26 June 2017    

Die Splitboard Saison auf der Nordhalbkugel ist zu Ende. Wer nicht genügend Schnee abbekommen konnte, oder wem surfen nicht so liegt, der kann jetzt auf die Südhalbkugel reisen. Gängige Destinationen wären Chile oder Neuseeland. Hier zeigen wir Euch drei abgeschiedene Inseln in den südlichen Ozeanen als exklusive Alternativen.

1 - Heard und McDonaldinseln

Abseits jedweder menschlicher Zivilisation befindet sich die Inselgruppe der Heard und McDonaldinseln, 1660 km nördlich der Antarktis und 3800 km entfernt von Westaustralien. Also mitten im subantarktischen Nirgendwo. Einige Robben und Vögel leben dort und jede Menge Königspinguine haben sich seit den 1960er Jahren wieder angesiedelt. Man findet dort ein sehr ursprüngliches Ökosystem vor, ohne fremde Tier- und Pflanzenarten und ohne jeglichen menschlichen Einfluß. Aufgrund dieses fast weltweit einmaligen Falles wurde das Archipel bereits 1997 zum UNESCO Weltnaturerbe erklärt. Auf der Heard Insel, benannt nach ihrem Entdecker Kapitän John Heard, der sie 1853 beim Vorbeisegeln entdeckte, befindet sich der aktive Vulkan Mawson Peak mit einer Höhe von 2757 m. Der Gipfel ist umringt von vierzehn Gletschern, die einst bis zum Ozean reichten, sich aber mittlerweile mehrere hunderte Meter in das Innere der Insel zurückgezogen haben. Die unbewohnte Inselgruppe gehört zu Australien, einige Naturschutzzonen sind nicht erlaubt zu betreten und Übernachtungen auf der Insel sind ebenfalls nicht gestattet.

Klima

Die Durchschnittstemperaturen im antarktischen Winter liegen zwischen 0°C und 4°C mit jährlichen Niederschlagswerten zwischen 1300 mm und 1900 mm. Starke Westwinde wehen mit Windgeschwindigkeiten von 26 km/h bis 34 km/h, Böen überschreiten auch mal 180 km/h. Regen und Schnee fällt im Durchschnitt in 75 Prozent aller Tage im Jahr.

Splitboarding Fun Faktor

Keiner, mit wenigen guten Wetterfenstern und einer riesigen, von Gletschern und Spalten bedeckten Fläche. Das unbekannte Gelände ist sicherlich nur etwas für wahre Entdecker. Abeneuerlustige Weltumsegler im Freundes- oder Bekanntenkreis dürften von Vorteil sein um einen derartigen Trip zu ermöglichen.

Wie kommt man hin

Nur per Schiff, ein direktes Anlegen ist aber nicht möglich. Auch gelten strenge Regeln beim Anlegen und Betreten der Insel um ein Einschleppen fremder Tier- und Pflanzenarten zu verhindern.

 

2 - Kerguelen-Archipel

Die Kerguelen befinden sich ebenfalls auf einen der abgelegensten Plätze der Erde inmitten des Indischen Ozeans auf 50° südlicher Breite. 4000 Kilometer sind es nach Westaustralien und 2000 km zur Antarktis. Grand Terre, die Hauptinsel des Archipels verläuft an ihrer längsten Ausdehnung 130 km in Ostwestrichtung und 110 km in Nord-Süd Richtung. Obwohl in den subantarktischen Regionen auch ein masssiver Rückgang der Eismassen zu beobachten ist (über 20% in den letzten 40 Jahren), sind 500 km² der Insel noch mit Gletschern bedeckt. Der höchste Berg der Insel ist Mont Grand-Ross mit 1850 m.

Klima

Die kältesten Monate sind Juli und August mit Durchschnittstemperaturen von ca. 2° C. Temperaturen fallen sehr selten unter -10 °C. Da die Inselgruppe inmitten der Roaring Forties liegt, wehen an der Küste starke Westwinde mit Windgeschwindigkeiten um die 35 km/h. Orkanartige Stürme sind auch keine Seltenheit und können an über 150 Tagen im Jahr auftreten. Dann erreichen die Insel Böen von bis zu 200 km/h, was ein Splitboardvergnügen natürlich leicht dämpfen könnte. Die Niederschläge sind mit 700 mm pro Jahr deutlich niedriger im Vergleich zum Alpenraum. Die klimatischen Bedingungen sind also nicht ganz optimal, aber es gibt auch eine gute Seite. Man ist auf der Insel nicht ganz alleine, da 60-120 Menschen in einer Forschungsstation in Port-aux-Français leben. In Euro kann man übrigens auch zahlen.

Wie kommt man hin

Das Versorgungsschiff Marion Dufresne steuert die Hauptinsel viermal im Jahr an. Ein Platz in einer Doppelkabine kann man zum sagenhaften Schnäppchenpreis von 8670 EUR bekommen.

