08 January 2017    

Zeichnet man auf einer Weltkarte eine Linie zwischen dem österreichischen Kitzbühel und dem japanischen Niseko, so liegt Kasachstans größte Stadt Almaty genau in der Mitte. Die Stadt am Fuße des Tian Shan Gebirges hat eine reiche Berg- und Skisport Geschichte und Sebastian von roninsnowboards.com war letzten Frühling dort um die Berge im Ile-Alatau National Park etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Hier sein Bericht.

Jagshemash!

Das Tian Shan Gebirge war schon seit geraumer Zeit auf meiner To-do-Liste, sicherlich nicht mit der höchsten Priorität, aber dennoch immer im Hinterkopf behaltend. Nachdem ein guter Freund bereits ein Jahr dort verbrachte, überzeugte er mich letzten Frühling so schnell wie möglich zu kommen.

Das Tian Shan erlaubt es Deine Touren Saison bis in den Juni zu verlängern, so sein Hauptargument. Mit guten Schneebedingungen und dank der vielen 4000er kannst du echten Powder bis Ende der Saison fahren. Ich nahm zwar nicht alle seine Lobpreisungen für bare Münze aber da sich die Möglichkeit ergab war es einen Versuch wert.

Nachdem die Wetter und Neuschneeberichte im Frühling 2016 für diese Region alle Erwartungen übertrafen, plante ich meine Reise für Ende Mai. Im Gebirge blieb es weiterhin kalt und die Locals waren erstaunt über die Schneemenge, die Mutter Natur so spät im Frühjahr mitbrachte. Jede Woche gab es neuen Pulver und die Leute vor Ort waren glücklich über die Menge an Varianten, die plötzlich möglich waren. Immer mehr Bilder und Videos erreichten mich über die üblichen Social Media Kanäle, so fieberte ich die letzten Wochen dem Abflugtermin entgegen, denn meine Kunst des Wartens war nun auch erschöpft.

Kosmo-Station

Während der Ankunft in Almaty, bei 30°Celsius, in Shorts und Flip Flops konnte ich mir nur schwer vorstellen, dass ich nur noch eine Stunde Fahrzeit von mächtigen Bergen mit jeder Menge Schnee entfernt war. Unser erster Halt war die Kosmo-Station, eine Anlage, die noch zu Sowjetzeiten errichtet wurde wo Wissenschaftler und Militärexperten damals mit wahnsinns High-Tech Equipment Sterne, das Universum und den damaligen Klassenfeind beobachteten. Die Station, mit teils verlassenen, teils bewohnten Gebäuden liegt tief im Ile-Alatau National Park, etwas oberhalb vom Big Almaty Lake 3200m über dem Meeresspiegel. Dorthin zu kommen und eine Unterkunft zu bekommen ist fast unmöglich, wenn man nicht die richtigen Kontakte hat. Zum Glück hat unser Head Guide Rustam, der auch das Projekt Snowlab Shymbulak entwickelt, die richtigen Kontakte und kennt das Gelände wie seine Westentasche. So waren wir untergebracht in eines der Kosmo Station Häuser, es gibt sogar Elektrizität und Gas, aber kein fließend Wasser und die Toiletten befinden sich draußen.      

Unser erstes Ziel war es ein paar einfache Lines zu fahren um sich etwas an die Höhe zu akklimatisieren. Dort oben gibt es sogar einige Stahlseile, die zu Kosmo-Zeiten als Materialtransport verwendet wurden. An denen kann man sich, ähnlich wie die Schlepplifte im Kinderland, mit den Händen dranhängen, um so den Berg hochzukommen. Nur verlangen das steile Gelände und Tiefschnee einiges mehr an Können und Kraft. Am ersten Tag ging es auf den Pik Molodhozhny, einer der fast 4000er in dieser Region. Die 800 Höhenmeter waren ganz gut zur Eingewöhnung, nur das wechselhafte Wetter mit Schnee, starkem Wind und einigen wenigen Sonnenstrahlen war nicht ganz perfekt, trotzdem blieb der Spaßfaktor hoch. Nachdem wir in unserem Quartier auf 3200hm angelangten fing es wieder an zu schneien und nach einem kurzen Nickerchen fuhren wir zum Abendessen weiter ins Tal ab. Mit jeder Menge guter Vibes freuten wir uns auf die kommenden Tage und gingen zu Bett.

