und flach ansteigend werden wir maximal 2700m erreichen und während wir zusehends an Höhe gewinnen kommen wir auf genau dieses Thema zu sprechen.

Besonders interessant erscheint uns dabei der Aspekt, dass der Aufstieg in großen Höhen lt. Jeremy ganz gut machbar ist, auch wenn es langsam voran geht und natürlich sehr anstrengend ist. Ein Training sei aber nicht wirklich möglich. Selbstverständlich sollte man eine solide Fitness haben, doch es kann passieren dass ein "Supersportler" in großen Höhen schwächer ist als ein "Durchschnittssportler", die Tagesverfassung ist entscheidend. Die richtig große Anstrengung kommt dann bei der Abfahrt, so Jeremy. Im Aufstieg kann man sein Tempo frei wählen, doch bei der Abfahrt ist das nicht möglich und dann kommt der Kreislauf massiv ins Spiel und die Höhe macht sich extrem bemerkbar. Jeremy hat von einer Abfahrt am Denali erzählt wo er für ungefär 200HM knapp 45 Minuten brauchte. Die Line war sehr anspruchsvoll, doch mit dieser körperlichen Anstrengung hätte er bei dem Run nicht gerechnet. Mitch fügte hinzu, dass der Sauerstoffgehalt in großen Höhen auch stark durch das Wetter bedingt wird. Je höher der Luftdruck, desto mehr Sauerstoff befindet sich in der Luft. Klingt logisch, ist logisch. Luft ist in allen Höhen gleichmäßig zusammengesetzt (78%Stickstoff, 21%Sauerstoff, 1%sonstige), der Luftdruck nimmt aber mit zunehmender Höhe ab und damit sinkt der anteilige Sauerstoffdruck der das lebensnotwendige Gas in die Lunge presst. Hochdruckeinfluß wirkt also auch körperlich positiv.

Jeremy Jones ISPO Split Overview 02

Wärmer - Snowboarden im Klimawandel

Im windgeschützten Gelände ist es heute frühlingsmäßig warm und für Anfang Februar liegt auch am Dachstein noch unterdurchschnittlich wenig Schnee. Im Aufstieg müssen wir mehrmals auf die Felle aufpassen und die Abfahrtsmöglichkeiten sind nicht so wie es das Gelände bei höherer Schneelage erlauben würde. Für uns keine Frage, der Klimawandel ist im Gange. Die Schneemengen haben sich in den letzten Jahren reduziert und als Backcountry Snowboarder und Alpinisten sehen und erleben wir die Auswirkungen hautnah und müssen lernen mit den veränderten Gegebenheiten umzugehen. Schneehöhenmessdaten existieren seit etwa 100 Jahren und bezogen auf diesen Zeitraum können in Österreich zahlreiche Orte sogar mit positiven Trends bezüglich der durchschnittlichen Maximalschneehöhen aufwarten, auch die Tage mit Schneebedeckung scheinen im Schnitt konstant.

http://www.slf.ch/schneeinfo/wochenbericht/2015-16/Jahresbericht/Jahresbericht_1516_main_d.pdfAlso alles in Ordnung? Mitnichten!

"Abb.  81  zeigt  eine Auswertung für 45 Stationen mit langjährigen Messungen zwischen 1955 und 2014 (60 Jahre). Stationen mit statistisch signifikanten Trends zeigen alle ein früheres Ausapern. Die grosse Mehrheit der Stationen zeigt auch ein späteres  Einschneien – der Trend ist aber weniger stark." Kurz gesagt, je weiter links oben ein roter Punkt liegt, desto stärker ausgeprägt ist an dieser Station der Trend zu einem spätern Winterbeginn und einem früheren Ende. Die gegenläufigen Trends in den Messungen können zum Teil sehr anschaulich durch Veränderungen der jeweiligen örtlichen Messumgebung erklärt werden. Marty C. (2016): Einschneien und Ausapern. In: SLF (Hg.): Schnee und Lawinen in den Schweizer Alpen 2015/16. S.74f.

