06 August 2016    
Pogo Teamfahrerin Sophia berichtet uns von ihrem Roadtrip von A bis Z, Andermatt, Aostatal, Wallis, Zinal und welche Grenzen es bei solchen Aktionen zu erleben gibt.

Grundsätzlich waren es ja nur 3 Landesgrenzen innerhalb Europas, die wir passierten. Die allererste aus Österreich bzw. Deutschland in die Schweiz. Sophia in ihrem VW Golf, der später noch seinen großen Auftritt hat. Johanna mit viel Gepäck und guter Musik im Zug vom Allgäu nach Andermatt. Gemeinsam ging es dann los von A bis Z, Andermatt, Aostatal, Wallis, Zinal. Die geographischen Grenzen waren es nicht, die unsere Pläne über den Haufen warfen. Alle Grenzbeamten zogen den Mädchenbonus einem Durchwühlen stinkender Ausrüstung vor. Eher waren es Grenzen, an die wir so im ersten Moment gar nicht dachten. Und so stießen wir auf Grenzen, die einige von euch bestimmt auch schon erlebt haben.

Da wären zuerst einmal die Grenzen am Material, die bekanntermaßen ja immer als gute Ausrede herhalten.
Wir sind mit einem VW Golf losgezogen und zwar keiner von der langen Sorte, eine feine Dachbox war leider auch nicht mit von der Partie. So war Stapeln und die Taktik Mitfahrer rein - Gepäck oben drauf angesagt, als wir Richtung ZinalFreeride noch unseren 3. Teampartner Sebastian einsammelten.
Am allerwichtigsten für einen witzigen Roadtrip ist erfahrungsgemäß Musik. Da das Radio leider nur FM fähig war, gab es immer den lokalen Radiosender und das bescherte uns den allerwitzigsten Roadtrip. Schwitzerdütschrules!

Wintercamping

Unser Material hatte es sogleich in Zinal im schönen Wallis recht schwer, da es sich in einem Zwei-Mann-Zelt zu dritt nun doch echt recht schlecht schläft. Nach einer Biwaknacht in einer überdachten Garageneinfahrt, wurden wir freundlicherweise ins Chalet aufgenommen. Die Schweizer bewiesen ihre Gastfreundschaft mit den besten Crepes Raclette und wir konnten unsere Französisch-Skills über Merci hinaus anwenden. Kurz vor dem eigentlichen Contest, der nach Buckelpisten-Freerideslalom und Mohrenkopfwettessen stattfand, hat sich unser Teamkollege Sebastian die Bindung aus dem selbst gebauten Ski gerissen. Materialschwäche ganz klar, da musste dann ganz schnell ein Testski her..

Unser Teamerfolg krönte sich im 6. Platz beim ZinalFreeride. Knapp gescheitert wäre dieser nur an den sprachlichen Grenzen. Wie schon gesagt wurden wir von sehr netten Schweizern und Franzosen und auch einem Engländer in ihre Chalets eingeladen. Dadurch wurden unsere Grundkenntnisse in Französisch enorm verbessert. Jedoch leider war unser Fortschritt nicht groß genug, dass wir zunächst verstanden hätten, dass der ZinalFreeride aus drei Teilen besteht: Freerideslalom und Mohrenkopfwettessen als Schlechtwetterprogramm für den ersten Tag! Freeride Contest am strahlend schönen zweiten Tag.

Zinal Freeride

Was haben wir sonst noch gelernt? Plane niemals einen Roadtrip, Wetter und Verhältnisse werden dir eh einen Strich durch die Rechnung machen.

Zunächst hat uns die konstant kritische Lawinensituation im vergangenen Winter aus Tirol abhauen und in die Südwestalpen ziehen lassen. Als der Trip dann Mitte März losging, war die Wetterprognose windig und nass. Dies führte dazu, dass unsere Routenplanung über den Haufen geworfen wurde. Das Ziel, die Befahrung des MontTabour in Frankreich wurde verschoben. Unbekanntes Gebiet bei schlechten Bedingungen ist in winterlichen Bergen grenzwertig.

Ein weiterer Grund war außerdem die Planung mit unserem dritten Fahrer, Filmer und Fotograf JojoHeel, den wir schließlich in Andermatt trafen. Die Tour um und auf den Oberalpstock hat sich dann voll ausgezahlt, bei bluebird, einer 2000 Höhenmeter Abfahrt und feinen Lines.

Die härtesten Wetterbedingungen, welche uns an unsere Grenzen führten, haben wir im Aostatal erlebt. Nach einem zu Beginn überragenden Skitag in Alagna/Gressoneywurde aus 4000er Panorama ein knapper Meter Sicht im Nebel. Auch der köstliche Cappuccino für nur 1,30€ konnte am schlechten Wetter nichts ändern.

Am nächsten Tag mussten wir feststellen, dass trotz blauem Himmel der Wind zu stark blies und alle Lifte geschlossen blieben. Also ab zum Cappuccino und ausführliche Wetterrecherche. Weiter gings dann noch am selben Tag Richtung Gran Paradiso.

Alt

Einmal durch das traumhafte Aostatal tief hinter ins Valsavaranche Tal, ging es dann am darauffolgendem Tag hoch zum Refugio Emanuele. Noch ein weiterer kleiner Gipfel, um dann wieder einen dieser köstlichen Cappucino auf über 3000m für 1,30 Euro zu trinken. Grenzwertig waren in der Höhe wieder extreme Windgeschwindigkeiten. Wir waren jedoch zuversichtlich für den darauffolgenden Tag. Nach einer kurzen Nacht starteten wir mit Bilderbuch-Sonnenaufgang und bitterkaltem Wind. Nun waren da unsere persönlichen Grenzen sichtbar, durch die Grenzen welche uns das Wetter setzte. Also fett einpacken, gegenseitig anfeuern und Hände und Zehen warm halten. Im Sturm waren wir oben und genossen paradiesisch Madonna, Sturm und Aussicht. Schnell rein in die Bindung und bergab. Auf Blankeis und windverpresstem Gletscherpowder ließen wir uns es nicht nehmen, einige der Dynafitinsekten hinter uns zu lassen, die uns noch in ihrem Aufstiegsrun ungläubig gemustert hatten. Glücklich und zufrieden war die Brotzeit am Rifugio natürlich doppelt so lecker.

Die Situation im eiskalten Wind mit Angst um Zehen und Finger war sicher eine Erfahrung persönlicher Grenzen. Auf einem Skitrip mit Zelt und Camping stößt man daran aber natürlich öfter als im normalen Alltag. Es sei da der enorme Bierkonsum am ZinalFreeride genannt. Schon am ersten Abend war unser gesamter Biervorrat weg – und es war nicht allzu wenig... Oder ein geschwollener Fuß,den man sich gleich an eben dieser Feier aufgrund enormer Tanzwütigkeit zugezogen hat. Dann war da noch diese Skitour auf den Hausberg von Aosta mit einer Stunde Zustieg zu Fuß und bockhartem Aufstieg. Aber wieder einmal wurden wir auch da mit feinstem Firn auf der Abfahrt belohnt. Und so zeigt sich, dass es die Quälerei und das Grenzen austesten wert ist.

Jede Erinnerung an unseren Trip und jedes Foto beweisen es und lassen uns jederzeit wieder losziehen, um ein paar Grenzen egal welcher Art auszutesten.