06 December 2016    

Immer wieder werden wir mit einer Frage konfrontiert: Wie beginne ich am Besten mit dem Splitboarden?
Du hast Schneeschuhe oder ein Splitboard und die dazugehörige Sicherheitsausrüstung? Du kennst die Thematik der alpinen Gefahren und kannst sicher abseits der Pisten fahren? Dann ist es nur noch ein kleiner Schritt den Du wagen solltest, wenn Du schon die ein oder andere Traumabfahrt vor Augen hast.

Wahrscheinlich beschäftigst Du Dich auch schon bereits mit weiteren Fragen. Wie finde ich Tourenpartner, die mit mir losziehen und die ersten Touren zu einem sowohl unvergesslichen, als auch sicheren Erlebnis machen?

Verantwortung auf Tour

Du bist nicht alleine. Vielen Menschen geht es genau so, auch wenn Deine engsten Snowboard-Buddies mit den Gedanken noch in den Grenzen der Skigebiete verweilen. Meistens ist die Standardantwort: „Such Dir erfahrene Tourengeher und lerne von ihnen“. Das mag funktionieren wenn es in deinem Umfeld Backcountry Enthusiasten gibt, doch wenn nicht, wird es etwas schwieriger. Oft ist es der Fall, dass erfahrene Tourengeher nicht so gerne mit Einsteigern losgehen. Warum sollten sie? Und das hat nicht unbedingt was mit Egoismus zu tun. Häufig ist das Fitness-Level sehr unterschiedlich und die Bergfähigkeiten bzw. die Interessen sind nicht kompatibel. Der Hauptgrund allerdings ist das Vertrauen. Ist Dein Tourenpartner fähig die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen wenn etwas schief geht? Kann er oder sie mir helfen wenn das physische Limit schon erreicht ist? Wir wollen diese Thematik etwas näher beleuchten. Wenn Du der Erfahrenste oder die Erfahrenste in der Gruppe bist, trägst Du die Verantwortung. Dabei spielt es keine Rolle ob du Bergführer bist oder einfach nur gerne und oft in die Berge gehst. Eine falsche Entscheidung, ein Unfall, jemand verletzt sich, die Bergrettung muss alarmiert werden und schon kann es los gehen. Wer ist schuldig? Hätte der Unfall vermieden werden können? Wurde grob fahrlässig gehandelt? Usw. Als erfahrenstes Mitglied der Gruppe hättest Du es besser wissen müssen!

Die ersten Schritte

Schon sind wir wieder bei der Frage, was tun, wenn der Wille vorhanden aber die Möglichkeiten und die Erfahrung limitiert sind?


Kurz gesagt - zieh einfach los und entdecke die Bergwelt! Der Tod lauert nicht hinter jedem Felsen oder bei jeder Abfahrt sobald Du das gesicherte Gelände verlässt.


Aber damit Du nicht in Schwierigkeiten kommst, gibt es einige wichtige Dinge die gerade zu Beginn von besonderer Bedeutung sind.

  • Bleib stets deutlich unter 30° Hangneigung.
  • Halte Dich konsequent von vergletschertem Gelände fern - hier lauern die Spalten.
  • Halte Dich von steilen Flanken fern - von oben lauert die Gefahr spontaner oder fernausgelöster Lawinen.

Unter 30° mag vielleicht langweilig sein wenn Du nach der Traumabfahrt suchst und steile Flanken die deinen Aufstieg und deine Abfahrt säumen sind auch nicht gerade selten. Also beschäftige Dich tiefer mit dem Thema. Die splitboarding.eu Safety Serie ist ein erster Einstieg, danach solltest Du Dich um weiterführende Literatur kümmern. Am Ende des Artikels haben wir eine kleine Liste mit lesenswerten Büchern zusammengestellt.

Mache Dich vertraut mit dem Lawinenlagebericht (hier gibt es eine Übersicht der Quellen) und verfolge ihn vom ersten Schneefall an. Bleib auch dann informiert wenn Du länger nicht ins Backcountry kannst. Die Bedingungen verändern sich während der Saison ständig und die zurückliegenden Wetter- und Schneelagen beeinflussen dabei natürlich weiterhin den Aufbau und damit die Stabilität der Schneedecke. 

Beginne mit deinen ersten Touren am besten in ehemaligen, aufgelassenen Skigebieten unterhalb der Waldgrenze und mit kurzen Aufstiegen (z.B. Rauthhütte). So lernst Du Dein Material am Besten kennen. Mittlerweile kannst Du das Splitboard Material auch an ausgesuchten Stellen leihen, zum Beispiel beim Freeride Center Stubai. Ja, Pistentouren sind langweilig und wenn man auch noch bei Skibetrieb unterwegs ist fühlt man sich wie der ärgste Monk. Alle fahren mit dem Lift und Du gehst zu Fuß mit dem Splitboard oder den Schneeschuhen. Ist nicht cool, ja wissen wir auch, doch hier geht es nicht um Coolness, sondern um Deine Vorbereitung für die Abenteuer in der freien Bergwelt.

