10 March 2016    

Über die Abenteuer zwischen Kirgistan und Tajikistan - ein lebhaft, spannender Tripreport über den faszinierenden Splitboarding-Freeride Trip von Hans, Timo und Chris. Die Bootsjungen lassen grüßen.

Die ersten Eindrücke aus Osch, Kirgistan:

Wir sind eingetaucht, ganz ganz tief in das Leben der Landbevölkerung von Kirgistan und Tajikistan. Nach einem Jahr Planung und etlicher Zweifel haben wir uns im Jänner 2015 dazu entschlossen, einen Splitboard und Freeride Road Trip nach Zentralasien zu unternehmen. Ab diesem Zeitpunkt wurde über Google Earth und Topografischem Kartenmaterial mögliche Spots ausgecheckt und eine entsprechende Route geplant. Der Weg sollte uns von Osch in Kirgistan entlang des Pamir Highway nach Sarytasch, Murgab, Vanj, und Poi-Mazarnach Duschanbe in Tadschikistan führen. Mit an Bord sind Hans Fleckl und Chris Fuschlberger. Im letzten Moment hat sich auch noch Timo Mößner dazu entschlossen mitzukommen um den Trip auf Video festzuhalten.

Das Visum in letzter Minute in der Tasche, machten wir uns am 07.03.15 auf den Weg Richtung Pamir Highway. Von Salzburg flogen wir über Istanbul nach Osch in Kirgisitan. Von der ersten Minute an war uns klar, dass wir in eine völlig neue Kultur und Bergwelt eintauchen würden. Am ersten Morgen führte uns der Weg direkt zum größten Markt in der 250 000 Einwohner-Stadt. Dabei machten wir erste Bekanntschaft mit den örtlichen Gepflogenheiten. Unzählige Menschen stellten sich "Selfie schießend" neben uns, oder wollten ein Foto mit uns machen. Dies und unzählige Eindrücke von den Einheimischen sollten uns während unserer gesamten Reise begleiten.

Die ersten Meter auf dem Pamir Highway:

Nach einer kurzen klimatischen und kulturellen Eingewöhnung in Arslanbob, mit ersten Touren und einer kalten Nacht auf einer dürftig isolierten Hütte, fuhren wir die ersten Meter auf dem Pamir Highway in Richtung Sarytasch. Der Ausblick auf das Pamir Gebirge und die Grenzen zu China und Tadschikistan war atemberaubend. Nur ein breites Tal trennte uns von Bergen zwischen 4000-7000 Metern, die sich vor uns auftürmten. Für ein absolutes Highlight der Reise sorgte an diesem magischen Ort eine Sunrise-Tour. Während des kurzen Hikes über den Grat auf unseren „Hausberg“, stieg langsam die Sonne über China auf und das Leben im Tal begann langsam wieder. Erste Sonnenstrahlen über dem Pamir Gebirge, die Bergkette in China rot eingefärbt. Die wenigen Turns zurück zum Homestay waren wahrlich ein Genuss!

Nach den Akklimatisierungs-Touren in Sarytasch warteten zwei Reisetage auf uns. Die Straßen waren von Anfang an sehr wechselhaft, von Schneestraßen zu Dirtroads mit knietiefen Schlaglöchern und Asphaltstraßen, die so wellig waren wie das Meer an der Adria. Dazu kamen noch kalte Temperaturen, Wind und jede Menge Polizei und Militärpräsenz. Was uns aber nicht weiter störte, da wir durch eine der schönsten Bergwelten dieses Planeten fuhren. An diesem Tag passierten wir Landschaften, die geprägt waren von unberührter Natur, am Morgen führte unser Weg über Pässe die von Bergen zwischen 5000 und 7000 Metern flankiert waren und landeten auf endlos wirkenden Hochebenen mit kargen Felswenden. Nach einer endlosen Autofahrt schraubte sich plötzlich linker Hands ein massiver Berg mit 3 perfekt wirkenden Spines in die Höhe. Hans schrie auf ein Mal, "Schau dir den Berg links mal an!