Der Wecker klingelte bereits um fünf Uhr in der Früh um das Wetter zu checken. Da es frischen Pulver, blauen Himmel und Sonne satt gab, versprachen die Kosmo Leute den Lift schon um 6 Uhr in der Früh anzuschmeißen. Die Stahlseile sind nicht ganz einfach zum Festhalten und machen einen mit der Zeit ziemlich fertig, da jeder erst einmal seine eigene Technik entwickeln muss um den Berg herauf zu kommen. Dennoch ging es auf diese Art und Weise um einiges schneller als ein Aufstieg mit dem Splitboard und da wir erst am Anfang des Trips standen und noch viele Höhenmeter vor uns lagen freuten wir uns natürlich über diese Aufstiegshilfe. Einige andere "Powder-Fanaten" kamen dann am Vormittag aus Almaty nach, aber da es unzählige Varianten und verschiedene Lines gab dauerte es über fünf Stunden um alle Felder in Liftnähe zu zerfahren. Mit einem super Blick auf Almaty und der endlosen Steppe dahinter beendeten wir den Tag mit einigen Fahrten durch kleinere Couloirs. Am Ende des Tages hieß es Sachen packen, denn am nächsten Tag fuhren wir zur nächsten Destination, in Kasachstans größtes Skigebiet Shymbulak.

Shymbulak

Nach kurzem Zwischenstopp in Almaty um Essensvorräte zu besorgen, erreichten wir das Skigebiet, welches seinen Winterbetrieb bereits eingestellt hatte. Unser Plan sah vor in einen der zahlreichen Hostels unterzukommen und bei einer russischen Banja unsere Körper wieder in Schwung zu bekommen, denn die nächsten Tage sollten so richtig anstrengend werden. Banja, das ist die russische Saunaversion mit Wasseraufgüssen, die so richtig viel Dampf entstehen lassen.

Die Region um den Tuyuk-Su und Bogdanowitsch Gletscher mit seinen unzähligen Gipfeln und Seitentälern bietet faszinierende Touren Möglichkeiten in der unberührten hochalpinen kasachischen Gebirgswelt. Dank unserer Freunde durften wir die Hütte der Bergretter ganz oben im Skigebiet auf 3200m Seehöhe nutzen. Zum Talgarpass ist es dann nur noch einen Katzensprung. Dieser Übergang ist der ideale Ausgangspunkt für die Splitboardtouren in der Bogdanowitsch Region oberhalb des Skigebietes. Unser Hauptziel für die kommenden Tage war es den besten Schnee im Bogdanowitsch Gebiet zu finden. Der Bogdanowitsch Gletscher ist von vielen 4000er Gipfeln wie dem Fizkulturnik  (4068m), Nursultan (4376m), Karlytau (4170m), Abaya (4010m) und dem Pioner (4037m) umgeben und bietet ein sehr abwechslungsreiches Terrain mit riesigen Feldern, steilen Couloirs und vielen anderen Optionen.

Jeden Morgen standen wir um fünf Uhr auf, frühstückten kurz und starteten mit unseren Touren so früh wie möglich. Obwohl wir bereits oberhalb der 3000er Marke waren, verwandelte das bereits erstarkende Sonnenlicht den Schnee sehr schnell in Slush und wir mussten mit Gleitschneeabgängen ab den Mittagsstunden rechnen. Zusammen mit Egor setzten wir uns das Ziel den Ajak und Tiul Gletscher zu befahren.  Egor, der die letzten 30 Jahre damit verbrachte, diese Berge hier zu erforschen, ist der erfahrenste Guide hier in der Gegend. Wir waren ziemlich aufgeregt vor dieser Tour, da diese Ziele nicht gerade zu den Modetouren hier im Tian Shan gehörten. Wahrscheinlich wurden diese Hänge nie zuvor mit Splitboard oder Ski befahren, aber wer kann das schon so genau sagen. Jedenfalls wäre es die letzten Jahre unmöglich gewesen. Während des Winters sind die Bedingungen einfach zu rau und unberechenbar um überhaupt in die Nähe dieser Gletscher zu kommen und während des Frühlings gab es niemals genügend Schnee. Glücklicherweise nicht so dieses Frühjahr, so hatten wir die besten Bedingungen die diese Tour ermöglichten. 

