28 December 2015    

Ein Reisebericht des slowakischen Snow- und Splitboarders Marek Gazda und seiner Freunde von ihrem Splitboard Trip nach Norwegen im Mai 2015. Noch mehr Impressionen seht Ihr im Film am Ende des Artikels.

Als ich letztes Jahr zum ersten Mal in Norwegen war verliebte ich mich in die Natur und Landschaft. Ich wusste ich muss hier wieder herkommen.
Marek Gazda

Dieser Trip kam dann Ende April Anfang Mai 2015 zu Stande. Neben Splitboarden im Norden Norwegens wollte Marek auch wieder an der Røldal Freeride Challenge teilnehmen. Er fragte also ein paar Freunde und Filmer ob sie ihn begleiten und versuchen wollen, eine kleine Dokumentation zu drehen. Dann buchte er die Flüge und einen Camper für Tromso oben im Norden. Eine Woche vor der Abreise aus der Slowakei verletzte sich einer der Freunde beim Skifahren, ausgerechnet der Kameramann, und konnte nicht mitkommen. Damit mussten sie nun zu Rande kommen und so sagten sie sich "Lasst uns fahren und versuchen zu filmen was wir können und dann werden wir schon sehen.".

Am Ende des Artikels könnt ihr den entstandenen Film über Freundschaft und Bergleidenschaft und über die Schönheiten Norwegens sehen.
Aber beginnen wir mit Mareks Trip Report, Station für Station, damit ihr einen Eindruck von den zahlreichen Zielen bekommt und der Geduld und/oder Flexibilität die notwendig ist, um zur passenden Zeit am richtigen Ort zu sein.

Røldal

23.4.2015: Meine Freunde und ich reisen von Bratislava (Hauptstadt der Slowakei) über Wien nach Oslo. Wie immer gab es am Flughafen ein paar kleine Probleme mit den Lawinenairbags, aber gegen Mittag landen wir in Oslo und holen unseren Mietwagen. Nach ein bischen Sightseeing und Futtern fahren wir nach Roldal.
Roldal ist ein Skigebiet 316km westlich von Oslo. Für die Fahrt brauchen wir mehr als sieben Stunden, wegen der wunderschönen Natur und weil es keine Autobahn gibt. Am Abend erreichen wir Roldal und gehen straight zum Fahrertreffen der Røldal Freeride Challenge. Nach dem Meeting checken wir in dieselbe Unterkunft ein wie letztes Jahr.
Weil dieser Artikel nicht vom Freeride Contest handelt, nur ein paar Worte dazu. Wir hatten mit wechselhaften Wetter- und Schneebedingungen zurechtzukommen, vielen Zeitverschiebungen des Wettbewerbs, der dann letztendlich im strömenden Regen und super nassem Schnee stattfand. Ich will nur sagen, manche Rider konnten sich da richtig durchfighten und zeigten ein paar schöne Runs, mein Fall war es nicht. Die einzige Genugtuung war der Tag nach dem Wettbewerb und die Party (ich hab geschlafen). Aus dem strömenden Regen wurde Schnee und am Morgen hatten wir 30cm Neuschnee und ein paar Sonnenfenster im Nebel.
Wir mussten dann zurück nach Oslo fahren um unseren Flieger in den Norden Norwegens zu erwischen.

Tromsø

Am 26.4.2015 landeten wir in Tromsø und nahmen ein Taxi zum Wohnmobilverleih um dort unser Heim für die nächsten 12 Tage zu übernehmen.   Caravan.no  ist ein richtig großes Unternehmen das ich wirklich empfehlen kann. Wir rüsten unseren Camper und machten die größeren Einkäufe. Dann haben wir uns einen Platz zum Parken und Schlafen gesucht. Irre, dass die Sonne so spät in der Nacht immer noch scheint.