Der Berg links

Kleine Dämpfer gehören dazu:

Wir schauten alle nach links und sahen einen Berg mit 3 perfekt wirkenden Spines, im Chor sagten wir: "Bitte sofort ranfahren, wir müssen uns das anschauen!!!!". Azamat bog auf eine Seitenstraße und hielt an einem Haus. Während wir den Hang inspizierten, organisierte Azamat eine Bleibe für die Nacht. Ein Mann kam auf uns zu und nach einem kurzen Gespräch gingen wir in sein für Tadschikistan typisches Haus. Vier Holzsäulen bildeten das Zentrum des bunt verzierten Wohnraumes, diese unterteilten den Raum in verschiedene Bereiche auf unterschiedlichen Niveaus. Wir hatten aber nur noch den Hang hinter dem Haus im Kopf und machten uns auf den Weg um einen Plan für den nächsten Morgen zu schmieden. Nach 3 Tagen im Auto, ohne Touren waren wir richtig heiß und jeder fand sofort seine Line. Die Vorfreude hat uns etwas die Warnzeichen übersehen lassen und so sollten wir unser blaues Wunder erleben.

Der Wecker unterbrach unseren Schlaf um 04.30, wir wollten schließlich zum Sonnenaufgang am Einstieg unserer Lines stehen und es war ein langer Weg bis dorthin. Im Dunklen fiel uns die Orientierung anfangs noch schwer und so machten wir einen kleinen Umweg, wobei wir einen ordentlichen Dämpfer kassierten. In dieser Sekunde war uns klar: „Das wird heute nicht´s!“ Die Schneedecke bestand unter einer dünnen harten Schicht aus reinem Gries, was uns von überschwaÅNnglicher Vorfreude an den Rand der Verzweiflung brachte. Diesen Umstand zu akzeptieren fiel uns sehr schwer, aber es lagen noch viele Meter vor uns und wir hatten die Hoffnung, in der Nähe des Fedchenko Gletschers noch ein gutes Gebiet zu entdecken. Wie auf dem gesamten Trip haben wir die Situation kurz analysiert und schnell wieder den nächsten Plan gefasst.

Der beschwerliche Weg nach Vanj:

Mit einem ausgiebigen Frühstück stärkten wir uns für den nächsten Reisetag. Die Enttäuschung über den Rückschlag noch nicht ganz verdaut, kam nur langsam wieder Enthusiasmus auf. Aber die Kulisse lies so einiges vergessen und spätestens in Chorugh, als wir durch ein traditionelles Fest schlenderten und in einem kleinen Tourist Office gute Infos über das Gebiet entlang des Vanj Flusses Richtung des Vetchenko Gletschers abekamen, waren wir wieder voller Vorfreude auf den nächsten Stopp. Vorher waren aber noch etliche Kilometer entlang der afghanischen Grenze, durch eine Schlucht die vom Pjanch-Fluss in den Fels gefressen wurde, zu überwinden. Im Spätwinter sind die Straßen besonders schlecht und von unzähligen Lawinen und Steinschlägen arg mitgenommen. Wir mussten Steine, die uns den Weg versperrten von der Straße räumen und einmal sogar einen Stein in ein großes Loch legen um die Auffahrt auf eine sehr einsturzgefährdet wirkende Brücke zu ermöglichen. Kurz vor Vanj machten wir wie schon so oft zuvor Bekanntschaft mit Korruption in Tadschikistan. Diesmal wollten wir aber nicht mehr bezahlen und haben mit einem Anruf bei der Botschaft gedroht. Diese Message kam an und einer der Polizisten hat uns stinksauer die Schranke geöffnet. Bekanntlich trifft man sich immer zweimal im Leben, in diesem Fall schneller als uns lieb war! Nach etwas mehr als einer Stunde merkten wir, dass wir in die falsche Richtung gefahren sind und zur Polizeistation zurück mußten. Einer der seltenen Momente wo ein mulmiges Gefühl nicht ausblieb. Wir hatten noch keine Übernachtungsmöglichkeit, mussten noch einmal an der selben Polizeistation vorbei und es war schon längst dunkel geworden. Aber die Menschen belehrten uns wieder mal eines besseren.