2007 gründete Jeremy Jones die Interessensvereiningung Protect our Winters, nachdem er beim Snowboarden die Zunahme unterdurchschnittlicher Winter und extremer Wetterlagen erkennen musste. In den USA waren auch die vergangenen Winter teils katastrophal trocken, dieses Jahr jedoch hat "La Niña" im Westen der USA für unglaublich große Schneemengen gesorgt und unseren Amerikanischen Freunden viele Sprays, Faceshots und fette Runs gebracht. Natürlich wurden sie dabei in Geduld und Durchhaltevermögen geschult, denn bekanntlich bringen große Schneemengen auch große Gefahren und Unannehmlichkeiten mit sich.

Was den Klimawandel betrifft waren wir uns einig, dass die Schneemengen nicht unbedingt abnehmen müssen, aber die Winter von Ihrer Art her unberechenbarer und die Wetterlagen extremer werden. Verspätete Winter haben wir in den vergangenen Jahren häufiger beobachtet, gleichzeitig haben wir aber erkannt, dass der Winter besonders mit dem Splitboard auch nach hinten raus, bis in den Mai und Juni hinein, noch schöne Tage bescheren kann.

Global Lokal - Die Backcountry Branche

Seit Jeremy Jones 2009 sein eigenes Snowboard Unternehmen gründete und damit die Splitboard Branche anfeuerte, war grundsätzlich viel Leben und Bewegung in der Snowboard Branche festzustellen. 1977 stellte Jake Burton auf der SIA zum ersten Mal ein Snowboard vor, seither wuchs der Markt unaufhörlich und explodierte förmlich seit den späten 90ern was dann unweigerlich 2011 zu einer Übersättigung führte musste und die Zahlen in Folge dramatisch einbrechen lies. Zeitgleich gewann das Thema Splitboarding rasant an Fahrt. Immer mehr Snowboarder sind in ein Alter gekommen in dem es ihnen mehr Spaß macht durch die unberührte Natur zu splitten, Gebiete fernab vom Rummel des Skitourismus kennenzulernen oder unvergessliche Abfahrten mit Freunden im unverspurten Weiss zu genießen. Es war und ist interessant zu beobachten wie die einen Firmen die Entwicklung des Splitboardens mit Herz und Seele vorantreiben und in herausfordernden Zeiten innovativ wachsen, während andere sich nur auch ein Stück vom Kuchen abschneiden wollen. Nach wie vor gibt es aber immer noch Entwicklungspotential wie uns die stetigen Verbesserungen jeder Saison zeigen. Auch die Ideen und Möglichkeiten noch mehr Menschen zu diesem wunderbaren Sport zu bewegen sind vielfältig und noch längst nicht ausgereizt.

Jones Snowboards ist ein Unternehmen dessen Herz ganz fürs Split- und Snowboarden und für all die Menschen, die die Berge lieben, schlägt. Die Familie, Mitarbeiter, Partner und Botschafter, alle geben Ihr Bestes um Euch eine fantastische Zeit im Schnee zu geben und Euch mit den bestmöglichen Produkten auszustatten. Jones legt seit Beginn viel Wert auf umweltbewusstes und nachhaltiges Handeln. Nicht nur dass die Boards leicht und gleichzeitig haltbar gebaut werden, auch bei den Transportwegen wird auf geringe Emissionen Wert gelegt um den Carbon-Footprint soweit wie möglich zu reduzieren. Womit wir wieder beim Thema Klimawandel gelandet sind. Und so genießen wir am nächsten Tag umso freudiger unsere Turns im staubenden Schnee, bevor wir auf die Kunstschneepiste treffen zum Hallstätter See hinunter carven.

Gemeinsames Fazit, wie auch schon beim Split & Relax geclaimed "Jeder Tag am Berg ist ein guter Tag"!

Jeremy Jones ISPO Split Overview 03

Ein großes Dankeschön geht an Jones Snowboards, Element Sports, Jeremy, Mitch und alle die dabei waren und diese zwei Tage am Krippenstein zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht haben.

Keep calm and go splitboarding! 

Pics by Bernhard Altmanninger und splitboarding.eu



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