01 March 2017    

Eine Ausflug zum Spielplatz von Ben Reynolds - gleich hinter seinem Haus in den Chugach Mountains bei Anchorage im südlichen Alaska. Wenn Wetter und Schnee stimmen ist es Zeit loszuziehen!

Februar in Alaska - die Zeit zu der das Steilwand- und Spinefahren beginnt! Nach mehreren Wochen Schneefall und hoher Lawinengefahr stellte sich im Chugach Gebirge eine solide Hochdrucklage ein. Auf die im Anschluß folgenden kalten und ruhigen Tage hin, sagte der Lawinenlagebericht des Chugach National Forest Avalanche Information Centers, dass sich die Lawinengefahr auf mäßig reduziert hat. Jetzt ist die Zeit reif und die Bedingungen gut genug um sich den geliebten Bergen und steileren Abfahrten zu widmen.

Tag 1 - 1400 Höhenmeter

Am Donnerstag starten wir am Hatcher Pass. Bis jetzt war hier viel zu wenig Schnee und die Schneedecke war schlecht verfestigt. Nach dem letzten Schneefall mit mehr als 30cm Neuschnee hatte ich das Gefühl, dass eines meiner Lieblingsgebiete jetzt reif sei um bestiegen und befahren zu werden. Nach ein paar Stunden Aufstieg in einer vom Wind gepressten Flanke erspähte ich die steile, mit Spines gespickte, Nordflanke und sie war gewaltig. Es folgte eine Wahnsinnssession. Der Start der Tour ist nur 40 Minuten von meinem Haus entfernt. Mehr als 60cm feinster Pulver bedeckten die Spines auf einer Höhe von nur 300 Metern und somit waren wir keinem zu großen Risiko ausgesetzt und konnten uns richtig gehen lassen.

Ein starker Splitboarding Buddy kann ein großer Vorteil im Backcountry sein. Du kannst Deine Limits nach oben schieben, wohl wissend, dass Dein motivierter Kumpel alle Skills besitzt, die erforderlich sind hochgesteckte Ziele zu erreichen. Wir haben unsere Vorstellung auf eine bisher ungesehene Line am Talschluss geschärft, die von anderen unglaublich schönen Lines umgeben ist… sie ist da und wartet auf uns, so der Gedanke. Ich hatte die Abfahrt ca. einen Monat zuvor vom Gipfel des Kicksteps gesehen. Ein Face mit steilen Spines und einer exponierten Rampe. Die Rampe hatte eine relativ schmale Einfahrt und in der Falllinie befand sich ein ca. 60 Meter hoher Felsabbruch. 

Ben Reynolds Hatcher Pass Alaska

Tag 2 - 1700 Höhenmeter

Am nächsten Tag starte ich früh morgens um den Turnagain Pass noch vor Sonnenaufgang zu erreichen. Ein Gebiet in dem ich besonders viel Freude empfinde. Es gibt einen ca. 1,6 km langen Grat, an dem sich steile Rampen und Spines aneinander reihen und bei guten Bedingungen befahren werden wollen, alles südseitig. Dieses mal war ich auf Solo-Mission unterwegs. Die erste Line die ich in Angriff nahm war die weitesten entfernt liegende, kurz bevor der Grat zu exponiert und felsig wird um weiter zu touren. Die erste Abfahrt hatte dann ca. 600 HM feinsten staubenden Pulver, den ich auf zusammenhängenden Rampen bis zurück zum Talboden genießen durfte. Von hier konnte ich meine nächste Line direkt wählen und mit den Verts erklimmen. Dies ist meine bevorzugte Aufstiegstechnik in anspruchsvollem Gelände, denn so kann ich die Abfahrt schon beim Aufstieg kennenlernen und die Schneebeschaffenheit besser einschätzen.

Im Turnagain Pass hatte es Inversionslage, somit waren im Tal -15° und im oberen Bereich der Route hatten wir ca. 5° Celsius. Der Aufstieg im Colour war harte Arbeit. Die linke Seite der Rinne lag in der Sonne und somit begann der Berg Schnee auf uns herunterzuschütten. Es waren Flüsse von Sluff, die direkt neben uns ihren Weg ins Tal fanden. Je höher wir rauf kamen, desto sicherer wurde es, denn hier gab es immer weniger Schnee, der herunter kommen konnte. Als wir oben heraus kamen wurden wir mit einem fantastischen 360° Blick belohnt. Von hier kann man die schönsten und anspruchsvollsten Lines von Turnagain Pass sehen. Am heutigen Tage waren mehrere Gruppen unterwegs die ihre bevorzugten Lines bestiegen und befuhren. 

Meine heutige Line hatte ich bereits Anfang der Saison befahren - ebenfalls alleine, doch durch die geringe Anzahl der Sonnenstunden im Dezember war mir eine komplette Befahrung damals nicht möglich. Heute hatte ich sowohl beim Aufstieg, als auch bei der Abfahrt Sonne. Die Abfahrt bestand aus einer Serie von Spines, die man zum Teil überwinden musste um zur nächsten Rampe zu gelangen. Ich befand mich auf einer Höhe von ca. 600 Metern oberhalb des Talbodens. Ich fühlte die Anspannung und Erleichterung eine anspruchsvolle Line in tiefem Schnee mit den Verts bestiegen zu haben. Ich bereitete mich seelisch auf die exponierte Abfahrt vor. Der Run ist so steil, dass er „überrollt“, also dass man nicht sehen kann wo man hinfährt bis man am Weg ist. Ich überprüfte mein Material ein letztes mal, dann richtete ich mein Amplid Milligram in Falllinie auf das perfekte Face. Diese Abfahrt wird schon jetzt eins meiner Highlights des Jahres sein! 

Ben Reynolds Alaska #2

Tag 3 - 21 Kilometer und 2150 Höhenmeter

Samstag kam ich zurück zum Turnagain Pass um, in einem langen Aufstieg durch die Treelines, den Ausgangspunkt des Vortages zu erreichen. Dieses Mal war ich mit einem Skitouren Kumpel, Jordan unterwegs. Wir gingen zu dem selben Grat an dem ich bereits am Vortag war, wissend das dieses Mal auf Grund des Wochenendes wesentlich mehr Ski und Splitboard Tourengeher unterwegs sein werden um ihre Steeps zu finden. Mit Sonnenaufgang waren wir die Ersten am Grat und konnten die südseitigen Flanken mit schönstem Seitenlicht genießen. Über einen halben Kilometer sind wir auf dem Grat entlang gesplittet und haben unsere Bordhälften ein paar mal am Rucksack befestigt um technische und exponierte Stellen zu überwinden. Unser erster Run war direkt neben der Line von gestern und es erwarteten uns feinste unversperrte Rippen.

Unsere Lines waren nicht enttäuschend, viel mehr waren sie voll von trockenem Pulver. Der Sluff begleitete uns bei jedem Turn und auf der Seite des Felsabbruchs staubte er bei jedem Turn in die Tiefe. Jordan fuhr eine ähnliche Line, eine der steilsten seines Lebens. Als die Sonne bis ins Tal schien begannen wir die die lange Abfahrt durch den Talboden zurück zum Ausgangspunkt. Alles in allem bewältigten ich in 3 Tagen ca. 5200 Höhenmeter und fuhr einige meiner besten Lines der Saison. 

Ben Reynolds Alaska Riding

Danke Ben Reynolds für diesen Ausflug zu Deinem Spielplatz, es hat uns riesigen Spaß gemacht hier mitkommen zu dürfen, auch wenn es "nur" mental war.



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