Einer der Polizisten bot uns an bei ihm zu übernachten, er würde uns für einen kleinen Betrag auch noch was zu essen vorbereiten lassen. Wir waren hundemüde aber einfach nur glücklich, dass sich das Blatt doch noch zum Guten gewendet hatte. Der Beamte telefonierte mit seiner Frau und zeigte uns den Weg zu seinem Haus. Die Familie übersiedelte kurzerhand zum Nachbarn und überlies uns ihr spartanische Zuhause. Diese Gastfreundschaft war einfach überwältigend und ermöglichte uns nach einem aufregenden Tag eine notwendige Verschnaufpause. Am nächsten Morgen erledigten wir noch die nötigen Formalitäten für den Nationalpark, füllten unsere Vorräte auf und machten uns auf den Weg entlang des Vanj-Flusses.

Hoppala ein Stein

Happy End in Poi-Mazar:

Die Fahrt zum letzten Etappenziel unseres Road Trips war zugleich die größte Herausforderung für unser Auto. Die Straße wurde von Kilometer zu Kilometer immer schlechter und ab der Hälfte der Strecke verlief die Straße größtenteils in einem Flussbett durch loses Geröll. Nach einer gefühlten Ewigkeit machten wir in einem kleinen Dorf Pause. Die Einheimischen kamen sofort auf uns zu, und als wir weiter fahren wollten, wurden wir zum Chai trinken eingeladen, was automatisch eine Einladung zum Essen beinhaltete. Wieder einer dieser Zufälle, wir waren schon Stunden unterwegs und etwas zu Essen war nicht in Sicht. Unsere Mägen knurrten und wir folgten völlig Fremden in ihr zu Hause. Auf der Veranda wurden uns bereits Leckereien aufgetischt, als wir gefragt wurden ob wir Hühnchen mögen. Wir bejahten und wenig später wurde völlig
selbstverständlich ein freilaufendes Huhn gefangen und kurzerhand zu Hühnchensuppe verarbeitet. Frisch gestärkt erreichten wir nach weiteren beschwerlichen Kilometern unser Ziel. In Poi-Mazar war es wieder sehr einfach eine Unterkunft zu bekommen. Am Ende der Straße schraubten zwei Männer an einem liegengebliebenem Lada. Einer der Männer bot uns sein Zuhause an und wir waren wieder herzlich Willkommen. Im Abendlicht zeichneten sich schon einige Möglichkeiten ab und wir hatten noch 3-4 Tage Zeit um das Gebiet zu erkunden. Die Familie bemühte sich sehr um uns und ließ uns am Familienleben teilhaben. Nach unserer ersten Erkundungstour bei schwierigen Lichtverhältnissen haben wir ein tadschikisches Kraftmahl für Sportler bekommen. Eine der unzähligen Gesten die uns auf unserer Reise widerfahren waren. Der Hausherr war sehr an unseren Ansichten zu den USA und Russland sowie einem Austausch der religiösen Unterschiede interessiert. Diese Gespräche und die Offenheit uns gegenüber zeigten das wahre Gesicht des Islamischen Glaubens. Dies hat nichts mit jenem Bild des Islam zu tun, welches vielfach in den europäischen Medien gezeichnet wird.

Die letzten 2 Tage nutzten wir das gute Wetter noch perfekt aus. Am ersten Tag fiel die Wahl auf ganz kurze Hänge in der Nähe des Dorfes. Beim Zustieg folgten uns 3 Jungs aus dem Dorf, die sich das Geschehen aus der Nähe anschauen wollten. Auch auf dem kleinsten Hang, Hans und ich haben immer eine andere Idee im Kopf und kommen uns so gut wie nie in die Quere. Timo ging auf Position und hielt die ganze Action fest. Nach zwei Runs saßen wir total glücklich im Flussbett und haben die Eindrücke der letzten Tage Revue passieren lassen.