Die Vorteile:

  • Du kannst es alleine machen
  • Du kannst Deinen Rhythmus gehen
  • Du bist so sicher wie die Skifahrer oder Winterwanderer
  • Du kannst Aufstiegstechniken wie z.B. Spitzkehren oder Querungen üben
  • Du kommst in Form und Deine Ausdauer steigt

Wenn die Bedingungen nicht optimal sind kann zu Beginn schon der Aufstieg auf einer Skipiste zur Herausforderung werden. Wenn Du zu Betriebszeiten unterwegs bist, geh unbedingt am Pistenrand (FIS Pistenregeln beachten!). Ist das Skigebiet geschlossen, erkundige Dich über angebotene Tourenabende oder die Zeiten wann die Pisten präpariert werden. Gespannte Stahlseile der Pistenfahrzeuge oder ähnliches können gefährliche Überraschungen mit sich bringen oder ein Fahrer der Dich nicht sieht… Wie gesagt am besten ist das Üben in ehemaligen Skigebieten wo es keinen Liftbetrieb mehr gibt aber die Pisten noch vorhanden sind. Inzwischen gibt es auch etliche Skigebiete mit gelenkten Pistentourenrouten, dort kommt man sich mit den Abfahren nicht in die Quere.
Es braucht auch niemandem peinlich sein eine Skipiste mit eingeschaltetem Pieps, Schaufel, Sonde und der restlichen Ausrüstung hochzulaufen. Im Gegenteil, so lernt man seine Ausrüstung zu optimieren und verinnerlicht Standardprozeduren wie das Ein- und nach der Tour Ausschalten des LVS-Geräts.

Besuche Camps die sich nicht nur mit dem Thema LVS-Suche beschäftigen. Ein gutes Splitboard Camp sollte dir auch die Grundlagen vermitteln wie Du Deine Touren planst, wie Du das Terrain liest, wie Du Dich sicher in der Bergwelt bewegst und wie Du eine sichere Abfahrtsroute wählst. Als Beispiele möchten wir die SAAC 2nd Step Camps die Choice Splitboard Camps oder neu dabei splitboard-camps.at nennen. Doch gibt es auch noch andere erstklassige Camps die diese Informationen gerne mit Dir teilen und Dir unvergessliche Tage bescheren.

Nutze jede Möglichkeit ins Backcountry zu kommen. Auf jeder auch noch so kurzen Tour kannst Du etwas lernen, gerade zu Beginn. Viele Alpine Vereine bieten geführte Tagestouren an. Hier bist Du zwar meistens mit Skitouring Kollegen unterwegs, was bedeuten kann, dass die Routenwahl nicht snowboardfreundlich ist und das Du ziemlich schnell unterwegs sein musst, allerdings lernst Du auch dort einiges. Besser geeignet sind die speziellen Splitboard Tages- oder Mehrtagestouren oder die mittlerweile weit verbreiteten Splitfeste. So zum Beispiel unserer eigenes, das Split & Relax oder das Alpine Splitfest unserer Schweizer Kollegen. Mittlerweile gibt es solche Veranstaltungen weltweit.

Wenn ihr bereits eine kleine Gruppe seid die Splitboarden lernen möchte oder wenn Ihr Euer Niveau steigern möchtet, dann gibt es auch die Möglichkeit einen Bergführer zu buchen. Mit 5 Personen ist das preislich OK und wenn der Bergführer Erfahrung mit Splitboard Touren hat, könnt Ihr hier eine Menge lernen. Falls der Bergführer nicht von sich alleine aus erzählt und sein Wissen teilt, stellt viele Fragen um ein Maximum an Lernerfolg zu erhalten. Ein guter Bergführer teilt sein Wissen gerne und freut sich wenn seine Kunden in Zukunft auch eigenständig auf Tour gehen können.

Wenn Dich der gutartige Virus dann gepackt hat und Deine Fitness passt - warum nicht mal ne geile Reise machen. Auf splitboarding.eu gibt es immer wieder tolle Angebote.

Mach auch in unserem Forum mit, hier gibt es viele Gleichgesinnte und Du kannst Deine Reputation als vertrauenswürdiger Tourenpartner aufbauen und Kontakte knüpfen.

Hier noch einige wichtige Dinge, wenn Du Deine eigenen Touren planst

  • Wisse immer wo Du bist - im Notfall musst Du Deine genaue Position angeben können
  • Wisse immer wie Du sicher zurück kommst
  • Nimm genug Zeit mit - meistens dauern Touren länger als geplant. Murphys Law trifft immer wieder zu. Deine Felle werden nass und kleben nicht mehr, Dein Stock zerbricht, Du verlierst eine, oder gleich mehrere Schrauben Deiner Bindung, Du triffst eine Entscheidung die nochmal eine zusätzliche Stunde verlangt… In den vergangenen Jahren haben wir all diese Dinge bereits erlebt und jedes Mal draus gelernt.
  • Habe immer genug Wasser und Nahrungsmittel dabei, oder auch heißen Tee.
  • Gehe an schönen Tagen, bei dichtem Nebel kann eine relativ einfache Tour zum Höllenritt werden.
  • Trefft Entscheidungen zusammen, angepasst an das schwächste Mitglied der Gruppe
  • Sei defensiv, besser nein sagen als nie wieder unterwegs sein. Die Berge rennen nicht davon!
  • Sei nicht zu stark auf Dein Ziel fokussiert, es gibt immer Alternativen die auch sehr schön und im Zweifel sicherer sind.
  • Verlass Dich nicht auf die digitalen Karten, habe immer eine Papierkarte und einen analogen Kompass dabei.

Hier gibt es einen Artikel mit weiterführender Info: http://www.splitboarding.eu/de/sicherheit/tourenplanung

Literatur

Werner Munter: 3x3 Lawinen: Risikomanagement im Wintersport. Tappeiner, 5. Auflage, 2013, ISBN: 978-8870737752

Rudi Mair, Patrick Nairz: lawine.: Das Praxis-Handbuch von Rudi Mair und Patrick Nairz. Die entscheidenden Probleme und Gefahrenmuster erkennen. Tyrolia, 5. Auflage, 2015, ISBN: 978-3702235048

Bruce Temper: Avalanche Essentials: A Step by Step System For Safety and Survival. Mountaineers Books, 1st Edition, 2013, ISBN: 978-1594857171



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