Kvaloya Island

Am nächsten Tag wählten wir aus dem Skitourenbuch Nordnorwegen eine schöne Route aus. Sie liegt auf der Insel Kvaloya, die wiederum nördlich von Tromso liegt. Wegen Nebels entscheiden wir uns dann aber für einen anderen Berg, ich weiß wirklich nicht den Namen des Berges den wir beginnen zu besteigen. Im Aufstieg war es neblig und der Schnee war etwas eisig. Am Gipfel angekommen haben wir einen richtig schönen Blick aufs offene Meer und auf der anderen Seite das Tromso Festland mit seinen Fjorden. Für die Abfahrt warteten wir etwas auf die beste Sicht. Ich kann nur sagen, ein schöner erster Aufwärmtag. Später grillen wir dann nahe am Fjord und geniessen den Duft des Meeres.

Am nächsten Tag wechselten wir aufs Festland in Richtung Tamok. Wir suchten uns einen Berg namens Blattinden aus. An diesem Berg wäre ein Skiresort entstanden wenn Norwegen den Fight um die Olympischen Spiele gewonnen hätte. Das Wetter war schön, keine Wolken und wir starten mit dem Aufstieg gegen halb Zwölf. Schön an dieser Zeit im Norden ist es, dass Du bis Mitternacht Licht hast und so keine Eile besteht. Der Schnee sah auf der sonnigen Seite besser aus, also entschieden wir eine Linie auf die Ostseite zu wählen um auf ein paar steilere Abschnitte zu treffen. Vor dem Aufstieg fühlte ich mich richtig krank und danach war ich schon froh dass ich wieder unten war, aber die Abfahrt war fantastisch. Nicht weil es jetzt die Line unseres Lebens gewesen wäre, aber Du konntest den Baldfjord unter Dir sehen und der Schnee war frühlingsmäßig aufgefirnt. Wir genossen die ganze Abfahrt, auch ein paar schöne Treeruns im unteren Teil.
Am Gipfel hatten wir drei Leute getroffen die 2 Stunden vor uns aufgebrochen waren. Wir haben sie dann da wo wir geparkt hatten wiedergetroffen. Nachdem wir ins Gespräch gekommen waren stellte sich heraus, es war eine Gruppe Leute die sich garnicht vorher kannten. Sie hatten sich am Tag davor über eine Tromsoer Skitourenwebseite verabredet ein Auto zu teilen und gemeinsam auf Tour zu gehen. Das ist eine wirklich schöne Sache. Ein Typ aus Neuseeland, einer aus den Niederlanden und ein Tscheche namens Tom. Unsere Länder, die Slowakei und die Tschechei waren früher die Tschechoslowakei, also konnten wir uns verständigen. Tom ist ein Skifahrer der nach Tromso gezogen ist, nur fürs Skifahren. Also tauschten wir Telefonunummern aus um uns später mit ihm an einem Surferstrand zurück auf Kvaloya Island auf ein Bier zu treffen. Wir kamen gegen 10 Uhre abends, haben gegessen und mit unserem neuen Freund Tom ein paar Bier getrunken. Vom nächsten Tag an begleitet uns Tom bis zum Ende unseres Trips. Der Strand liegt auf der Nordwestseite von Kvaloya Island, das heisst offenes Meer bis über den Polarkreis hinaus. Wirklich ein schöner Anblick und einer der besten Sonnenuntergänge die ich je gesehen habe.

Am nächten Morgen entschieden wir uns eine weitere Tour auf Kvaloya Island zu machen. Der Berg wird Burren genannt. Natürlich beginnt unser Aufstieg auf Meereshöhe, wir üblich hier im Norden Norwegens. An einem normalen Tag machen wir im Schnitt an die 1400 Höhenmeter. Schöne Ausblicke noch und nöcher, jetzt auf den offenen Ozean und den Ersfjord. Wieder frühlingshafter Schnee und ein paar schöne steilere Stücke. Ein toller Tag mit fantastischem Wetter. Später gehen wir ans Ende des Ersfjords zum Fischen und Grillen. Wir fangen auch ein paar kleinere Fische die gleich auf dem Grill landen.
Dann entschieden wir uns 600km in den Süden zu fahren, da das Wetter sich hier im Norden drehte. Ein Sturm mit vielen Wolken aber wenig Schnee war im Kommen. Die Fahrt zu den Lofoten war richtig lang, aber wir hatten den Camper und so konnten wir uns abwechselnd Fahren und Schlafen. Wir brauchten neun Stunden reine Fahrzeit, mit einigen Abenteuerstopps und viel zum Anschauen.