Am nächsten Morgen starteten wir wieder im Dunkeln. Schließlich wollten wir noch eine coole Tour zum Abschluss machen und einen Gipfel erreichen. Nach den ersten Höhenmetern wurden wir von einem großen Lawinenkegel ausgebremst und mussten uns einen Weg durch die gefrorenen Brocken suchen. Nach einer kurzen Pause ging es auf Fellen weiter, doch die Temperaturen meinten es nicht gut mit uns und wir mussten uns vom Gipfelplan verabschieden, was die Stimmung aber nicht trübte. Wir entdeckten 2 Bergrücken und so war schnell ein neuer Plan gefasst. Am Einstieg zur Line angekommen legten wir los und hatten noch einen richtig guten letzten Run. Auf dem Weg zum Treffpunkt mit Azamat im nächsten Dorf, entdeckten wir noch einen kurzen Run und konnten nicht widerstehen. Der definitiv letze Run auf unserem Roadtrip. Beim Aufstieg gingen uns noch mal die ganze Eindrücke durch den Kopf und wir genossen die letzen Meter auf Skiern und Splitboards in vollen Zügen.

Zurück in die Zivilisation - die letzten Tage in Duschanbe:


Total euphorisch von der letzte Tour entschlossen wir uns die letzten knapp 400 Kilometer noch am selben Tag zu fahren. Die längste Tagesetappe bis dahin waren etwa 240 Kilometer. Die 15 Stunden Fahrzeit gingen wie im Flug vorbei, jeder war in sich gekehrt und lies die Erfahrungen des Trips auf sich wirken. In Duschanbe angekommen waren wir völlig übermüdet und mussten noch ein Hostel suchen, dabei entdeckten wir einen kleinen Kiosk. Während Azamat sich um die Übernachtung kümmerte, kauften wir uns alles was unsere Gelüste verlangten. Nach einer erholsamen Dusche standen wir um 5.00 Uhr Früh in Duschanbe auf dem Balkon unseres Hostels, tranken ein Dosenbier und waren von der Reise, den Bergen und vor allem den Menschen völlig beeindruckt. Mit einem breiten Grinser im Gesicht wurde uns langsam klar was wir in den letzten 18 Tagen erlebt hatten.

Die nächsten Tage besichtigten wir einige Plätze und Sehenswürdigkeiten in Duschanbe, dabei ging uns immer wieder das Erlebte durch den Kopf und wir zogen völlig zufrieden durch die Stadt. Zum Abschluss trafen wir uns
noch mit Shakhnoza, einer Bekanntschaft über Couchsurfing und Ihren Freuden zum Essen und Feiern. Diese Reise war ein großes Abenteuer und wird uns noch lange in den Köpfen herumgeistern und beschäftigen. Für Abenteuersuchende auf jeden Fall eine Überlegung wert!
 

Die Bootsjungen

Das Team:

Hans Fleckl
Alter: 28
Wohnort: Fieberbrunn
Beruf: Skiguide
Interessen: Bergsport, Reisen,
Hans hat die letzten Jahre mit den Ausbildungen zum Skiführer verbracht und ist schon länger in den Fieberbrunner Bergen als Guide unterwegs. Er war die treibende Kraft, die es für ein solches Projekt braucht.

Timo Mößner ( https://www.facebook.com/Bootsjungen-1678645325681133/ )
Alter: 28
Wohnort: Köln
Beruf: TV-Producer
Interessen: Snowboard, Reisen,
Timo ist Kameramann und TV-Producer aus Köln. Im Winter zieht es ihn öfters nach Fieberbrunn ,um seiner Leidenschaft Snowboarden nachzugehen. In den letzten Jahren hatten wir einige gute Drehtage in Fieberbrunn.
Dadurch entstand der Wunsch gemeinsam ein größeres Unternehmen zu starten.

Chris Fuschlberger ( https://www.facebook.com/chris.fuschlberger / www.instagram.com/chris_fuschlberger ) 
Alter: 28
Wohnort: Fieberbrunn
Beruf: Selbstständig mit LineHunters.com
Interessen: Snowboard, Reisen, MTB, Laufen
Chris fährt seit 17 Jahren Snowboard und ist seit einigen Jahren auf der FWQ-Tour unterwegs. Nach zahlreichen Touren in den heimischen Bergen war die Zeit reif für ein größeres Abenteuer.

 

Vielen Dank für diesen exotischen Bericht. Wir würden uns freuen, wenn es hier mal wieder etwas von Euch zu lesen gibt.