Unser nächstes Ziel war der Pass am Ende des Tals, wo unsere Freunde von SnowLab Shymbulak sonst Heli-boarding Trips organisieren. Von dort hat man einen großartigen Blick nach Süden auf die Tuyuk-Su Gletscher Region. Erst hier, an diesem Punkt der Reise, wurde uns die wahre Größe der gewaltigen Gebirgs- und Gletscherlandschaft des Tian Shan bewusst. Das letzte Highlight unseres Trips war die Besteigung des Peak Fizkulturnik, einer der 4000er in der Bogdanowitsch Region. Oben angekommen nahmen wir denselben Weg über die Gletscher, wie an den Tagen zuvor, nur dieses Mal war der Schnee schon etwas schwerer.

Nach einigen Tagen in der Wildnis freuten wir uns wieder in die Zivilisation zurückzukehren. Das musste natürlich auf traditionelle Weise mit etwas kasachischem Kognak festlich gefeiert werden.

Kasachstan hat unsere Erwartungen um Meilen übertroffen. Du kannst zusammen mit netten Bergverrückten 4000er besteigen, frischen Pulver und ganz abwechslungsreiches Terrain in einsamen Bergwelten finden.  Für ambitionierte Splitboarder bietet die Region viel Potential.

 

Kasachstan Reisen 2017

Snowlab Gudauri bietet dieses Jahr Splitboardreisen nach Kasachstan an. Wer schon etwas mehr Erfahrung auf dem Splitboard mitbringt kann diese Gegend mit erfahrenen Bergführern erkunden.

Voraussetzungen

  • Verständigung auf Englisch oder Russisch
  • Etwas Abenteuerbereitschaft
  • Kondition für längere mehrstündige Aufstiege mit bis zu 1500 HM
  • Splitboard im technisch einwandfreien Zustand
  • Sicherheitsausrüstung verpflichtend (LVS, Schaufel, Sonde, Erste Hilfe Paket, Helm)
  • Empfohlen wird ein ABS Airbag System, sowie Rückenprotektor

Termine

  • 30.4.2017 bis 9.5.2017 (schon fast ausgebucht)
  • 13.5.2017 bis 25.5.2017

Reiseablauf

  • Tag 1: Ankunft in Almaty. Besorgung von Proviant und Reise zur Kosmo-Station
  • Tag 2: Frühstück, Splitboarding, Abendessen, Freizeit.
  • Tag 3: Frühstück, Splitboarding, Transfer nach Almaty.  Besorgung von Proviant und Weiterreise nach Shymbulak.
  • Tag 4: Frühstück, Transfer zum Talgarskiy Pass, Einrichtung im Basecamp, Abendessen.
  • Tage 5-6: Frühstück, Splitboarding in der Bogdanowitsch Region, Abendessen, Freizeit.
  • Tag 7: Frühstück, Splitboarding, Transfer nach Shymbulak, Abendessen.
  • Tag 8: Frühstück, Reise zur T1-Station, Einrichtung im Camp, Abendessen.
  • Tage 9-10: Frühstück, Splitboarding in der Tuyuk-Su Region, Abendessen, Freizeit.
  • Tag 11: Frühstück, Splitboarding in der Tuyuk-Su Region, Rückreise nach Shymbulak, Abschiedsparty
  • Tag 12: Rückreise zum Flughafen Almaty

Weitere Infos und Buchung auf der Seite von Snowlab Gudauri.

 

Karte: EWP Central Asia – Almaty Kazakhstan, Kyrgyzstan 1 : 500,000 Topografische Karte

 

Guiding: Rustam Ibragimov, SnowLab Shymbulak www.facebook.com/snowlabshymbulak