Lofoten

Am nächsten Morgen wachen wir am Beginn der Lofoten auf. Das Wetter war sehr wolkig und so entschieden wir uns nur einen Sighseeing Trip mit dem Camper ans Ende der Lofoten und zurück zu unternehmen. Die Lofoten sind auch unglaublich, kleinere Berge als im Norden, aber viel steiler. Es war nur eine Schande dass unten zu wenig Schnee lag. Wir versuchten das Henningsvaer Couloir, das berühmteste Couloir der Lofoten, zu ersteigen und zu befahren, aber da war kein Schnee in 30 Prozent der Rinne und es war richtig eisig, also entschieden wir uns einen ride free day einzulegen. So waren wir am Ende der Lofoten und in dem Ort mit dem kürzesten Namen der Welt, A. Am Abend fahren wir zur Kreuzung der Wege in den Norden, zu den Lofoten und nach Narvik, zurück. Wir bleiben dort zum Schlafen und wollen am nächsten Tag entscheiden was wir machen.

Narvik

Am nächsten Tag wachen wir an einen ziemlich sonnigen Tag an der Küste auf. Im Internet lesen wir dass es zuletzt in Narvik geschneit hat. Also ist der Plan schnell ins Skigebiet zu kommen und Pulver zu fahren. Wir erwischen unsere erste Gondel um 10.15 Uhr, was ein bischen spät war. Aber wir hatten immer schönen Pulver im Gebiet, mit Sonne und ein paar Wolken. Am Nachmittag beginnen wir aus dem Skigebiet heraus mit dem Aufstieg auf den Gipfel des Tredjetoppen. Wir wollen über die berühmten steilen Lines zurück nach Narvik. Leider hatten wir die Lines nicht von unten gesehen, also war es Blindflug denn es kamen immer mehr Wolken die das Licht diffus machten. Trotzdem genossen wir was wir hatten und fanden ein paar nette runs. Das Skigebiet ist toll. Richtig viele schöne Abfahrten mit wenig Aufstieg. Und das Panorama, immer wieder beindruckend. Nach der Abfahrt trinken wir am Parkplatz ein paar Bier und geniessen die nette Stadt. Narvik hat einige Hochschulen, also viele junge Leute aus aller Welt. Dann fahren wir wieder Richtung Norden, denn das schlechte Wetter sollte der Sonne gewichen sein. Wieder fuhren wir die ganze Nacht.

Lyngen Alps

Am nächsten Tag können wir nur grillen, das Wetter wechselte alle zwanzig Minuten. Wir nahmen die Fähre zu den Lygen Alpen und verbrachten also den ganzen Tag relaxend im Camper. Am Abend treffen wir ein paar Freunde, den besten slowakischen Steilwandskifahrer Miro Peto und seine Truppe. Wir trinken ein paar Bier und reden über unsere Leidenschaft.

Am nächsten Tag suchen wir uns einen schön steilen Berg namens Sofiatinden in den Lyngen Alps. Wir beginnen mit dem Aufstieg um neun Uhr morgens. 300Meter über dem Meeresspiegel beginnt der Schnee. Es war ein schöner sonniger Tag ohne Wolken. Für den Aufstieg zum Rücken brauchten wir 4 Stunden. Dann mussten wir die Steigeisen anlegen weil wir einen 40plus Hang 700m hinauf mussten. Der Aufstieg war schwer, "slushy powder" und starker Wind begann zu blasen. Als wir den Gipfel ereichten nahm uns eine Wolke die Sonne und in 10 Minuten mit diesem starken Wind war der Schnee nur noch Eis. Wir waren auf dem Gipfel eines Berges, mit einer 40+ steilen Wand aus Eis unter uns. Natürlich hatten wir dazu diffuses Licht. Was machen? Big mountains, Wetter, damit muss man umgehen. Wir teilen uns in zwei Gruppen. Die eine Gruppe nimmt den leichteren Weg und die andere versucht sich an dem Plan für den steileren Bereich mit mehr als 50 Grad. Ich war in der Gruppe für die schwerere Wand. Es war wirklich nicht die beste Lustabfahrt, aber ich hatte Spaß mit dem was ich für den 7 Stunden Aufstieg bekommen habe. Verziehen sei die schlechte Sicht, das steile Eis und die Anspannung mit meinem Eispickel in der Hand. Im mittleren Teil wurde es besser und wir konnten auch ein paar Turns filmen. Der letzte TeiI war schön aufgefirnt und es machte Spaß zu fahren. Wir beendeten unseren Tag entspannt am Feuer am Strand.

