14 March 2017    

Digitale Geländemodelle und daraus abgeleitete Hangneigungskarten können eine sehr praktische Hilfe zur Planung sicherer Skitouren sein. Was im Gelände, auf der Karte und bei der Planung zu beachten ist, zeigen wir Euch hier am Beispiel der OpenSlopeMap.

Grundsätzliches

Die Hangneigung (Steilheit) ist bei allen Entscheidungsstrategien zur Einschätzung des Lawinenrisikos ein maßgebliches Kriterium, niemals aber das einzige, weder vor Ort noch in der vorangegangenen Planung. Die Lawinengefahr darf "nie bloß auf Grund eines Hauptfaktors (Kriteriums) beurteilt werden" betont der Lawinenforscher Werner Munter, der Anfang der 1990er mit der 3x3 Methode die angewandte Lawinenkunde revolutionierte. Seither wird bei allen gebräuchlichen Methoden die Lawinenwarnstufe mit der Hangsteilheit, Exposition und weiteren risikobeeinflussenden Faktoren kombiniert.

Hangneigung und Lawinengefahrsplitboarding safety card

Beginnend bei 25 Grad Hangneigung steigt die Gefahr einer Lawinenauslösung mit zunehmender Steilheit an, bis bei etwa 60 Grad die Neigung zu groß wird als dass sich noch ausreichend Schnee ansammeln kann. Eine einfache Methode zu Abschätzung der Hangneigung im Gelände ist die "Stockmessung", genauer geht es mit Smartphone-Apps oder auch manchen LVS Geräten. Als Anhaltspunkt gilt: Ab etwa 30 Grad beginnt man in Spitzkehren aufzusteigen.

Abhängig von der Lawinenwarnstufe ist aber nicht nur die Steilheit in unmittelbarer Umgebung des Wintersportlers von Bedeutung! Gilt es bei Stufe 2 im Bereich der Spur unter 40 Grad zu bleiben, dann ist bei Stufe 3 bereits die steilste Stelle des gesamten Hanges maßgeblich (<35°), bei Stufe 4 darf sogar in der gesamten Geländekammer kein Hang eine steilere Stelle (10x10m) als 30° aufweisen.
In der Praxis erstecken sich Hänge, und erst recht ganze Geländekammern, sehr häufig bis weit ausserhalb unseres Sichtfelds und messen können wir die Hangneigung ohnehin nur an unserem Standort. Umso wichtiger ist daher eine ordentliche Routenplanung an Hand einer topographischen Karte.

Bestimmung der Hangneigung in der Papierkarte

SteigungsdreieckMit Hilfe der Höhenlinien lässt sich in einer topographischen Karte die Höhendifferenz zweier Punkte bestimmen. Misst man dazu noch die horizontale Distanz der Punkte in der Karte, kann aus diesen beiden Werten die Steigung bzw. Hangneigung berechnet werden (rechtwinkliges Steigungsdreieck).

Horizontale Distanz (l):Höhendifferenz (h):
Hangneigung in Grad (α):Steigung in Prozent:
  

Zur Karte passende Hilfsskalen, wie wir sie beispielsweise auf unserer safety basics Karte aufgedruckt haben, ereichtern die Ermittlung der Hangneigung. Dazu legt man die Karte an die Höhenlinien an und verschiebt die Skala soweit bis die Linienabstände übereinstimmen.

Digitale Hangneigungskarten

Nochmals deutlich komfortabler als jeden Hang in der Karte einzeln auszumessen, geht die Tourenplanung mit Hangneigungskarten. Hier können die kritischen Neigungen direkt als visuelle Interpretation der Höhenlinien abgelesen und so Schlüsselstellen und Umgehungsmöglichkeiten leichter erkannt werden.
Genauso wie für die Höhenlinien gilt, die Aussagekraft hängt von der Genauigkeit der erhobenen Daten ab. Während früher im Gelände gemessen, trianguliert und interpoliert wurde, Vermesser und Kartographen standen als Erste auf vielen Gipfeln, wird heute per Laserscanning von Satelliten, Flugzeugen und Hubschraubern aus, bis hinunter in den Zentimeterbereich, aufgezeichnet.
So genau braucht es der Wintersportler nicht, der Schnee überformt die Landschaft und wir betrachten beim Lawinenrisikomanagement auch meist Distanzen von etwa zehn bis zu mehreren Hundert Metern hin. Als gut geeigneter Kompromiss gilt daher das 10m Modell, auf Basis dessen beispielsweise das Land Tirol schon sehr früh Hangneigungen in seinem Kartenportal angezeigt hat. Die zu Grunde liegenden Höhendaten teilt das Land Tirol im Rahmen der Open Government Initiative kostenfrei mit der Allgemeinheit. Sehr vorbildlich, denn nun kommen wir zu einem Projekt das Höhendaten verschiedener freier Quellen in einer einzigen Hangneigungskarte vereint, der OpenSlopeMap.