 

3 - Südgeorgien

Wir waren reich an Erinnerungen. Wir hatten die Außenseite der Dinge
durchstoßen. Wir hatten 'gelitten, gehungert und triumphiert, waren
auf allen vieren gekrochen und hatten doch nach den Sternen gegriffen,
wir waren an der Größe der Dinge selbst gewachsen'. Wir hatten Gott
in seinem Glanz gesehen, hatten den Text gehört, den die Natur schreibt."
 
Shackleton, South aus dem Englischen von Bruno Elster*

800 Seemeilen in südöstlicher Richtung entfernt von den Falklandinseln befindet sich Südgeorgien. Die Insel ist somit wesentlich einfacher zu erreichen wie die Kerguelen. Südgeorgien erstreckt sich in einer Länge über 170 km und an ihrem breitesten Abschnitt sind es 35 km Luftlinie von der Nord- zur Südseite der Insel. Relativ in der Mitte der Insel befindet sich Mount Paget, mit 2934 m der höchste Gipfel Südgeorgiens. Durch die geografische Lage und die damit einhergehenden extremen Wetterbedingungen gelang eine Erstbesteigung recht spät in den Sechzigern durch eine britische Militärexpedition. Glücklicherweise gibt es insgesamt noch zehn andere Berge, die sich über 2000 Meter über den Meeresspiegel erheben. James Cook, Kapitän an Board der HMS Resolution, entdeckte die Insel auf seiner zweiten Südseereise im Jahr 1775. Er kartografierte Teile der Insel, wurde aber von Eis behindert. Den südlichsten Punkt der Insel gab er den Namen "Cape Disappointment" nachdem er feststellte dass Südgeorgien eine Insel war und nicht wie erhofft, der damals unentdeckte Kontinent Antarktika.

Südgeorgien ist ziemlich bekannt für eines der größten Abenteuer neuzeitlicher Geschichte: Im Mai des Jahres 1916 erreichten der britische Polarforscher Sir Ernest Shackleton und seine kleine Mannschaft die Insel. Eineinhalb Jahre zuvor war ihr Expeditionsschiff, die Endurance, in den tief gefrorenen Gewässern des Wedell Meeres auf 74° südlicher Breite eingeschlossen. Monate später, nach langer Drift im Packeis, zerstörten die Schollen des Eises das Schiff endgültig. Nach einer mehrwöchigen Odyssee über Packeis und einer 1300 km langen Fahrt durch die rasenden Fünfziger in zwei kleinen Rettungsbooten landeten sie in King Haakon Bay, an der Südküste der Insel. Diese einmalige, seemännische und navigatorische Meisterleistung war aber nur der Beginn eines noch größeren Abenteuers. Um zu den Walfangstationen an der Nordküste zu gelangen, den einzigen rettenden Orten menschlicher Zivilisation, mussten Shackleton und zwei andere Männer die Insel zu Fuß überqueren. In einem 36 stündigen Gewaltmarsch ohne Schlaf durchquerten sie das unbekannte Innere der Insel über vergletscherte Hochebenen, exponierte Grate, Gletscherspalten und zugefrorene Seen. Ihre improvisierte Ausrüstung: etwas Proviant, Kocher, 30 m Seil, eine Axt, Wanderstöcke aus den Planken eines Rettungsbootes, Chronometer, Kompass und Fernglas.


Gletscher an der Nordküste Südgeorgiens; Bucht an der ehemaligen Wahlfangstation Grytviken. Photo mit freundlicher Genehmigung von Hannes Grobe, Alfred Wegener Institute CC-BY-SA-2.5

Klima

Auf Südgeorgien muß man sich auf polares Klima einstellen mit Temperaturen zwischen -5° C und 0° C im August. Durchschnittliche Niederschlagsmengen betragen 1500 mm pro Jahr. Im Vergleich: St. Johann in Tirol bekommt 1000 mm. Die Schneefallgrenze beginnt ab 300 Metern über den Meeresspiegel. Südgeorgien ist mit 1000 Sonnenstunden pro Jahr auch sicherlich nicht als das Gran Canaria der Südhalbkugel bekannt. Konstante Westwinde wehen das ganze Jahr über, zum Glück hat die vom Wind abgewandte Ostküste ein merklich angenehmeres Klima.

Splitboarding Fun Faktor

Plötzliche Wetterumschwünge und jede Menge Gletscher garantieren ein spannendes Abenteuer. Den Spuren Shakletons und seiner Crew zu folgen und zusätzlich einige fette Lines im Inneren der Insel zu fahren könnte jede Menge Spass mitbringen.

Wie kommt man hin

Ab und an legen Kreuzfahrtschiffe auf ihrem Weg in die Antarktis in Südgeorgien an. Hauptsächlich im antarktischen Spätsommer. Kostenpunkt: 5000 EUR und aufwärts, aber vielleicht lassen sich auch günstigere Alternativen finden.

Literatur

* Alexander Caroline. Die Endurance: Shackletons legendäre Expedition in die Antarktis. Berlin: BvT 2007.