Tromsø

Am nächsten Tag war wieder schlechtes Wetter, also nutzen wir ihn um in die Gegend von Tromso zurückzufahren und dort unsere letzte Tour zu machen.

An diesem Tag hatten wir uns für ein paar steile Lines entschieden, aber der Wetterbericht hatte gewechselt und wir mussten umplanen und so nah ans Meer fahren wir möglich, um Sonne und Licht zu bekommen. Wir einigen uns auf Lille Blamannen beim Kaltfjord. Leicht, kein so steiler Berg mit ein paar schönen Rücken. Wir starten um 10:30 Uhr und so versuchen wir schnell zu sein denn das neblige Wetter vom Festland soll am Nachmittag auch die Inseln treffen. Wir waren auch richtig schnell oben und machten keine langen Pausen. Nur die Felle runter und für die Abfahrt vorbreiten. Aber das Wetter in Norwegen ändert sich verdammt schnell und das diffuse Licht erwischte uns erneut. Trotzdem war es eine schöne lange easy Abfahrt, von ganz oben bis runter zu unserem Camper. Es war unsere letzte Abfahrt und wir genossen sie. Am Abend mussten wir den Camper zurückbringen, so kamen wir sehr spät ins Bett und um zwei Uhr Nachts war es immer noch hell.

Am nächsten Morgen stehen wir nach zwei Stunden Schlaf um 4 Uhr schon wieder auf und auch die Sonne geht schon wieder auf. Unser tschechischer Freund Tom bringt uns zum Flughafen und wir müssen den norwegischen Bergen Good Bye sagen.

Mareks Norwegen Reisetips

Hinkommen: Günstige Flüge mit (norwegian.no) von Oslo nach Tromso.
Skitouren Buch:  Troms - Ski touring in Troms - 82 arctic summits! - Paperback
Rent a Camper Tromso: motorhomerentalnorway.com
Wettervorhersage:  yr.no
Lawinenlagebericht: varsom.no/en
Essen und Spartipps:
Was Du am Besten kaufen kannst, ist das 50% off Fleisch in einem speziellen Bereich des Ladens im Fleischregal. Das günstigste Fleisch ist Hackfleisch. Fisch ist köstlich, derselbe Preis wie in Europa, aber ein anderer Geschmack. Alkohol ist extrem teuer, besser den eigenen mitbringen aus dem Duty Free. Du kannst auch Containern (in Norwegen müssen alle Märkte Essen in den Müll werfen einen Tag bevor das "Ablauf-"datum erreicht ist). Üblicherweise ist es ein großer Behälter hinter dem Markt in dem Du manchmal auch Beefsteaks und italienischen Schinken finden kannst.
Unterkunft in Roldal: haradalen.no

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Danke Marek für Deinen Bericht, wir freuen uns wenn Du uns über Deine künftigen Trips auf dem Laufenden hältst. Reiseberichte sind eine tolle Inspiration und Informationsquelle und deswegen versuchen wir nach und nach aus den Berichten einen Splitboard Reiseführer zu formen.

Die Berge Nordnorwegens sind ein wirklich schöner Platz zum Splitboarden. Die Ausblicke sind großartig. Du musst Dir Deine Turns hart verdienen, aber dann kannst Du sie viel mehr geniessen. Für mich und ich kann auch für die Leute sprechen die mit mir waren, wir versuchen jede Saison hierher zu kommen.

Marek Gazda

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