OpenSlopeMap

"Die Hangneigungskarte für Alpinisten, Ski- oder Splitboardtourengeher und Freerider", gemacht von zwei ebensolchen, Peter und Reini aus der Oberpfalz.
Die beiden haben in ihrer Freizeit die besten, frei zugänglichen, digitalen Geländenmodelle (DGM) für den Ostalpenraum aufbereitet und weiterverarbeitet. Dazu wurden in vielen Arbeitschritten Schummerungen, Höhenlinien und Hangneigungen errechnet und angereichert mit Daten aus dem OpenStreetMap Projekt in einer Karte zusammengeführt. Anschließend wurde das Ergebnis in mehrere Millionen kleine Kacheln aufgesplittet, die dann, je nach Kartenauschnitt und Zoomstufe passend, schnell ausgeliefert und angezeigt werden können

Hier haben wir zur Veranschaulichung die verschiedenen Phasen, von den nackten Daten zur bunten Karte, an einem winzigen Ausschnitt nachvollzogen und Für Euch zum selbst erkunden als zuschaltbare Ebenen eingebunden.

 

Besonderheiten der OpenSlopeMap

Die Einführung erweiterter Hangneigungsklassen zwischen 40° und 50° folgt der Überlegung, dass in diesem extrem kritischen Bereich jedes zusätzliche Grad Steilheit das Risiko alpiner Gefahren drastisch ansteigen lässt. Die beiden Autoren und auch wir weisen bei der Gelegenheit nochmals darauf hin: Die Hangneigung alleine darf niemals das einzige Kriterium sein an dem Ihr Euch im Lawinenrisikomanagement orientiert! Abgesehen davon bilden selbst gut aufgelöste Hangneigungskarten nur bedingt die Realität ab.

Zudem ist zu beachten dass die OpenSlopeMap Hangneigungen je nach Region aus unterschiedlich aufgelösten Basisdaten generiert wurden - für Österreich und Südtirol in 10m Auflösung, für Slowenien in 20 und für Bayern an Hand eines 30 Meter DGMs.

Für diese Regionen macht es nun auch Sinn Euch ein kleines Planungstool an die Hand zu geben, mit dem Ihr unkompliziert gps Tracks anzeigen, nachzeichen oder auch ganz frei zeichnen könnt und die fertige Route anschließend wieder als gpx oder kml Track exportiert werden kann. Probiert es selbst aus:

Zum Routenplaner

Wir danken den Machern der OpenSlopeMap für dieses nützliche Hilfsmittel und freuen uns sehr die Kartendaten hier auf splitboarding.eu verwenden zu dürfen. Die Hangsneigungskarte soll künftig auf weitere, alpinistisch interessante, Regionen ausgedeht werden sobald hierfür frei zugängliche Daten verfügbar sind. Ihr könnt das Projekt auf openslopemap.org direkt fördern und generell, indem Ihr OpenData und OpenGovernment Initiativen unterstützt wo immer sie Euch begegnen und sinnvoll erscheinen.

OpenSlopeMap Download

Zur Offline Nutzung wird die Karte kostenfrei in den Formaten mbtiles und trekbuddy zum Download angeboten und kann somit unterwegs auch auf dem Smartphone verwendet werden.

Als Kartenmaterial auf Tour empfehlen wir aber stets eine orginal papierene, möglichst Alpenvereinskarte im Maßstab 1:25.000 als Backup dabei zu haben.



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